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Mann gönnt sich ja sonst nichts

Selbst ist der Mann – nicht nur beim Eincremen, sondern auch beim Einkauf von Naturkosmetik. Autor Leo Frühschütz hat festgestellt: Wenn man gut beraten wird, kann das sogar richtig Spaß machen. //Leo Frühschütz

MännerkosmetikGaaanz tolles Geschenk! Ein Einkaufsgutschein fürs Naturkosmetikgeschäft. Mit einem handschriftlichen Vermerk darauf: „Nur gültig für Männerkosmetik!“ Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde. Und das nur, weil ich mal in weinseliger Runde erzählt habe, dass ich mich nach dem Duschen eincreme. Danke Jungs!

Und so stehe ich jetzt vor dem Regal und überlege: Was brauche ich eigentlich alles?

Auf den Duft kommt es an

Auf jeden Fall Rasiercreme und Aftershave. Bringt mir ja sonst mein Schpatzl aus dem Drogeriemarkt mit. Hier gibt es das Zeug auch. Aber wie riecht es? Für mich ist das entscheidend. Denn mit diesem Duft beginnt mein Tag. Und der soll nicht riechen wie ein ganze Kanne Kräutertee. „Kann ich Ihnen helfen?“, fragt mich eine Verkäuferin. „Probe riechen wollen Sie? Klar geht das“, sagt sie und weist mich auf die kleinen Tester hin, die bei jeder Männerserie stehen. Ganz unterschiedlich duften sie, stelle ich fest. Von zitronig-frisch bis männlich-herb. Schnell habe ich mich entschieden und will gleich die ganze Serie einpacken. Doch beim Deo stocke ich. Kristall-Deo steht auf dem Spray. „Hat da irgendein Esoteriker Bergkristalle reingeraspelt?“, frage ich.

Von dem folgenden Vortrag habe ich so viel behalten: Es gibt in der Naturkosmetik zwei Typen von Deo. Die einen hemmen mit Alkohol und natürlichen ätherischen Ölen die Vermehrung schweißzersetzender Bakterien und überduften gleichzeitig das Muffeln. Die anderen enthalten natürliche Aluminiumsalze, durch die sich die Hautporen zusammenziehen und weniger Schweiß absondern. Die Salze bilden sogenannte Alaun-Kristalle, deshalb der Name Kristall-Deo. Konventionelle Deos dagegen arbeiten mit synthetischen chlorierten Aluminiumsalzen, die Juckreiz, Ausschlag und Entzündungen auslösen können.

Ich entscheide mich für ein Kristall-Deo, allerdings mit zusätzlichem Duft, falls das mit dem Poren verengen nicht so klappen sollte.

Brauche ich das wirklich?

Bei der Gesichtscreme zögere ich. Brauche ich die wirklich? Die Verkäuferin mustert mein Gesicht. „Das ist eine reichhaltige Creme: Die brauchen Sie bei Ihrem Hauttyp nur in der kälteren Jahreszeit, wenn es rausgeht an die frische Luft. Im Sommer genügt Ihnen eine leichte Feuchtigkeitscreme. Sie können alternativ auch ein Aftershave Balm nehmen.“ „Jeden Tag?“, will ich wissen. Sie wirft meinen Wangen einen prüfenden Blick zu. „Ich würde Ihnen empfehlen, die Creme nach dem Rasieren zu nehmen und mit dem Aftershave sparsam zu sein. Der Alkohol im Rasierwasser kann die Haut austrocknen.“

Ich erfahre, dass ich eine problemlose Mischhaut habe, eher mit ein bisserl zu viel Fett. Da seien Nassrasieren und gelegentliches Aftershave kein Problem. „Aber mit zunehmendem Alter freut sich die Haut über etwas Feuchtigkeit.“ Dieser Durst meiner Haut, das wird mir jetzt klar, ist auch der Grund dafür, dass meine Haut nach dem Duschen immer juckt, vor allem an den Beinen. Die trockene Luft im Büro und der dauernde Kontakt mit warmen Wollstrümpfen bringen sie nach der Dusche endgültig aus dem Gleichgewicht. Die Bodylotion kommt ohne Nachfrage in den Einkaufskorb. Schwieriger ist es mit der Haarwäsche. Die meisten Männerserien bieten Duschgel und Shampoo zusammen in einer Tube an. Das ist praktisch und spart Platz (den man sich als Mann im Bad sowieso täglich neu erkämpfen muss). Schließlich entscheide ich mich doch für zwei Tuben: ein Dusch-Gel und ein Spezial-Shampoo, nicht nur für Männer. „Mit Rosmarin- und Brennesselextrakt aus biologischem Anbau“ verspricht die Aufschrift. Na ja, Hauptsache, es hilft.

Ich stöbere noch etwas durch die Nicht-nur-für-Mädels-Regale. Vulkanasche zum Waschen, Salz in der Zahnpasta, das ist nichts für mich. Viel besser gefallen mir die Flaschen mit Massageöl. Ich kaufe ein kleines Dreier-Set zum Probieren und werde mich bei meinem Schpatzl freiwillig als Versuchsperson melden. Ganz zum Schluss stecke ich noch einen Lippenpflegestift ein, weil meine Lippen in der Kälte schnell rissig werden. „Die pflegen mit ökologischen Pflanzenölen und nicht mit Silikon, wie konventionelle Stifte“, erklärt mir die Verkäuferin. Endlich kann ich auch mal etwas zum Gespräch beitragen:„Ist doch logisch, dass man sich Silikon nicht auf die Lippen schmiert“, erwidere ich fachmännisch. „Mit dem Zeug dichtet man Fugen.“

Majda Rozina Dolenc

Autor Leo Frühschütz lässt sich Kosmetik eigentlich lieber mitbringen. Doch den „Härtetest“ im Naturkosmetikladen hat er mit Best- und vielen Duftnoten bestanden.

Typisch Mann – die besten Duftnoten

Sandelholz
Das Öl des echten Sandelholzbaumes stammt meist aus Südindien, duftet balsamisch-samtig und kostet über 1000 Dollar je Liter. Billige Produkte enthalten das ähnlich riechende Amyrisöl.

Moschuskörner
Die Samen eines Hibiskusgewächses liefern einen intensiven, schweren und erotischen Duft. Er dient als natürliche Alternative für die synthetischen Moschusduftstoffe in zahlreichen konventionellen Kosmetika.

Zeder
Ein warm-holziger Duft, der das Gemüt stärkt. Er stammt von der marokkanischen Atlaszeder, deren mächtige Stämme gehäckselt und mit Dampf destilliert werden.

Vetiver
Dieser balsamisch-erdige Duft stammt aus den Wurzeln eines asiatischen Süßgrases. Es wächst bis zu drei Meter tief und schützt so den Boden vor Erosion. Vetiver sorgt dafür, dass der Duft lange auf der Haut haftet.

Interview

„Männer sollten nicht erst mit 50 mit der Hautpflege beginnen.“

Majda Rozina DolencDr. Jens Tesmann ist Hautarzt und Allergologe. Er arbeitet seit 2006 in einer Gemeinschaftspraxis in Stuttgart.
www.hautarzt-stuttgart.de

Unterscheidet sich Männerhaut tatsächlich von Frauenhaut und muss sie anders gepflegt werden?

Die Haut der Männer ist rund 20 Prozent dicker. Sie enthält mehr Haare und mehr Talgdrüsen, die zudem aktiver sind. Durch den Talg ist die Haut besser isoliert und trocknet nicht so schnell aus. Der Abbau der Fette macht die Schutzschicht auf der Haut etwas saurer, was wiederum Bakterien besser in Schach hält. Zudem sind die Fasern im Bindegewebe der Haut etwas stärker vernetzt als bei Frauen.

Trifft das nur für ein bestimmtes Alter zu oder bleibt das ein Leben lang so?

Diese Unterschiede der Haut sind das Ergebnis des erhöhten Testeronspiegels beim Mann. Die Produktion dieses männlichen Geschlechtshormons lässt ab 55 nach. Bis dahin wirkt die Haut der Männer jünger als bei gleichaltrigen Frauen. Danach altert sie jedoch schnell.

Hat Mann dann mit Pflegemitteln noch eine Chance?

Nein. Männer sollten nicht erst mit 50 mit der Hautpflege beginnen, sondern sich spätestens mit Anfang 30 eincremen. Damit lässt sich der natürlich Prozess der Faltenbildung zwar nicht aufhalten, doch zumindest der Übergang sanft gestalten. Wichtig ist es, die Haut im Gesicht nach dem Rasieren einzucremen und den ganzen Körper nach dem Duschen. Am besten eignet sich nicht – wie oft empfohlen – eine leichte Lotion, sondern eine reichhaltige Creme mit Feuchthaltefaktoren wie Hyaluronsäure und Glycerin.

Warum haben viele Männer innere Widerstände, wenn es ums Eincremen geht?

Vom Selbsterleben her haben diese Männer genug Fett auf der Haut. Sie nehmen nur sehr eingeschränkt wahr, wie sich ihre Haut mit der Zeit ändert. Dazu kommt, dass Männer Hautprobleme weniger ernst nehmen. Sie haben oft noch das Bild von der wettergegerbten Lederhaut im Kopf.

Und gehen dann nicht zum Hautarzt?

In den meisten Fällen ist es die Partnerin, die auf einen Arztbesuch drängt. Sie ist es auch, die ihren Mann überredet, endlich die Vorsorgeuntersuchung gegen Hautkrebs zu nutzen. Dabei sterben Männer häufiger an Schwarzem Hautkrebs als Frauen. Sie nehmen den UV-Schutz weniger ernst, nutzen seltener die Sonnencreme. Besonders betroffen sind neben dem Gesicht die Handrücken – etwa beim Rad fahren – und der Nacken.

Haben Sie einen Pflege-Tipp für Männer, die sich nicht so gerne eincremen?

Erst mit einem milden Duschgel reinigen und dann noch unter der Dusche mit einem Duschöl einreiben. Das Öl kurz abbrausen und sich normal abtrocknen. Das stabilisiert die Fettschutzschicht der Haut und verhindert ein Austrocknen.

Bücher und Links

Papenberg, RalfPapenberg, Ralf:
Anti Aging für Männer.
Verlag Winterwork, 2010, 158 Seiten, 12,90 Euro

Hammer, EckartHammer, Eckart:
Männer altern anders. Eine Gebrauchsanweisung.
Herder Verlag, 2010, 219 Seiten, 9,95 Euro

www.haut.de
Unter dem Stichwort Männerkosmetik finden sich zahlreiche Informationen, von Anti-Aging bis „Typisch Mann“.

www.maennerkosmetika.de
Ein ganzer Online-Werkzeugkasten voll mit Tipps, Informationen und Produkthinweisen. Gedacht für Männer, die sich pflegen, gut aussehen wollen und dabei gerne etwas ausprobieren.

www.aromapraxis.de
Aromatherapie-Dozentin Eliane Zimmermann über die Welt der Düfte und ihre Wirkungen.

www.maennerkosmetik-heute.de
Ein Grundkurs in Sachen Kosmetik, mit knappen Infos über die richtige Hautpflege, Männerkosmetik, und verwandte Themen.

http://forum.nassrasur.com
Hier unterhalten sich Männer über alle Facetten des Rasierens: Über das Schärfen der Messer, die Standfestigkeit des Rasierschaums und darüber, welcher Pinsel die Wangen am besten streichelt.

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