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Therapeuten auf vier Pfoten

Haustiere helfen und heilen. Allein die Anwesenheit von Bello, Mieze & Co wappnet ihre Besitzer gegen viele Risiken der modernen Gesellschaft. Vor allem Hunde sind ein „Medikament ohne Nebenwirkungen“. // Martina Petersen

HundeWenn Lehrerin Nicole Krause während ihrer Elternzeit ihrer Schule einen Besuch abstattet, ist die Begeisterung groß. Das liegt vor allem an Emma, ihrer vierbeinigen „Co-Pädagogin“. Die dreijährige Labrador-Hündin ist seit ihrer 12. Lebenswoche an der Bugenhagen-Schule in Hamburg als Schulhund im Dienst. Die Kinder aus Nicole Krauses Integrationsklasse sind mit der sanftmütigen Emma groß geworden. Sie haben gelernt, der Hündin Kommandos zu geben und sie im Rahmen des „Emma-Dienstes“ zu kleinen Gassi-Runden auf dem Schulgelände auszuführen. Im Gegenzug war Emma immer da, wenn einer von ihnen Unterstützung brauchte: So hat Emma manche Träne getrocknet, Schüler mit ADHS durch Kuscheln zur Ruhe gebracht und beim Fußballspiel denen den Ball zugespielt, die durch ein Handicap benachteiligt sind.

Therapeuten mit Kuschelfaktor

Mit rund 24 Millionen Haustieren liegt Deutschland im europäischen Vergleich hinter den Briten an zweiter Stelle. Doch beim Einsatz von Tieren im Rahmen der tiergestützten Pädagogik und Therapie sind wir eher Spätzünder. Erst seit knapp zwanzig Jahren werden bei uns die Wirkungen von Tieren auf die Gesundheit erforscht und in zahlreichen Projekten erprobt. Studien belegen, dass allein die Anwesenheit eines Tieres im Raum blutdrucksenkend und stressreduzierend wirkt. Beim Spiel mit dem Tier wird gelacht, der Körper schüttet Endorphine aus und das Wohlbefinden steigt.

Wo Bello durchs Büro tollt, wird effektiver gearbeitet und es gibt weniger krankheitsbedingte Fehlzeiten. Besonders Hunde, mit denen wir Menschen in 15 000 Jahren Sozialpartnerschaft leben, haben sich als „Therapeuten mit Kuschelfaktor“ bewährt. So erleichtern mittlerweile viele gezielt ausgebildete Assistenzhunde Menschen mit Handicaps den Alltag.

Mit Gespür und Supernase

2006 kam das Leben der an Diabetes 1 erkrankten Studentin Luca Barrett zum Stillstand: Bis zu sechs Mal täglich fiel ihr Blutzuckerspiegel rapide ab. Da die junge Frau unter Hypowahrnehmungsstörungen leidet, kann sie die Anzeichen der beginnenden Unterzuckerung nicht bemerken und fällt in Ohnmacht. Ohne sofortige Behandlung kann jeder solche Anfall potenziell tödlich enden. Als Luca Barrett vom Einsatz der Diabetiker-Warnhunde in den USA hörte, ließ sie sich vor Ort in die Ausbildungstechnik einweisen und begann mit ihrem viermonatigen Mischlingshund Finn zu trainieren. „Tatsächlich hat er mir nach drei Monaten die erste Unterzuckerung angezeigt, indem er vorm Bett saß und mich permanent anstarrte“, erzählt Luca Barrett. „Seitdem hat er mir mehrfach das Leben gerettet, weil er mich weckt, wenn ich im Schlaf unterzuckere.“

Im Fall von Diabetes ist weitgehend medizinisch belegt, auf welche Stoffwechselprodukte in Schweiß und Atem des Menschen die Hunde reagieren. Durch die bis zu vierzig-fache Anzahl von Riechzellen ist die Hundenase millionenfach empfindlicher als die des Menschen. Doch auch bei Epilepsie oder Angina Pectoris kommen Hunde als wirksames Frühwarnsystem zum Einsatz. Dazu kommen ihre außergewöhnlich gute Beobachtungsgabe und ihr hochsoziales Wesen – als wahre Meister der Kommunikation spiegeln sie dem Menschen jederzeit, wo er gerade steht. Mit ihrer bedingungslosen Liebe und ihrer Lebenslust stärken sie Kinder, Kranke und Menschen in Krisensituationen. Hunde haben sich als Resozialisierungsmaßnahme im Strafvollzug bewährt. Und Besuchsprogramme mit Vierbenern sind in Kindergärten, Kliniken und Seniorenheimen mittlerweile weit verbreitet.

Dass Menschen, die schon alle Brücken zur Außenwelt abgebrochen haben, auf Hunde reagieren und von ihnen aus der Isolation herausgeholt werden können, erlebt der Direktor der Kursana Villa Frankfurt, Jochen Jung, immer wieder. In der Senioreneinrichtung ist seit drei Jahren der Golden Retriever Valentin als Deutschlands erster ausgebildeter und geprüfter Alzheimer-Hund im Einsatz. „Valentin geht auch bei Aggressionsschüben immer wieder auf unsere Bewohner zu und schafft es, sie zu beruhigen“, erzählt Jochen Jung. „Manche erkennen weder ihren Lebenspartner noch ihre Kinder, aber Valentin rufen sie gleich beim Namen, wenn er in ihre Nähe kommt.“ Valentin-Zeit nennt Jochen Jung „Zeit für Gefühle“.

Keine Frage – der Kontakt zu unseren Haustieren kann uns in unserer rationalen, hochtechnisierten Welt erden. Wir holen uns mit ihnen ein Stück Natur ins Haus. Einst haben wir die Tiere gezähmt, doch heute scheint es, als würden sie uns ein Stück weit kultivieren. Im Umgang mit Bello, Mieze & Co können wir spüren, was es heißt, Mensch zu sein. Doch gelingen kann dies nur, wenn wir sie nicht zum „besseren Menschen“ erklären und vergessen, dass unsere Tiere eigene Bedürfnisse haben. Ein Hund muss ein Hund bleiben dürfen – das verlangt der Respekt vor diesem starken Partner an unserer Seite.

Gesund mit Hund

Mehr Bewegung
Nur 1.700 Schritte täglich legt ein Mensch heute durchschnittlich zurück. Hundehalter bringen es auf immerhin zehn- bis zwanzigtausend! Ihre Blut- und Herz-Kreislaufwerte sind deshalb meist besser als bei Menschen ohne Hund.

Mehr Kontakt
84 Prozent der Hundebesitzer schätzen an Bello, dass sie niemals einsam sind und leichter soziale Kontakte knüpfen. Laut Umfragen wirken Menschen mit Hund auf andere sympathischer.

Mehr Struktur
Wer für ein Tier sorgt, gibt dem Leben Struktur, wichtig vor allem im Alter, bei Krankheit und in Krisenzeiten: Eine Studie bei Langzeitarbeitslosen ergab, dass sie dank Hund ihren Lebensrhythmus pflegten und motivierter waren.

Mehr Sicherheit
Hunde vermitteln ihren Besitzern laut Studien Sicherheit und Vertrautheit. Über 80 Prozent der Jugendlichen in Großstädten zum Beispiel schätzen Bello als ihr „Schutzschild“.

Interview

„Bei Kindern kann ein Hund Wunder bewirken.“

Dipl. Psychologe Prof. Dr. Reinhold BerglerDer Dipl. Psychologe Prof. Dr. Reinhold Bergler von der Universität Bonn ist Vorsitzender des 1988 gegründeten Forschungskreises Heimtiere in der Gesellschaft.

Welcher Nutzen von Haustieren für Kinder und Jugendliche lässt sich durch Studien belegen?

Wir haben die Wirkung von Hunden auf Kinder zwischen acht und zwölf Jahren untersucht und erstaunliche Ergebnisse erzielt: Kinder mit Hund kennen keine Einsamkeit oder Langeweile. Sie sitzen nicht viel vor dem Fernseher, weil der Hund sie zu vielen Aktivitäten anregt.

Eine Studie zu Kindern in Scheidungskrisen ergab, dass ein Haustier die Familienkonflikte ausgleichen kann: Kinder mit Hund zeigten seltener Verhaltensstörungen. Und eine Untersuchung zu schulischem Leistungs- und Sozialverhalten belegt, dass Kinder mit einer engen Bindung zu ihrem Hund besser in der Schule sind und auch besseres Sozialverhalten zeigen. Diese Kinder sind ausgeglichener, kooperationsbereiter, und sie haben ein besseres Einfühlungsvermögen. Durch den Umgang mit dem Tier haben sie gelernt, auf nichtsprachliche Zeichen sensibel zu reagieren.

Kann ein Haustier zu einem besseren Verständnis der Natur beitragen?

Auf jeden Fall. Wir lernen ja nur durch Erlebnisse und nicht durch Pauken. Bei reiner Theorie steckt das Wissen zwar in unserem Kopf, aber wir können es nicht in Verhalten umsetzen. Wenn ich aber lerne, mit meinem Hund so umzugehen, dass er und ich Freude haben, dann lerne ich viel über andere Kreaturen. Deshalb ist es auch eine gute Idee, Hunde in die Schule zu holen. Wenn Unterricht zum Erlebnis wird, kann man viel bewirken.

Das würde ja dafür sprechen, dass Eltern dem Wunsch nach einem Haustier nachgeben sollten.

Bei Kindern kann ein Hund Wunder bewirken, aber dazu müssen sie zu ihrem Tier eine intensive Beziehung mit hohem Verantwortungsbewusstsein aufgebaut haben. Wenn die nicht zustande kommt, bewirkt der Hund gar nichts.

Was können Eltern dazu tun, um diese positive Bindung zu fördern? Nur mit der Anschaffung eines Tieres ist es ja nicht getan …

Sie sollten nicht einfach dem Quengeln des Kindes nach einem Tier nachgeben. Die Familie kann einen Tierpark oder ein Tierheim besuchen, die Vorlieben für eine Tierart entdecken und sich bei Hunden über kinderfreundliche Rassen informieren. Dann sollten alle über den artgerechten Umgang Bescheid wissen. Kinder müssen oft erst lernen, dass ein Tier kein Spielzeug ist. Deshalb müssen es die Eltern bei der Pflege und Versorgung des Tieres anleiten.

Und wie kann auch der Respekt für unsere Nutztiere gefördert werden?

Bei Ferien auf dem Bauernhof lassen sich Nutztiere am besten kennenlernen. Auch hier zählt das Erlebnis.

Bücher und Links

Greiffenhagen, Sylvia, Buck-Werner, Oliver N.Greiffenhagen, Sylvia, Buck-Werner, Oliver N.:
Tiere als Therapie.
Kynos Verlag, 2007, 336 Seiten, 21 Euro

Lingenfelter, Mike und Frei, DavidLingenfelter, Mike und Frei, David:
Der Engel an meiner Seite.
Reichel Verlag, 2008, 200 Seiten, 18,50 Euro

www.kinder-und-tiere.de
Der Forschungskreis „Heimtiere in der Gesellschaft“ beantwortet alle Fragen zur artgerechten Tierhaltung. Mit Hinweisen auf zahlreiche Studien und Projekte.

www.schulhundweb.de
Praxisberichte aus der hundegestützten Pädagogik. Übersicht über 143 Schulen, die sich der „Freiwilligen Selbstverpflichtung zur Professionalisierung der Ausbildung und dem Einsatz von Schulhunden“ angeschlossen haben.

www.diabetikerwarnhund.de
Luca Barrett bildet seit 2008 hauptberuflich Assistenzhunde aus und ist dem Dachverband Assistance Dogs Europe angeschlossen.

www.tiergestuetzte-therapie.de
Unabhängiges Portal zur tiergestützten Therapie in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit Adressen tiergestützter Aktivitäten. Termine, Links und Hinweise auf Fortbildungen.

www.lernen-mit-tieren.de
Es müssen nicht immer Hunde sein – die Webseite des Institut für soziales Lernen mit Tieren stellt ihre therapeutische Arbeit mit Hunden, Katzen, Enten, Gänsen, Minischweinen oder Eseln, mit Ponys oder Schafen, Ziegen und Hühnern vor.

Kommentare

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Joachim Heissenbüttel
Wie krank ist die Gesellschaft? Können Hunde es richten? Ich glaube nicht. Es mag ja sein, dass ein Tier positive Auswirkungen auf sein Herrchen oder Frauchen hat. Diese Menschen haben es aber zunehmend schwerer sich auf ihre Mitmenschen einzustellen. Die Hundehalter sind kaum noch zugänglich, weil sie sich nur noch auf ihre Hunde konzentrieren. Die hören geduldig zu und haben keine Widerworte. Lassen sich streicheln und liebkosen. Am Ende steht die totale Vereinsamung, aber mit Hund! Das kann doch nicht das Ziel sein.

Dann das Gassigehen, super, von der Strasse in der man wohnt, geht man in die Nächste. Geschäft erledigt, also zurück in die Wohnung. Toll. Viele Grünstreifen auch der kleinste Meter sind mit Hundekot verdreckt, man mag kaum noch Luft holen, so stinkt es an mancher Ecke. Viele benutzen inzwischen Tüten, aber leider längst nicht alle Hundebesitzer. Es geht nicht nur mir so, in meinem Nachbar- und Bekanntenkreis sind viele genervt von der Selbstverständlichkeit, wie hier Allgemeiner Raum in Hundenutzerraum umgewandelt wird. Das sich Nichthundehalter nicht mehr wohlfühlen können, ist wohl nicht wichtig!

Tatsache ist aber auch, dass die meisten Vierbeiner den lieben langen Tag allein in der Wohnung zubringen müssen. Das hat mit artgerechter Haltung, die in einer Stadt ohnehin kaum machbar ist, nichts zu tun. Weitere Auslaufflächen können nicht ausgewiesen werden, dann hat Otto N. ohne Hund, gar nichts mehr, zum gehen oder zum mal Hinlegen, bei schönem Wetter. Ohnehin wird man ständig genötigt, einem Hund auszuweichen, sei es beim Fahrradfahren oder beim Joggen. Aber das ist wohl ein anderes Thema.
Robert Wagner
Lange Zeit war die Mensch-Tier Beziehung für Wissenschaftler kein Thema von Belang. Das änderte sich in den 1980er Jahren, als auf internationalen Kongressen die Delfintherapie vorgestellt wurde. Ihre Erfolge, besonders bei Kindern mit Behinderung, klangen wie ein therapeutisches Wunder. Seitdem arbeiten immer mehr Tiere als Seelentröster: hyperaktive Schulkinder entspannen sich auf Pferderücken, freundliche Hunde besuchen Kliniken und Seniorenheime, kuschelige Kaninchen wärmen Hand und Herz. Dass dieser Kontakt für die Tiere auch zu stressig werden kann, wird oft übersehen, denn dafür braucht es ein geschultes Auge.



Mythos Delfintherapie



Autistische Kinder, die während der Therapie aufblühen, körperbehinderte Patienten, die ihre motorischen Fähigkeiten verbessern ... Unter Wissenschaftlern ist mittlerweile umstritten, ob diese positive Wirkung auf den Kontakt mit den Delfinen zurückgeführt werden kann. Studien mit Gummidelfinen erzielten ähnliche Effekte. Der Verhaltensforscher Karsten Brensing fand außerdem heraus, dass Therapiedelfine die Nähe zu den Menschen nicht freiwillig suchen. Im Gegenteil, sie versuchen ihnen auszuweichen. Dieses Verhalten ist ein Zeichen von erhöhtem Stress, der sich unter Umständen auch durch aggressives Verhalten entladen kann.



Tiere unter Stress



Ein Hundebesuch in einem Seniorenheim. Was ganz harmlos wirkt, kann das Tier schnell überfordern. Fremde Personen und Gerüche, ungewohnte Geräusche erhöhen den Stresspegel. Kann sich der Hund nicht ausruhen oder zurückziehen, reagiert er aggressiv oder wird selbst krank. Die Stresssignale, die das Tier aussendet, werden vom Halter jedoch oft nicht erkannt oder falsch gedeutet. Einem Hund, der hechelt, ist es nicht unbedingt zu warm, sondern unter Umständen zu viel. Bereits bei der Auswahl der Tiere sollte deshalb auf ihre individuellen Fähigkeiten geachtet werden, so Professor Joachim Hackbart von der Tierärztlichen Hochschule in Hannover. Doch Eignungstests gibt es in Deutschland noch keine. Auch nicht für die Tierbesitzer.



Ahnungslose Tierhalter



Für die tiergestützte Arbeit brauchen weder Tier noch Halter eine spezielle Ausbildung. Vielen "Zweibeinern" fehlt es deshalb auch an Kenntnissen über die Fähigkeiten ihres Tieres und über dessen Grenzen. Auch hier fordern Tierschützer - und einige wenige Wissenschaftler - einen verpflichtenden Unterricht in Theorie und Praxis. Zum Wohl der Tiere.



Beziehung zwischen Wissenschaft und Tier



Die tiergestützte Therapie ist noch ein recht junges Fach. Auch deshalb hinken die Wissenschaftler den Erkenntnissen der Praxis noch hinterher. Bislang gibt es kaum Studien, die die negativen Folgen für vierbeinige Therapeuten untersuchen. Es fehlt an Forschungsgeldern und an der Motivation: denn die Tiergestützte Therapie nutzt in erster Linie den Menschen, nicht den Tieren.







Quelle Bayerischer Rundfunk, Tanja Zieger
Tina
Ich zitiere aus dem Artikel oben:

"Ein Hund muss ein Hund bleiben dürfen – das verlangt der Respekt vor diesem starken Partner an unserer Seite."



Schön gesagt. Aber mich würde auch intressieren, ob dieser Satz nur für Hunde, die bei vielen Zeitgenossen einen gewissen Sympathiefaktor geniesen, gilt? Denn wie anders ist es zu erklären,

- dass ein Schwein keineswegs als Schwein aufwachsen darf, sondern auf Spaltböden ohne je im Heu wühlen zu können, dass ihm die Eckzähne abgekniffen werden, genauso wie die Schwänze, dass es als Ausnahme im Tierschutzgesetz noch immer ohne Betäubung kastriert werden darf - durch den Bauern selbst, der keinerlei medizinische Ausbildung hat. Beim Hund würder er sich strafbar machen...

- dass Rinder als Gebärmaschinen fuktionieren müssen und

- dass ein Huhn in 14 Tagen so weit zunimmt, dass es sich kaum mehr bewegen kann - um nur einige Beispiele der modernen Industrieproduktion mit ihren "Vieheinheiten" zu nennen.

Ist das der Respekt, dem wir dem Tier schuldig sind?

Wir Menschen kennen dem Tier gegenüber doch nur eines: Sie zu benutzen, auszubeuten, zu knechten und am Ende zu ermorden. Alles für das Wohl, oder auch nur das Hobby bzw. den Appetit des Menschen - ganz gegen jede ökologische Vernunft.

Hunde und andere "Kuscheltiere" sind davon keineswegs ausgenommen. Sie dienen in Deutschland zwar nicht als Fleischlieferant, wohl aber als "emotionales Nutztier". Damit Bello & Co noch mehr dem niedlichen Kindchenschema entsprechen, wird ihnen das Schädeldach gewölbt und die Nase weggezüchtet. Noch flauschiger, noch größere Augen - gepaart mit noch mehr Herzfehlern, noch mehr Haut- oder Hüftproblemen, noch mehr Trachealkollapssen... Alles zum Wohlgefallen des Menschen - nichts zum Vorteil des Tieres. Und wenn Bello nicht mehr ins Budget oder den Zeitplan paßt, kommt er halt kurzerhand ins Tierheim. Dort warten in Spanien, Italien etc. ehe schon tausende Artgenossen. In 21 Tagen werden sie z.B. lt. spanischem Gesetzt vergaßt oder vergiftet - egal wie jung, wie niedlich oder wie groß.



"Ferien auf dem Bauernhof" - um noch einmal von oben zu zitieren - stellen für mich jedenfalls keine Förderung des Respekts vor Tieren bei Kindern dar. Den lieben Kleinen wird nämlich nicht gezeigt, wie viele Schwergeburten oder Mastitiden Kuh Else schon für die leckere Frühstücksmilch erleiden durfte oder dass aus Ferkelchen Jonathan in einem Jahr schon zwei rosarote Schweinehälften werden. Brutal nutzten wir das Recht des Stärkeren - und schämen uns dafür vor unseren Kindern...



Wie wäre es, wenn der einzig wirkliche Parasit dieser Welt, der Mensch, Tiere einmal als solche respektieren würde, wenn er einmal nicht NUR sein eigenes Wohl, sondern auch das der Tiere und sogar das globale Wohl der Erde und Natur in den Mittelpunkt seines Denken und Handelns stellen würde?