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Dufte Düfte

Im Film „Das Parfüm“ macht ein Duft die Menschen liebestoll. Im wahren Leben sind wir schon froh, wenn unser Duft gut ankommt. Naturparfüms leisten das – ohne aufdringlich zu sein. // Astrid Wahrenberg

Offensichtlich hat der Kinofilm den Menschen Lust auf einen schönen Duft gemacht. Der Bundesverband Parfümerien vermeldete jedenfalls die ersten Umsatzsteigerungen im Parfümerie-Einzelhandel seit 2001.

Parfüms sind also angesagt. Doch was genau sich viele Kunden mit einem Parfüm auf Handgelenke sprühen und auf die Schläfen tupfen, wissen sie nicht. Ein Parfüm kann aus bis zu 170 Einzelbestandteilen bestehen, nur sind diese nicht auf dem Etikett gelistet. Deklarationspflichtig sind lediglich jene Bestandteile, von denen bekannt ist, dass sie Allergien auslösen.

Das können sowohl chemisch-synthetische als auch natürliche Stoffe sein. Zu den beiden Gruppen zählen beispielsweiseα-Limonen, Linalool, Citronellol, Geraniol, Evernia-Furfuracea-Extrakt (Baummoos), Evernia-Prunastri-Extrakt (Eichenmoos), Isoeugenol, Hydroxycitronellal… Und die Liste ist noch länger.

Die Tatsache, dass viele natürliche Stoffe auf der Allergieliste stehen, muss man hinnehmen. Sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, lohnt sich dennoch. Naturkosmetikhersteller Wala hat beispielsweise das Allergiepotenzial von Duftstoffen untersuchen lassen. Das Fazit der Studie ist verblüffend: Fast alle Untersuchten, die auf synthetische Duftstoffe allergisch reagierten, konnten die entsprechenden natürlichen Stoffe gut vertragen.

Konventionell in der Kritik

Konventionelles Parfüm gerät auch immer wieder wegen einer anderen großen Duftstoffgruppe unter Beschuss: polyzyklische Moschus-Verbindungen. Sie können sich im Fettgewebe anreichern und stehen im Verdacht, hormonell zu wirken. Außerdem enthalten viele luxuriöse Flakons mit konventionellem Inhalt Di-ethylphthalat (DEP). Das Hilfsmittel wird benutzt, um Alkohol zu vergällen, also ungenießbar zu machen (sonst fiele für die Hersteller Branntweinsteuer an). Diethylphthalat ist umstritten. Die übergeordnete Gruppe der Phthalate steht unter Verdacht, Leber und Nieren zu schädigen. Steht auf der sogenannten INCI-Liste (Packungsbeilage) die Bezeichnung Alcohol Denat, lässt das auf die Verwendung von DEP schließen. Viele Parfüms enthalten zudem UV-Filter, die ebenfalls hormonell wirken können. Sie sollen die Duftstoffe und/oder die Farbe des Parfüms stabil halten.

Naturparfüm kann fast alles sein

Alle diese Inhaltsstoffe sollten für Naturparfüms tabu sein. Leider ist der Begriff Naturparfüm nicht gesetzlich geschützt. Deshalb kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass ein als Naturparfüm ausgelobter Duft keine synthetischen Duftnoten enthält.

Steht „naturrein“ oder „100 Prozent natürlich“ auf der Verpackung, dürfen jedoch keine chemisch-synthetischen Riechstoffe enthalten sein. Diese Formulierungen sind gesetzlich geschützt.

Generell gut beraten ist, wer sein Parfüm im Bioladen kauft. Die Anbieter im Naturwarenhandel haben sich verpflichtet, auf synthetische Düfte, tierische Rohstoffe, Farbstoffe und Diethylphthalat zu verzichten. Die verwendeten Rohstoffe jedoch, soweit sie pflanzlichen Ursprungs sind, können, aber müssen nicht aus biologischem Anbau stammen. Nachfragen im Laden lohnt sich also.

Bleibt die Frage, wie die Hersteller von Naturparfüm ohne die umstrittenen Stoffe auskommen. Der Alkohol beispielsweise wird mit ätherischen Ölen vergällt, was teurer und aufwendig ist. Für die Duftkompositionen bedienen sich Naturparfümeure bei ätherischen Ölen. Sie entstehen durch Destillation oder die schonende CO2-Extraktion aus pflanzlichen Rohstoffen wie Blüten, Blättern, Rinden, Holz und Wurzeln. Für Zitrusöle werden Schalen ausgepresst.Sogenannte Absolues sind die teuersten natürlichen Riechstoffe. Es sind hochkonzentrierte Düfte, die durch eine Extraktion mit Lösungsmitteln gewonnen werden. Das Absolue selbst ist rückstandsfrei, was die Hersteller durch Kontrollen sicherstellen.

Nachteil oder Vorteil?

Eine weitere Tatsache: Naturparfüm-Düfte kann man nicht standardisieren, das heißt, die einzelnen Duftnuancen fallen je nach Klima und Ernte unterschiedlich aus. Und: Natürliche Riechstoffe verfliegen schneller als synthetische und riechen weniger intensiv. Sie haften meist nur einige Stunden auf der Haut und überdecken nicht den eigenen Körperduft. Vielmehr verbinden sie sich mit ihm zu einem individuellen, harmonischen Duft-erlebnis.

Standards nicht fix

Manche Naturparfüm-Anbieter im Naturwarenhandel lassen ihre Düfte nach BDIH-Richtlinien für Naturkosmetik zertifizieren. Diese garantieren etwa pflanzliche Rohstoffe, keine Synthetik, keine Erdölprodukte. Außer den BDIH-zertifizierten Parfüms gibt es solche, denen eine Kontrollstelle für ökologische Naturwaren die Bio-Qualität bescheinigt.

Interview

„Auch Pflanzendüfte erotisieren“

Jean Claude Richard von „Farfalla“ entwickelt Naturparfüms.

RichardWerden tierische Bestandteile, etwa Moschus, Zibeth und Amber, heute noch verwendet?

Die Parfümindustrie benutzt heute so gut wie ausschließlich synthetische Ersatzstoffe. Für manche Duftstoffe hat man früher Tiere tatsächlich getötet oder gequält. Gelegentlich wird noch Amber eingesetzt, ein Ausscheidungsprodukt des Pottwals.

Vom Pottwal? Das klingt kurios …

Amber entsteht im Verdauungstrakt der Meeressäuger. Er wird als graue, wachsweiche Masse ausgeschieden und findet sich dann an Stränden.

Enthalten Naturparfüme Amber oder sonstige tierische Bestandteile?

Nein, im Normalfall nicht. Man kann darauf auch gut verzichten. Es gibt zahlreiche schwere Pflanzendüfte, die wie die tierischen eine erotisierende Wirkung haben. Etwa Cistrose, Jasmin, Muskateller Salbei, Iriswurzel oder Moschuskörner.

Es gibt doch aber auch Naturparfüme mit synthetischen Inhaltsstoffen …

Ja. Und das darf nicht sein. In Naturparfüms haben synthetische Düfte nichts zu suchen. Leider interessiert das aber manche Lifestyle-Marken nicht. Insbesondere aus Hollywood.

Teuer ist relativ

Konventionelle Parfümklassiker kosten viel Geld. Dagegen sind Naturparfüms günstig – obwohl sie die teureren Rohstoffe enthalten. Woran liegts? An den berühmten Namen auf den Flakons der konventionellen Hersteller. Viel bezahlen muss man auch für Parfüms der Star-Parfümeure. Dazu gehört etwa Oliver Creed, dessen Familie schon in sechster Generation für die Reichen und Schönen der Welt Düfte kreiert. Wer bei ihm einen individuellen Duft bestellt, muss fünf Jahre darauf warten und um 100 000 Euro zahlen.

Kommentare

Kommentar­bild via Gravatar
Sabine
Alles Wichtige ist prezise enthalten. Besser aber wäre och eine kleine Auflistung der kritischen Stoffe in Parfumes zur leichteren Selbstbeurteilung beim Einkauf. Oder statt dessen wenigstens eine Listung wirklich brauchbarer Links für die Eigenrecherche.

szmtag