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Superfood, super beliebt

Superfood (Foto: Tabea Mathern)
Der perfekte Start in den Tag mit Müsli, frischen Beeren und Superfood. (Foto: Tabea Mathern)

ERNÄHRUNG Acai, Baobab und Chia: So mancher schwört auf ihre Kräfte. Doch was macht die Früchte und Saaten so interessant? // Brigitte Sager-Krauss

Ein perfekter Tag beginnt für Julia Warkentin mit ihren neuen Lieblingen. Sie heißen Cacao-Nibs, Goji und Amaranth und sind seit etwa zwei Jahren zusammen mit Walnüssen, Zimt und Hanfmilch diejenigen Müslizutaten, welche die leidenschaftliche Köchin und Foodbloggerin keinesfalls mehr missen möchte. „Das Müsli macht mich wach, glücklich, kurbelt den Stoffwechsel an, hat wenig Kohlenhydrate, vor allem keinen Zucker und kein Gluten. Es steckt voller Vitamine und schmeckt megalecker“, so ihr Fazit. Einfach Superfood eben!

Julia lebt seit ein paar Jahren vegan, sie interessiert sich für neue Zutaten und tüftelt gerne an Rezepten. Superfoods treffen ihren Nerv. Veganer, Rohköstler, ambitionierte Sportler, aber auch immer mehr „Durchschnittsesser“ sind begeistert von den Super-Lebensmitteln, die eine Vielzahl wohltuender Inhaltsstoffe in sich vereinen sollen. Es sind vor allem hierzulande bislang eher unbekannte Lebensmittel wie Maca, Chia, Gojibeeren, Cacao-Nibs, Baobab, Maqui und Acai, die derzeit einen rasanten Absatz erleben.

„Wir merken, dass Superfood für viele Menschen eine ideale Alternative für verarbeitete und konservierte Lebensmittel sind. Sie machen den Einstieg in eine bewusste, gesunde Ernährung sehr einfach und unkompliziert“, erklärt Bernadette Kölker, die Verkaufsleiterin für Deutschland bei TerraSana, das große Interesse an exotischen Superfoods. Gerade Trockenfrüchte, Nüsse oder Pulver sind beliebt, „denn die geben Sie einfach zu Ihrem gewohnten Essen dazu, zum Müsli, zum Joghurt, zum Smoothie oder zum Salat“, so Kölker.

Super … irreführend?

Doch nicht jeder teilt diese Begeisterung. Wissenschaftler und Verbraucherschützer beurteilen die neuen Superstars aus fernen Kulturen derzeit eher nüchtern. Sie kritisieren bereits den Begriff Superfood als unsinnig. „Es ist eine Bezeichnung aus dem Marketing und nicht aus der Wissenschaft“, moniert Ernährungswissenschaftler Professor Bernhard Watzl vom Max Rubner-Institut in Karlsruhe. „Superfood suggeriert eine Extraklasse von Lebensmitteln.“ Doch davon gebe es weitaus mehr, als nur diejenigen, die zurzeit damit beworben würden. „Jedes wenig verarbeitete Lebensmittel hat einen positiven Nutzen für die Gesundheit. Allein aufgrund der Vielfalt an Inhaltsstoffen“, so Watzl. Mit Superfoods Ernährungssünden ausgleichen und das schlechte Gewissen beruhigen, wäre falsch, kostspielig und könne sogar Risiken bergen, wenn zu sehr auf ein Pferd gesetzt würde, mahnen Verbraucherschützer.

Was die Diskussion erschwert: Für Superfoods gibt es keine lebensmittelrechtlich bindende Definition. Eher schwammig werden sie als „Lebensmittel mit einem überdurchschnittlich hohen Nähr- und Inhaltsstoffgehalt“ beschrieben, aus dem ein zusätzlicher gesundheitlicher Nutzen resultiere. Bei Maca, Chia und Co. sind das neben Vitaminen, Mineralstoffen, Fett- und Amionsäuren vor allem Antioxidantien. Eine hohe Zufuhr isolierter Antioxidantien, zum Beispiel als Kapseln, werde heute nicht mehr empfohlen, erklärt Experte Watzl. Die Aufnahme über gering verarbeitete pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Vollkorn, Nüsse, Hülsenfrüchte und Saaten sei hingegen sinnvoll. Denn so kämen auch noch andere Inhalte zum Tragen – unter anderem Bioflavonoide, Phytoöstrogene, Anthocyane und bestimmte Fettsäuren. Eine wichtige Rolle dabei spielen Saisonalität und Reife der Lebensmittel, „denn die Tomate beispielsweise ist nur im Sommer ein Superfood, im Winter hingegen nicht“, so Watzl.

Gute Superfoods zeichnen sich durch einen hohen Grad an Natürlichkeit aus. Bio-Qualität garantiert zudem eine geringe Belastung mit Schadstoffen. Bei verarbeiteten Produkten schont der Verzicht auf hohe Temperaturen Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe.

Doch müssen die Beeren, Wurzeln und Pulver wirklich aus Südamerika, Afrika und China kommen? Vieles lasse sich in Deutschland nicht anbauen, zudem bringe der Import den Bio-Landbau und auch faire Arbeitsbedingungen in diese Länder. Das sei gut für die Bauern, aber auch für die Umwelt, argumentieren Bio-Importeure. „Wir beurteilen unsere Handelsbeziehungen positiv. Weil sie langfristig angelegt sind, können die Anbauer eine sichere Einnahmequelle erlangen“, meint Bernadette Kölker von TerraSana. Und sie ergänzt: „Auch darum sehen wir Superfood nicht als kurzfristige Mode, sondern als dauerhafte sinnvolle Ergänzung einer ausgewogenen Ernährung.“

Superfood aus der Region

Wem die weite Reise einzelner exotischer Superstars nicht gefällt, der kann auf heimische Wellness-Joker setzen: Heidelbeere, Sanddorn, Maulbeere, Kornelkirsche oder Aronia, Brokkoli, Rote Bete, Pastinake, Leinsamen, Nüsse, Hanf und Kräuter bringen ebenfalls viel Geschmack, zusätzliche Frische und jede Menge innere Werte.

Mehr: Rezepte mit Superfoods aus nah und fern

Superfood im Portrait: Kleine Kraftpakete

Superfood (Foto: Tabea Mathern)
(Foto: Tabea Mathern)

Acai (1) Die Beeren – dunkelblau, aromatisch, importiert vom fernen Amazonas – werden bei uns als Saft oder Pulver angeboten. Sie liefern: viele Antioxidantien, Vitamine, Mineralstoffe, wertvolles Eiweiß.

Baobab (2) Die Früchte des Affenbrotbaums gibt es bei uns nur als Pulver. Das fruchtig-zitronige Aroma passt gut in Smoothies oder ins Müsli. Polyphenole, Ballaststoffe, Vitamin C – ein starkes Trio, das das Immunsystem, den Darm und den Blutzuckerspiegel stützen soll.

Cacao-Nibs (3) Sie kommen als Schoko-Ersatz mit Plus daher, denn sie enthalten mehr Mineralstoffe, Spurenelemente und bioaktive Stoffe. Das Geheimnis: Die Kakaobohne wird vor dem Zerkleinern fermentiert, jedoch nicht geröstet. Das schont die Inhalte.

Chia (4) Die kleinen weißlich bis gräulich-schwarzen Saaten sind der „Superhit“ aus Südamerika. Sie bringen reichlich Ballaststoffe und Omega-3-Fettsäuren. Derzeitige Verzehrs-Empfehlung: maximal 15 Gramm pro Tag.

Goji (5) Die Beere aus China landet hierzulande meist getrocknet in den Speisen. Sie schmeckt süß, leicht säuerlich und birgt vor allem Beta-Carotin und B-Vitamine sowie Antioxidantien, die Fitness und Infektabwehr stützen sollen.

Kornelkirsche (6) Den heimischen Superkandidaten gibt es meist als Saft. Er schmeckt mild-sauer und enthält viel Kalium. Die Frucht soll durch entzündungshemmende Eigenschaften bei Gluten-Sensitivität und Zöliakie Positives bewirken.

Maca (7) Die Wurzel aus den Anden hat ein starkes Nährwertprofil. Zudem sollen Sterole den Cholesterinspiegel positiv beeinflussen. Häufig ausgelobt: ihre positive Wirkung auf Fruchtbarkeit und sexuelle Lust.

Maqui (8) Sieht aus wie die hier heimische Heidelbeere, wächst aber in Patagonien an Bäumen. Das Pulver kann ins Joghurt oder in den Smoothie gemischt werden und soll einen zusätzlichen Antioxidantien-Kick liefern.

Erschienen in Ausgabe 04/2016
Rubrik: Ernährung

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Die Bezeichnung "Superfood" für eine Vielzahl neuartiger, oftmals exotischer Produkte ist meines Erachtens reines Marketing.
Wie bei so vielen Trends werden die meisten der im Artikel genannten Produkte aus dem Bewusstsein der breiten Masse wieder verschwunden sein. Einzig bei den Chiasamen gehe ich davon aus, dass diese auch weiterhin sehr erfolgreich sein werden.

Danke für die interessante Übersicht. Ja, natürlich sollte es man mit den ganzen "Superfood"-Geschichten nicht übertreiben. Ich selbst stehe ja ungeheuer auf Chia-Samen. Seit ich die mit in mein Ernährungsprogramm aufgenommen habe, fühle ich mich richtig gut!

Herzliche Grüße, Artur

pertija

Der Ernährungswissentschaftler bringt es eigentlich auf den Punkt: „Jedes wenig verarbeitete Lebensmittel hat einen positiven Nutzen für die Gesundheit." Die Lebensmittel auf dem Foto haben also im Gegensatz zu heimischen, wenig verarbeiteten Lebensmittel keinen wirklichen Vorteil. Jedoch eine eklatante CO2 Bilanz und einen überproportional erhöhten Preis. Wem's schmeckt: fein! Aber das Zeug ist sicher nicht der einzige Quell der ewigen Jugend und Glückseligkeit.

Anita

Superfood gibt es auch im eigenen Garten. Ist einfach zu ernten, spart Transportkosten und CO2.