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Schrot&Korn auf der Buchmesse

Schrot&Korn-Leserin Bettina Wiebe in der „Show-Kitchen“ auf der Buchmesse. Bio-Koch Christian Kolb war von ihrer Zwiebel-Brotsuppe offenbar sehr angetan. (© Susanne Oehlschläger/bio verlag)
(© Susanne Oehlschläger/bio verlag)
Hochkarätige Diskussionsteilnehmer auf der Buchmesse: Schrot&Korn-Chefredakteurin Stephanie Silber sprach unter anderem mit Felix Prinz zu Löwenstein (links) und Daniel Kofahl. (© Susanne Oehlschläger/bio verlag)
Valentin Thurn (links), Foodaktivist Hendrik Haase und Daniel Anthes (rechts) sprachen über Essen im Müll. (© Susanne Oehlschläger/bio verlag)
Voll besetzte Zuschauerreihen vor der „Gourmet-Gallery“-Bühne, auf der Schrot&Korn zum Gespräch bat. (© Susanne Oehlschläger/bio verlag)
(© Susanne Oehlschläger/bio verlag)

BIO ON TOUR Wir waren auf der Frankfurter Buchmesse; nicht um ein Buch vorzustellen, sondern um zu reden über Lebensmittelverschwendung und darüber, was wir morgen essen. Und gekocht haben wir auch. // Manfred Loosen

In der Showküche der Frankfurter Buchmesse roch es gleichzeitig nach Knoblauch und Vanille. Den Menschen auf den vollbesetzten Plätzen vor der Kochtheke lief das Wasser im Mund zusammen, als die Schrot&Korn-Leserinnen Bettina Wiebe und Corinna Witte auf der Bühne zeigten, was man aus alten Brotresten noch zaubern kann: Zwiebelsuppe und Brot-Crunchy mit Quark und Sahne. Unterstützt wurden die beiden von Bio-Spitzenkoch Christian Kolb. Die drei machten aus dem Kochevent eine launige Stunde, bei der es zum Schluss für die Zuschauer Suppe und Nachtisch zum Probieren gab. Sehr lecker! Viele nahmen sich die Rezeptkärtchen mit nach Hause, um dort nachzukochen, was Corinna und Bettina ihnen vorgekocht haben. Die beiden Rezepte und das Video der Show stehen online auf www.schrotundkorn.de/buchmesse.

Auch ein paar Meter weiter waren alle Stühle besetzt: Schrot&Korn lud dort zur Diskussion. Filmregisseur Valentin Thurn und Food-Aktivist Daniel Anthes sprachen darüber, warum so viel Essen weggeworfen wird. Moderiert wurde die Veranstaltung von „Wurstsack“ alias Hendrik Haase. Die Zahlen sind kaum zu glauben: 82 Kilogramm Lebensmittel schmeißt jeder Deutsche im Jahr durchschnittlich weg; 220 Gramm jeden Tag! Dazu kommen noch Obst und Gemüse, das gar nicht erst in den Handel kommt, weil es zu klein, zu krumm, zu gelb ist und die Ware, die in Supermärkten und Restaurants ungenutzt vernichtet wird.

Valentin Thurn hat vor zehn Jahren einen Film über Menschen gemacht, die aus Abfall-Containern von Supermärkten jede Menge genießbare Lebensmittel herausholen und sie selbst essen oder verschenken. „Seitdem hat mich dieses Thema nicht mehr losgelassen“, erzählte Thurn. „Ich wollte einfach verstehen, warum so viel weggeworfen wird.“ Ihn mache es „unheimlich zornig“, dass zum Teil beste Ware auf dem Müll lande.

Daniel Anthes’ Engagement für Lebensmittel hat angefangen, als er bei einem Bäcker Brot gerettet hat, das sonst weggeschmissen worden wäre. Jetzt arbeitet Anthes ehrenamtlich für  „ShoutOutLoud“. Der Verein setzt sich insbesondere mit dem Kampf gegen Lebensmittelverschwendung für eine bessere, sozial und ökologisch tragfähigere Welt ein. Anthes ist der Spaß an der Ehrenamtsarbeit ganz wichtig. Und er freut sich sehr, dass die Vision seines Vereins im kommenden Jahr tatsächlich Wirklichkeit wird: „Wir werden einen Foodtruck mit Gerichten aus geretteten Lebensmitteln duch die Gegend schicken! Im Frühjahr geht es los!“

Andere Länder haben Supermärkten das Wegwerfen von Lebensmitteln gesetzlich verboten: Frankreich, Italien, Finnland, Belgien. Das seien mal strenge Vorgaben, mal sanfte: „Aber es geschieht wenigstens was“, sagte Valentin Thurn. Er hofft nun auch auf einen deutschen Schritt gegen Lebensmittelverschwendung: „Es muss für Unternehmen teurer sein, etwas wegzuwerfen als es zu verteilen.“

Wie essen wir morgen?

Bei der Podiumsdiskussion „Wie essen wir morgen?“ sprach Stephanie Silber, Schrot&Korn-Chefredakteurin, mit dem Ernährungssoziologen Dr. Daniel Kofahl, dem Bio-Experten Dr. Felix Prinz zu Löwenstein und dem Ernährungswissenschaftler Dr. Karl von Koerber darüber, dass Essen heute gesund sein und gleichzeitig die Welt retten soll. Daniel Kofahl gab zu bedenken, dass sich nicht jeder Bio-Essen leisten könne, viele Menschen müssten abwägen, wofür sie ihr Geld ausgeben wollten. Das wollte Prinz zu Löwenstein, der Vorsitzende des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft, so aber nicht stehen lassen: „Konventionelles Essen wäre viel teurer, wenn man die eigentlichen Kosten einrechnen würde also Verschmutzung des Grundwassers, des Bodens, der Luft.“ Außerdem, so Löwenstein, kauften gerade Menschen mit wenig Geld oft Convenience-Produkte und Fast Food. „Das ist oft teurer, als sich regional und Bio zu ernähren“, gab er zu bedenken.

Einig waren sich alle, dass viel zu viel Getreide und Soja auch in Deutschland an Vieh verfüttert werde. Wenn die Menschen häufiger auf Fleisch und Wurst verzichteten, käme vieles ins Gleichgewicht. „Heute wird auf der Welt mehr Nahrung produziert als nötig wäre, um die Erdbevölkerung ausreichend zu ernähren“, sagte von Koerber, aber große Teile davon würden wenig effizient an Tiere verfüttert, um Fleisch, Eier, Milch zu „produzieren“.

Viele konventionelle Bauern importierten sogar Futtermittel aus Ländern des Globalen Südens, so von Koerber. Anders bei Bauern, die einem Bio-Verband angehören: „Sie kaufen kein Kraftfutter aus diesen Ländern, sondern bauen es selbst an oder kaufen es regional.“

„Wir müssen unseren Lebensstil ändern“, resümierte Daniel Kofahl. Das sei eine Voraussetzung dafür, dass alle Menschen auf der Welt ein Auskommen hätten. Alle setzten sich für hochwertige und nachhaltige Lebensmittel ein. Die hätten Vorteile für Umwelt, Wasser, Tierschutz. Sie plädierten für weniger Fleisch, Bio, fair, regional.

Bettina Wiebke (© Susanne Oehlschläger/bio verlag)

Bettina Wiebe, Buxtehude

Jahrelang hat die 52-Jährige als Pressesprecherin einer Reederei gearbeitet. Jetzt macht sie etwas ganz anderes: Seit November schreibt sie als Food-Bloggerin auf captains-dinner.blog übers Essen und Reisen. „Schließlich haben wir zu Hause jeden Abend Captain‘s Dinner“, sagt sie: Bettinas Mann fährt als Kapitän zur See.

(© Susanne Oehlschläger/bio verlag)

 

Corinna Witte (© Susanne Oehlschläger/bio verlag)

Corinna Witte, Ingelheim

Sie hat ihr Hobby zum Beruf gemacht: Die 57-Jährige kocht mit Kindern an einer Förder- und einer Grundschule und bringt ihnen so den Umgang mit Lebensmitteln näher. „Das Crunchy-Rezept habe ich mit meinen Schulkindern ausprobiert“, verriet sie. „Erst dann habe ich es an Schrot&Korn geschickt.“

(© Susanne Oehlschläger/bio verlag)

 

Sonsoren Schrot&Korn Buchmesse 2017

Rezepte

Zwiebel-Brotsuppe
von Schrot&Korn-Leserin Bettina W.

FÜR 4 PORTIONEN

3 große Gemüsezwiebeln
3–4 Lauchzwiebeln
125 g Butter oder Bratöl
1 EL Vanillezucker
Salz, Pfeffer
150 ml Weißwein
600 ml Gemüsebrühe
pro Teller 5 halbe Scheiben
altbackenes Brot
3 Knoblauchzehen, zerdrückt
1–2 Lauchzwiebeln,
in Ringe geschnitten
4 EL geriebener Greyerzer
oder Bergkäse

1 Zwiebeln in feine Streifen oder Ringe schneiden. Etwas
Butter oder Bratöl in einem Topf erhitzen. Zwiebeln darin glasig
dünsten. Zucker zugeben und leicht karamellisieren lassen.
Zwiebeln weich schmoren. Salzen und pfeff ern, mit Weißwein
ablöschen. Brühe angießen, abschmecken.

2 Etwas Butter oder Bratöl in einer Pfanne erhitzen, Brotscheiben
und Knoblauch darin rösten.

3 Brot in Suppentassen legen. Suppe darüber schöpfen und mit Lauchzwiebeln und Käse bestreut servieren.


Crunch-Quark-Dessert
von Schrot&Korn-Leserin Corinna W.

FÜR 4 PORTIONEN

8 Pflaumen
8 EL getrocknete Brötchen
(Vollkorn)
8 EL grobe Haferflocken
4 EL Walnüsse, grob gehackt
4 EL Kokos-Chips
4 EL Kokosblütensirup oder
Honig
1 kg Magerquark
12 EL Milch oder Sahne
8 EL Kokosblütensirup, Honig
oder Agavendicksaft
4 Prisen Lebkuchengewürz

1 Pfl aumen entkernen und zerkleinern. Trockene Brötchen
zu Semmelbröseln reiben.

2 Für den Crunch: Haferflocken,Walnüsse und Kokos-Chips in
der Pfanne ohne Fett anrösten. Zum Schluss Semmelbrösel und
Kokosblütensirup oder Honig zugeben. Kurz weiter rösten, auf
Küchenkrepp trocknen.

3 Quark mit Milch oder Sahne cremig rühren. Mit Kokosblütensirup,
Honig oder Agavendicksaft und Lebkuchengewürz
abschmecken.

4 Obst, Quarkcreme und Crunch getrennt auf Tellern
anrichten oder in Gläser schichten. Damit der Crunch
schön knusprig bleibt, diesen erst kurz vor dem Servieren
darüber streuen.

Erschienen in Ausgabe 12/2017
Rubrik: Ernährung

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Margit Friedrich

Ich habe Ihre Rezepte mit Interesse gelesen. Werde das Crunch-Quark-Dessert auf jeden Fall mal ausprobieren. Aber 1 kg Quark für vier Personen - wirklich???
Grüße Margit