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Essen gegen Migräne

Die Experten sind sich einig: Migräne wird davon beeinflusst, wie und wovon wir uns ernähren. Auch wenn ihre Meinungen im Einzelnen auseinandergehen: Mehr Achtsamkeit bei Tisch kann sich für Migränegeplagte durchaus lohnen. // Martina Petersen

MigräneSpätestens vormittags gegen elf Uhr ging es los: Der zwölfjährigen Schülerin wurde übel, der hämmernde Kopfschmerz an der Schläfe setzte ein und sie konnte dem Unterricht kaum noch folgen. War der Schokoriegel, den sie anstelle des Frühstücks in der Pause verdrückt hatte, an der Migräne-Attacke schuld? Als sie wegen der heftigen Kopfschmerzanfälle auf fünf Fehltage pro Monat kam, suchten die Eltern mit ihr einen Spezialisten auf.

„Im Gespräch stellte sich heraus, dass sie im Urlaub, wenn sie sich ausgiebig am Frühstücksbuffet des Hotels bedient hatte, nie Migräne bekam“, sagt Prof. Dr. Hartmut Göbel. Der Leiter der Schmerzklinik Kiel empfahl seiner Patientin, morgens in Ruhe zu frühstücken. Seit die Schülerin mit einem Müsli mit warmer Milch oder einer warmen Pellkartoffel mit Quark auf morgendliche „Energiezu-fuhr“ achtet, ist sie beschwerdefrei.

Reizverarbeitung braucht Energie

Die Erforschung der Migräne hat in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gemacht: Inzwischen ist wissenschaftlich untermauert, dass es sich bei ihr um eine angeborene Besonderheit der Reizverarbeitung im Gehirn handelt. Das Gehirn des an Migräne Erkrankten reagiert empfindlich auf alle Reize, ist grundsätzlich aktiver und leistungsfähiger und kommt so auf einen konstant hohen Energieverbrauch. Wird diese Energie nicht kontinuierlich in ausreichendem Maße zugeführt und kommen zusätzliche auslösende Reize („Trigger“) wie Stress, Änderung der Hormonlage oder bestimmte Nahrungsmittel ins Spiel, wird das Gehirn binnen Kurzem von erregenden Nervenbotenstoffen überschwemmt. Sie reizen den Gesichtsnerv Trigeminus und die ihn umgebenden Blutgefäße reagieren mit einer Entzündung. Diese weitet die Gefäße, sodass der Pulsschlag einseitig am Kopf als heftig klopfender Schmerz empfunden wird. Durch die Überreaktion des Gehirns fallen körpereigene Regulationsvorgänge aus: Übelkeit und verstärkte Sinneseindrücke sind die Folge.

„Das leistungsfähigste Gehirn, das wir auf der Welt hatten, gehörte der zweifachen Nobelpreisträgerin Marie Curie, von der bekannt ist, dass sie während ihrer Studienzeit von einem heftigen Migräne-Anfall in den nächsten schlitterte“, erläutert Göbel. „Als arme Studentin hat sie von Wasser und trockenem Brot gelebt. Sie hat ihrem Hochleistungshirn viel zu wenig Energie in Form von Kohlenhydraten zugeführt.“

Futter fürs Gehirn

Dabei geht es jedoch nicht um minderwertige Kohlenhydrate aus Einfachzucker, die für den Körper durch das ständige Auf und Ab des Blutzuckerspiegels Stress bedeuten. Zucker liefert zwar schnell Energie, durch Insulinausschüttung wird er aber ebenso schnell wieder abgebaut, bis hin zum kritischen Bereich der Unterzuckerung. Dann signalisiert der Körper Heißhunger auf Süßes. Und der Griff zum Schokoriegel, auf den der Anfall folgt, ist nicht die Ursache der Migräne, sondern ihr Beginn.

Kohlenhydrate aus Vollkornprodukten, Kartoffeln, Müsli, Gemüse und Hülsenfrüchten werden langsamer abgebaut, halten länger satt und liefern zusätzlich reichlich Vitamine, Mineralien und Faserstoffe. Prof. Dr. Göbel setzt auf regelmäßige fettarme und eiweißreduzierte Ernährung und einen regelmäßigen Schlafrhythmus, um Migräneanfälle zu vermeiden - und außerdem auf die Zufuhr von mindestens zwei Litern Wasser am Tag.

Bestimmte Nahrungsmittel meiden?

Dass bestimmte Nahrungsmittel wie Rotwein, Käse, Zitrusfrüchte oder Nüsse als Ursache einer Migräne infrage kommen, glaubt der Kieler Schmerzexperte im Gegensatz zu einigen seiner Kollegen (siehe Interview) nicht.

„Natürlich gibt es nahrungsmittelbedingte Kopfschmerzen, weil es Unverträglichkeiten gegen bestimmte Inhaltsstoffe wie etwa das Nitrat im Gepökelten, das Glutamat im Essen des China-Restaurants oder das Histamin im Rotwein gibt“, erläutert Göbel. „Aber so eine Unverträglichkeit wirkt sich auf die Migräne nur in dem Sinne aus, als dass sie dem Körper durch eine Stressreaktion Energie raubt.“

Migräne als schwere neurologische Erkrankung ist als eine von 250 verschiedenen Kopfschmerzarten genau definiert. Ein Patient kann durchaus von mehreren Kopfschmerzformen - etwa „Migräne plus nahrungsmittelbedingtem Kopfschmerz“ - betroffen sein. Erst das akribische Auflisten aller persönlichen Stressfaktoren im Kopfschmerztagebuch liefert die Grundlage für eine qualifizierte Diagnose und die optimale Wahl von Medikament und Therapie.

Es bleibt das Fazit: Eine Migräne lässt sich zwar nicht allein durch das Weglassen bestimmter Lebensmittel verbessern. Aber Ernährung ist neben Entspannung und Bewegung eine der Säulen, über die wir selbst großen Einfluss auf die Erkrankung nehmen können. Heidy Thieme von der Hamburger Migräne-Selbsthilfegruppe bringt es auf den Punkt: „Man kann Migräne zwar nicht heilen, aber man kann lernen, gut mit ihr zu leben.“

Ein Leben in Balance

Entspannung
Das strapazierte Nervensystem des Migränepatienten braucht regelmäßige Ruhepausen. Bewährte Mittel gegen Stress sind autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Qigong, Yoga und Meditation.

Bewegung
Ausdauersport wie Schwimmen, Radfahren oder Nordic Walking verbessert die Durchblutung und stabilisiert das Nervensystem. Zwei- bis dreimal wöchentlich 30-45 Minuten reichen aus. Trinken nicht vergessen!

Alternativmedizin
Akupunktur, Naturheilmittel, Homöopathie oder Schüßler-Salze haben sich bei Migräne bewährt. Es lohnt sich auch, Akupressur zu lernen und gezielt anzuwenden. Doch an erster Stelle steht der Besuch beim Facharzt.

Psyche
Negatives Denken und Überlastung fördern die Anfallshäufigkeit. Wer sich aus Angst vor dem nächsten Anfall zurückzieht, sollte sich Unterstützung bei einer Selbsthilfegruppe oder einem Therapeuten suchen.

„Migränepatienten sollten unbedingt selbst kochen!“

Dr. med. habil. Konrad Taubert ist Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin mit Schwerpunkt nichtme­di-kamentöser Schmerz­therapie bei Migräne

Dr. med. habil. Konrad Taubert

Welche Rolle spielen Lebensmittel beim Auslösen der Migräne?

Studien belegen, dass bei zwanzig Prozent der Migränepatienten Lebensmittelunverträglichkeiten vorliegen. Bei Hinweisen führe ich entsprechende Tests durch. Zurzeit spielt eine Unverträglichkeit von Histamin die größte Rolle: Das ist ein körpereigener Stoff, der bei vielen Migränepatienten im Übermaß vorhanden ist. Histamin ist in verarbeiteten Nahrungsmitteln zu finden, zum Beispiel in Salami, Schinken, altem Käse, Dosenfisch, aber auch in Sauerkraut, was ja sonst sehr gesund ist.

Sie zitieren den Schweizer Arzt Naegeli, der Migränepatienten schon vor hundert Jahren die Rückkehr zur „rauen Kost“, zur naturbelassenen Alltagskost der Bauern, empfohlen hat. Gilt das heute für den Griff zu Bio-Produkten?

Die Wahl von möglichst naturbelassenen Nahrungsmitteln ist auf jeden Fall zu empfehlen. Fast Food und der schnelle Bissen zwischendurch ist bei Migräne das Schlimmste, was man machen kann. Je künstlicher die Ernährung ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Anfall ausgelöst wird. Weil der Anteil von Ersatzmitteln, Farbstoffen und künstlichen Geschmacksstoffen immer größer wird und mit ihnen das Histamin erhöht wird. Migränepatienten sollten unbedingt selbst kochen.

Sie weisen darauf hin, dass viele Migränepatienten nicht um Nahrungsergänzungsmittel herumkommen.

Studien belegen, dass in Gehirnen von Migränepatienten dreißig Prozent weni-ger Magnesium gemessen wird. Magnesiummangel bewirkt, dass sich die Gefä-ße verengen, die Muskeln und die Psyche sich verkrampfen. Bei Migränepatienten reicht es oftmals nicht, sich mit Vollkorn- oder Sojaprodukten magnesiumreich zu ernähren. Deshalb ist zu empfehlen, dass sie täglich zwei Mal 300 mg Magnesiumzitrat einnehmen.

Beim Fasten gehen die Meinungen auseinander. Was raten Sie?

Wenn man fastet, kann man anfangs Migräne bekommen. Aber es gibt Untersuchungen, die gute Ergebnisse für Migränepatienten dokumentieren. Manchmal folgt darauf ein Vierteljahr, das absolut beschwerdefrei ist. Wir kennen die Gründe dafür nicht. Eine Fastenkur sollte man immer unter ärztlicher Anleitung durchführen. Es gibt auch Untersuchungen dazu, dass akut die Umstellung auf vegetarische Kost hilft, die Anzahl der Anfälle deutlich zu senken. Aber auf die Dauer gibt es dafür keine Garantie..

Bücher und Links

Taubert, KonradTaubert, Konrad:
Migräne ganzheitlich behandeln.

Trias Verlag, 2006,
223 Seiten,
19,95 Euro

Göbel, HartmutGöbel, Hartmut:
Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne.
Springer Verlag, 2009,
350 Seiten, 22,95 Euro

www.dmkg.de
Die deutsche Migräne- und Kopfschmerz­gesellschaft stellt viel Hintergrundwissen, aktuelle Artikel und eine bundesweite Übersicht über Migräne-Experten und Kliniken bereit.

www.migraeneliga.com/regeln.htm
Die Migräne-Liga informiert über die wichtigsten Verhaltensregeln für Migränepatienten und verfügt über ein bundesweites Netzwerk von Selbsthilfegruppen, in denen auch Ernährungs­beratung angeboten wird.

www.schmerzklinik.de/service-fuer-patienten/migraene-wissen/
Hier informiert Prof. Dr. Hartmut Göbel über den aktuellen Wissensstand zu Migräne und anderen Kopfschmerzarten. Unter „Checklisten“ findet man Vordrucke für Schmerz­kalender, Fragebögen, Tagebuch (auch speziell für Kinder).

www.migraene-klinik.de/de/migraene-klinik/aktuelles/
Die Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein bietet auf ihrer Internetseite vielseitige Informationen sowie aktuelle Studien und Therapien zum Thema Migräne. In einem Forum kann man sich mit anderen Migränikern austauschen.

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Schmuck Alfred

Sehr gehrte Damen und Herren, ich find den Beitrag sehr gut, da ich eine sehr starke Migraäne mit Aura und neurologischen Ausfallerscheinungen , seit 54 Jahren haben , ich nehme bereits Magnesium zitrat gibt es welches das als pulfer eingenommen werden kann und keine glutamat o. Ähnliche nahmen, (das keine geschmaksverstärker ) enthält . Herzlichen Dank für Ihre Mühe mit freundlichen Grüßen. Alfred Schmuck

William

Ich bin hier, um allen, die unter Migräne leiden, dass es eine Behandlung für sie leiden, ich war ein Migräne-Kranke seit über 13 Jahren, ich hatte immer Migräne-Kopfschmerzen 2 bis 3 Mal in einer Woche in einem Ausmaß habe ich einen verloren Von meinem Augenaufstellungsort für Tage, war es wirklich Hölle für mich, besuchte ich unterschiedlichen Doktor für die Behandlung aber alle sangen das gleiche Lied von keiner Behandlung für Migräne, und ich habe verschiedene Arten von Drogen genommen, verbrachte ich mein ganzes Geld in den Drogen Und Gesundheitszentren, aber immer noch gab es keinen Nutzen, und ich bete weiter zu Gott, mich von Migräne-Kopfschmerzen zu heilen, aber eines Tages war ich online tun Forschung auf, wie kann ich auf meine Kopfschmerzen behandelt werden und ich fand ein Zeugnis darüber, wie Wurde jemand aus Migräne-Kopfschmerzen von Dr. Muzack von Afrika mit natürlichen pflanzlichen Produkten behandelt, zunächst konnte ich ihm nicht glauben, aber ich war in Schmerzen sterben und jetzt habe ich keine andere Wahl, als zu geben, den gleichen Mann ein Versuch, aber ich nie Wusste, dass es das Ende meiner Kopfschmerzen sein wird, mit denen ich seit Jahren lebe, der Gott, der das für mich getan hat, wird für immer gelobt werden, das war, wie ich Dr. Muzack kontaktiert und er war demütig und sehr verständnisvoll Mann, der Weg Er sprach höflich mit mir, das war, als ich wusste, dass meine Probleme vorbei sind, das ist, wie er die Medikamente, die aus pflanzlichen Produkten über mich zu mir hier in Kanada gemacht wurde, nahm ich die Medikamente, wie ich gerichtet wurde, es ist über 7 Monate und haben keine Schmerzen wie Kopfschmerzen und ich bin noch stärker als je zuvor und es hat keine Nebenwirkung. Nehmen Sie Kontakt zu ihm auf seiner E-Mail-Adresse tradomedicalhealer@gmail.com oder rufen Sie an; +2347037791346

Susanne
Seit ich den Artikel gelesen habe, nehme ich (fast) täglich Magnesium - und es hilft!

- Danke für den Hinweis!
Gabriele
Ich habe selbst durch Ernährungsumstellung auf vegetarische Kost mit hohem Rohkostanteil meine Migräne fast vollständig beseitigt.