Anzeige

Anzeige

Bluthochdruck – besser essen hilft!

Er schleicht sich symptomlos in unser Herz-Kreislaufsystem, und nur die Hälfte aller Betroffenen weiß von seiner Existenz: erhöhter Blutdruck. Was hilft, ist regelmäßige Kontrolle und ein Mix aus Verhaltensänderungen. // Sabine Kumm

Luna YogaHoher Blutdruck – das klingt harmlos, ist es aber nicht. Denn was chronischer Bluthochdruck unseren Gefäßen antut, hat ihm unter Medizinern längst den Beinamen „Stiller Killer“ eingebracht. Der Grund: Bleibt er über längere Zeit bestehen, führt das zu einer Veränderung und Verengung der Gefäße, die sich irgendwann ganz verschließen können. Die dramatischen Konsequenzen reichen von Durchblutungsstörungen der Extremitäten bis hin zu Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenversagen.

Lebensstil ändern statt Tabletten

Dass das nicht sein muss, beweisen die Zahlen: In gut 90 Prozent der Fälle ist der chronische Bluthochdruck das Ergebnis unserer modernen, von Bewegungsmangel und falscher Ernährung geprägten Lebensführung. So sind zum Beispiel rund drei Viertel aller Bluthochdruckpatienten übergewichtig.

Die „Therapie“ ist denkbar einfach: gesünder leben. Ärzte nennen es „Anpassung des Lebensstils“ und meinen damit das wohlbekannte Quartett aus Abnehmen, Bewegung, Stressbewältigung und richtiger Ernährung – wer auf diese vier Faktoren achtet, kann oft sogar auf die sonst notwendige tägliche Medikamenteneinnahme verzichten.

Gerade dem Essen kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Die Deutsche Herzstiftung und die Deutsche Hochdruckliga empfehlen eine Ernährung nach den sogenannten DASH-Richtlinien, die auf mehrere umfangreiche amerikanische Studien zurückgehen. Wichtige Bestandteile sind frisches Obst und Gemüse, zusätzliche Ballaststoffe durch Vollwertprodukte, fettarme Milch und Joghurt, maßvoll eingesetzte pflanzliche Fette, mageres Fleisch und viel Fisch für die herzgesunden Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren.

Herzgesund kochen mit Genuss

Kräuter-Abenteuer
Vor dem Griff zum Salzstreuer erst einmal frische Kräuter wie Thymian, Basilikum oder Oregano und kräftige Gewürze wie Curry, Chili, Pfeffer, Muskat, Paprika oder Ingwer verwenden. Tipp: Öfter mal ein neues Gewürz ausprobieren!

Abgerundeter Geschmack
Intensiv schmeckende Öle wie Haselnuss-, Walnuss-, Sesam- oder Kürbiskernöl ­geben Salaten oder gedünstetem Gemüse das gewisse Etwas. Tipp: Öle mit Kräutern selbst ansetzen!

Kernige Knuspereien
Haselnussblättchen, Sesam-, Cashew- oder Sonnenblumenkerne – leicht in der Pfanne angeröstet, verleihen sie gedüns-tetem Gemüse, Salaten oder Suppen Knusper-Raffinesse. Lecker auch: ohne Fett gepoppte Amaranthkörnchen!

Verführerische Früchtchen
… und zum Dessert ein Früchte-Cocktail: Mundgerecht geschnippelt schmeckt frisches Obst am besten. Tipp: Erst kurz vor dem Servieren vorbereiten, mit Minze oder Zitronenmelisse dekorieren!

Großes Angebot im Bio-Laden

Wer sich mit den empfohlenen Produkten im Bio-Laden eindeckt, kann noch allerhand Zusatznutzen für sich verbuchen: keine Pestizidbelastung von Obst und Gemüse, zertifizierter Fisch, Bio-Milch von Kühen, die mit ausreichend Grünfutter gefüttert wurden, und die darum einen deutlich höheren Gehalt an Omega-3-Fettsäuren aufweist. Weitere Lieferanten der wertvollen Fettsäuren, die kalt gepressten Pflanzenöle, sind im Bio-Laden in großer Auswahl zu finden – allen voran das Leinöl, das zu 55 Prozent aus Omega-3-Fettsäuren besteht.

Von Brot aus Vollkornmehl bis zu einer Riesenauswahl verschiedenster Müslis – vollwertige Zutaten werden im Bio-Laden traditionell großgeschrieben. Hier findet sich auch ein Angebot an salzarmen Produkten und verschiedenste Kräutersalzmischungen, deren Salzgehalt schon allein durch den hohen Anteil an Kräutern reduziert ist. Der allgemeine Effekt salzarmer Kost bei Bluthochdruck-Erkrankungen ist zwar umstritten, doch die sogenannten „salzsensitiven“ Menschen profitieren durchaus davon.

Im Übrigen überschreiten wir in den modernen Industriegesellschaften die empfohlene Tagesdosis von 6 Gramm Kochsalz – etwa einem Teelöffel – ohnehin um mindestens das Doppelte. Das liegt hauptsächlich an den versteckten Salzen in Wurst, Käse und Fertiggerichten, die unseren Geschmackssinn aus dem Lot bringen und uns den Spaß an gutem Essen „versalzen“.

Die Lösung: So oft wie möglich selbst kochen! Denn wer selbst am Herd steht, muss sich keine unerwünschten Zutaten „unterjubeln“ lassen und gewinnt ein Stück Kontrolle über sein Leben zurück. Ein wichtiger Schritt nach dem Motto: „Handeln ist wichtiger als behandelt zu werden“, das sich auch das anthroposophische Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke mit seinem dort entwickelten integrativen „3-Typen-Konzept“ auf die Fahnen geschrieben hat. Es umfasst schulmedizinische Maßnahmen ebenso wie Naturmedikamente, Lebensweise, Bewegung und Ernährung und beruht auf der Erfahrung, dass besonders drei Menschentypen von der Erkrankung betroffen sind: der nervöse, leistungsorientierte „Stress-Typ“, der gemütlich-genießerische, übergewichtige „Bauch-Typ“ und der unstrukturierte „Chaos-Typ“, der nie Zeit zum Erholen übrig hat. Ihren Lebensstil können sie langfristig nur dann ändern, wenn ihrer Individualität und besonderen Lebenssituation Rechnung getragen wird und die Betroffenen auf diese Weise selbst aktiv „mit ins Boot“ geholt werden.

Entscheidend ist dann nicht mehr nur, was gegessen wird, sondern auch zu welchen Zeiten, in welchem Rhythmus und auf welche Art und Weise die Mahlzeiten in einen ausbalancierten Tagesablauf eingepasst sind. So sollte der Stress-Typ vermehrt auf seine „Pausen-Kultur“ und ausreichenden Schlaf achten, während beim Bauch-Typ alle Zeichen auf Aktivierung und leichte Ernährung stehen. Der Chaos-Typ profitiert von festen Rhythmen, Plänen und der Entschleunigung seines Tagesablaufs.

Interview

„Lieber Weniges konsequent tun, als ganze Listen abarbeiten.“

    Dr. med. Thomas Breitkreuz

Dr. med. Thomas Breitkreuz ist leitender Arzt des Paracelsus-Krankenhauses Bad Liebenzell und Autor des Buches „Bluthochdruck senken – Das 3-Typen-Konzept“.

Etwa 40 Prozent der Deutschen bekommen im Laufe ihres Lebens einen Bluthochdruck. Warum?

Bluthochdruck hat mit der Lebensweise und Konstitution zu tun. Früh genug ­erkannt, kann man ihn in den ersten zehn Jahren noch weitgehend ohne ­Medikamente behandeln. Wichtig ist, dass es nur individuell richtige Empfehlungen gibt, je nach betroffenem Typ.

Mehrere anthroposophische Krankenhäuser arbeiten mit dem von Ihnen entwickelten 3-Typen-Konzept …

Dieses Konzept ist aufgrund unserer Beobachtungen in der Praxis entstanden. Der Stress-Typ reagiert zum Beispiel auf Stress, indem er nervös wird und Gewicht verliert, der Bauch-Typ versucht, die innere Anspannung mit vermehrtem Essen abzupuffern. Weil der erste seine Bluthochdruckkrise in der Regel in Zeiten der Unterzuckerung bekommt, würde ich ihm zu kleinen Zwischenmahlzeiten raten. Rohkost und Grobkörniges verträgt er nicht so gut – besser ist zum Beispiel gedünstetes Gemüse. Der Bauch-Typ dagegen sollte auf keinen Fall mehr als drei Mahlzeiten täglich zu sich nehmen und dazwischen lediglich Wasser oder Kräutertee trinken. Er profitiert von einem Fasten- oder Obsttag in der Woche. Der Chaos-Typ braucht einen festen Rhythmus und sollte mindestens eine warme, leckere Mahlzeit am Tag in Ruhe genießen.

Schiebt man die Patienten damit nicht in bestimmte Schubladen?

Nein, denn es gibt natürlich auch beliebig viele Mischformen. Außerdem sind die Betroffenen gefordert, sich selbst einzuschätzen. Das Konzept bietet so eine spielerische Möglichkeit der Selbsterkenntnis, die zu sinnvollen begleitenden Maßnahmen motivieren soll. Wohltaten für den Körper wie Massagen und Bäder zählen ebenso dazu wie Wohltaten für die Seele: der Besuch kultureller Veranstaltungen, Verabredungen mit Freunden, singen, tanzen, Neues lernen, Achtsamkeitsübungen und vieles mehr. Entscheidend ist, dass man sich zwei bis drei Dinge aussucht, bei denen man spontan das Gefühl hat: „So würde es mir besser gehen!“ Das ist dann meistens auch das, was man gerade am nötigsten braucht. Die Devise lautet: Lieber Weniges konsequent tun, als ganze Listen abarbeiten. Das hilft, die Motivation nicht zu verlieren.

Gibt es allgemeine Empfehlungen, die für alle Erkrankten gelten?

Maßvolle Bewegung ist immer sinnvoll, außerdem naturnahe, gesunde und vernünftig produzierte, wenig degenerierte Nahrung. Die Auswahl in den Bio-Läden ist mittlerweile so groß, dass unser differenziertes Konzept auch auf der Grundlage von Bio-Lebensmitteln machbar ist.

Bücher und Links

Middeke, Martin; Völker, Klaus; Laupert-Deick, ClaudiaMiddeke, Martin; Völker, Klaus; Laupert-Deick, Claudia:
Blutdruck senken ohne Medikamente.
Trias Verlag, 2010, 214 Seiten, 29,95 Euro

Bopp, Anette; Breitkreuz, Thoma
Bopp, Anette; Breitkreuz, Thomas:
Bluthochdruck senken.
Gräfe und Unzer, 2009, 128 Seiten, 12,99 Euro

www.hochdruckliga.de
Internetseite von Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® und Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention mit Serviceseiten für Ärzte und Patienten. Sie enthält aktuelle Meldungen, ein Verzeichnis aller in Deutschland tätigen Bluthochdruckspezialisten, Rezepte, Kurzvideos und die Möglichkeit, Informationsmaterial zu bestellen.

www.herzstiftung.de
Internetseite der Deutschen Herzstiftung mit verschiedenen Beiträgen und einem Kurzfilm zum Thema Bluthochdruck. Außerdem gibt es die Möglichkeit, kostenfrei einen Blutdruckpass zu bestellen, damit man über einen längeren Zeitraum hinweg seine Blutdruckwerte erfassen und zur optimalen Anpassung der Therapie seinem Arzt vorlegen kann.

www.assmann-stiftung.de
Webseite der Assmann-Stiftung für Prävention mit detaillierten Listen und Tipps für herzgesunde Ernährung, Gewichtsreduktion und Bewegung, außerdem mit der Download-Möglichkeit der Broschüre „Herzgesund essen“.

www.netdoktor.de/Diagnostik+Behandlungen/­Untersuchungen/Blutdruckmessung-215.html
Ausführliche Erklärung, wie der Blutdruck korrekt gemessen wird und was die Werte bedeuten.

Kommentare

Kommentar­bild via Gravatar

incl. 'http://'
Chris
Liebe S&K-Redaktion,

vielen Dank für die leckeren Kochtipps und das aufschlussreiche Interview.



Mein Tipp: viele weiterführende Informationen und Antworten zum Thema Bluthochdruck kann man auch auf folgender Seite nachlesen:

http://www.bluthochdruck-ueberblick.de/