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Milchpreise im Sturzflug

Milch (Foto: gettyimages / GK &  Vicky Hart)
Überfluss: Seit dem Ende der Quote dürfen Milchbauern mehr produzieren. (Foto: gettyimages / GK &  Vicky Hart)

POLITIK Deutsche Bauern produzieren mehr Milch als wir brauchen. Dadurch fallen die Preise, was auch die heimischen Bio-Landwirte finanziell zu spüren bekommen. von Michael Billig

Zwei gute Milchjahre liegen hinter Ludger Strotdrees. Der Bio-Bauer aus dem westfälischen Harsewinkel konnte sich über steigende Erlöse freuen. 2014 zahlten die Molkereien für Rohmilch Rekordpreise. Bis zu 50 Cent erhielt Strotdrees für ein Kilogramm. Doch diese Entwicklung scheint vorerst vorbei zu sein. Die Preise gehen nach unten. Für konventionelle Milch befinden sie sich schon seit Monaten im Sinkflug. Der Abwärtstrend wird die Öko-Erzeuger nicht verschonen, fürchtet Ludger Strotdrees: „Wenn die konventionelle Milch immer billiger wird, erhöht sich der Druck auf die Bio-Milch“, sagt er. Wenn ab April die europaweit gültigen Obergrenzen für Milchproduktion, die sogenannte Milchquote, auslaufen, droht ein Preissturz.

Mehr Milch als erlaubt

Ab dem 1. April 2015 können die Bauern in der Europäischen Union so viel Milch melken, wie sie wollen. Und das werden einige von ihnen auch tun, prophezeit Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Europäischen Parlament. „Die Kapazitäten werden kräftig ausgebaut. In Norddeutschland zum Beispiel stehen die Erzeuger schon Gewehr bei Fuß“, sagt der EU-Abgeordnete.

Dabei übersteigt das Milchaufkommen bereits heute den Bedarf. Im vergangenen Jahr lag es bei rund 33 Millionen Tonnen in Deutschland – so viel wie nie zuvor. Um den weltweiten Milchmarkt zu erobern, produzierten die Bauern hierzulande sogar mehr, als ihnen die Milchquote erlaubte. Strafzahlungen nahmen sie bewusst in Kauf. Doch nun bleiben die Molkereien auf ihrer Milch sitzen. Sie müssen sie zu Butter verarbeiten und einfrieren oder in Milchpulver verwandeln und in Säcken einlagern. Der Grund: Die globalen Absatzmärkte spielen nicht so mit wie erhofft.
Im August 2014 verhängte zuerst Russland ein Einfuhrstopp für Lebensmittel aus der EU, das bis heute anhält. Und auch China, das hierzulande   große Exporthoffnungen weckte, „verhält sich eher ruhig auf den internationalen Märkten“, wie der deutsche Milchindustrie-Verband Ende 2014 erkennen musste.

Dass China in rauen Mengen Milchprodukte aus Deutschland und anderen EU-Staaten abnehmen würde, daran glaubte Martin Häusling sowieso nicht. „80 Prozent ihres Bedarfs decken die Chinesen selbst“, sagt der EU-Politiker. Der Rest komme zum größten Teil aus Neuseeland. Zwar stieg die Nachfrage nach Milchpulver sprunghaft an, als 2008 ein Lebensmittelskandal das Vertrauen der Chinesen in ihre eigenen Produkte erschütterte. Doch die deutsche Exportmenge ins Reich der Mitte reiche bis heute nicht über 130 000 Tonnen im Jahr hinaus. Ein Klacks angesichts der Milch-Flut, wie Häusling findet. Der Experte warnt davor, zu sehr auf den Export zu setzen. Das Beispiel Russland zeige, wie unsicher globale Absatzmärkte sind.

Russland war vor dem Einfuhrverbot für westliche Lebensmittel größter Abnehmer von Käse aus der EU. Die Ware drängt seit Beginn des Handelsembargos auf den europäischen Binnenmarkt und verdirbt die Preise. Manche Erzeuger erinnert dies an die Milchkrise vor sechs Jahren, als sie nach einem Einbruch der weltweiten Nachfrage nicht im Geringsten auch nur ihre Kosten decken konnten.

Preise reagieren sensibel

Angesichts einer seit Jahren global wachsenden Milchproduktion reagieren die Preise äußerst sensibel, erklärt  Expertin Andrea Fink-Keßler. „Sie unterliegen großen Schwankungen“, sagt die Agrarwissenschaftlerin aus Kassel. Schon geringe Veränderungen auf den internationalen Märkten können für die Erzeuger schwere Folgen haben. Um Überproduktion zu verhindern und Preise zu stabilisieren, müssten Bauern  ihre Milchmengen dem Bedarf in Europa anzupassen. „Wenn sich Überschüsse anbahnen, sollten sie ihre Produktion drosseln“, sagt die Milch-Expertin. Weniger Kraftfutter, junge Kühe später besamen, ältere früher schlachten, mehr Milch an Kälber verfüttern – es gäbe genug Mittel, um kurzfristig Einfluss auf Mengen zu nehmen. Fink-Keßler plädiert für Verzicht. Wer freiwillig weniger Milch erzeugt, soll finanziell entschädigt werden, fordert etwa auch der Verband Deutscher Milchviehhalter. Setze sich das Wachstum hingegen ungebremst fort, werden es kleine Betriebe immer schwerer haben. „Die Erzeugung wird aus traditionellen Milchgebieten wie dem Allgäu und den Alpen weiter ins flache Grünland nach Norden verlagert“, sagt Fink-Keßler. Dort herrschten bessere Bedingungen für große Herden.

Bei Bio-Milch sind die Vorzeichen andere. Zwar nimmt auch hier die Menge von Jahr zu Jahr zu. Die heimische Nachfrage übersteigt aber immer noch das Angebot. Mit jährlich rund 700 000 Tonnen macht Bio-Rohmilch nur knapp über zwei Prozent der deutschen Gesamtproduktion aus. Um den Durst nach ökologisch hergestellter Milch zu löschen, muss zusätzlich importiert werden. Exportiert wird dagegen kaum.

Einbußen für Bio-Bauern

Und dennoch: Wenn sich die Krise für die Konventionellen verschärft, trifft es auch die Bio-Bauern. „Die Preisverluste lassen sich hinauszögern“, kann Fink-Keßler vorerst beruhigen. Hält der Preisverfall aber an, müssen auch Bio-Landwirte mit Einbußen rechnen. Ökologische Produkte kosten dann zwar immer noch mehr als herkömmliche Milch. Doch auch Ludger Strotdrees weiß: „Ein zu großer Preisunterschied ist den Konsumenten nicht zu vermitteln.“ Der Bio-Bauer aus Harsewinkel will dem drohenden Absturz mit einer intensiveren Direktvermarktung auf seinem Hof begegnen. „Wir besitzen jetzt einen Milchautomaten, bei dem die Verbraucher zu jeder Tages- und Nachtzeit selbstständig Milch kaufen können“, sagt Strotdrees.


Hintergrund

Das Ende der Milchquote

1 Die Milchquote innerhalb der Europäischen Union hat eine lange Geschichte: 31 Jahre lang regelte sie, wie viel Milch ein Bauer in Europa erzeugen darf. Jedes EU-Land bekam bestimmte Mengen zugeteilt. Diese Mengen verteilten sich auf die Milchbetriebe.
2 Seit der Agrarreform 2003 weitete die EU die Quoten schrittweise aus. Seit dem 1. April dieses Jahres gibt es gar kein Produktionslimit mehr. Für die Milchwirtschaft ist das eine Zäsur, weil dadurch die Milchpreise sinken und vor allem kleine Bauern unter Druck geraten.

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Erschienen in Ausgabe 04/2015
Rubrik: Ernährung

Kommentare

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incl. 'http://'

Wenn es direkt vom Erzeuger kommt sind die ca. 60 Cent ausreichend.
Jedoch müssen den Kühen die Hörner gelassen werden und Kälber dürfen nicht vom Muttertier getrennt und zu Fleich verarbeitet werden!
Ansonsten kaufe ich lieber Bio-Soja oder Reismilch.

Mareike

Ich bin bereit 0,00€ für so ein Tierqual Produkt zu zahlen und ich würde selber für kein Geld der Welt ein Schluck davon nehmen. Es ist egal wie viel Geld eine Tüte Milch kostet es ist nach wie vor ethisch, moralisch und Gesundheitlich einfach nicht richtig Milch zu trinken. Lasst doch endlich den Kälbern ihre Milch und wär so auf Hormonen und Medikamenteverseuchte Flüssigkeit steht kann doch einfach einen Medikamentencocktail trinken ohne das andere Schaden nehmen.

Chris

Ein Kalb trinkt ca. 1.000-2.000 Liter Milch. Kühe in der Milchindustrie werden darauf gezüchtet ca. 5.000-10.000 Liter Milch pro Schwangerschaft zu produzieren. Eine enorme Leistung, die ihren Körper völlig ausmergelt.

Milch = Gift

Wissenschaftler finden eine Menge synthetischer Chemikalien in jeder Milch

NaturalNews.com berichtet in einem Artikel über diese wissenschaftliche Studie, die synthetische Chemikalien in jeder Milch feststellte.

http://www.naturalnews.com/033075_milk_chemical_contamination.html

Die schädliche gesundheitliche Wirkung der schon von Natur aus in der Milch vorkommenden Hormone ist längst bekannt. Jetzt hat man auch noch synthetische Chemikalien in jeder Milch gefunden. Die gefundenen Chemikalien sind Antibiotika, nichtsteroidale Antiphlogistika, Schmerzmittel, Antiepileptika, Konservierungsstoffe, Lipidsenker, Beta-Blocker und synthetische Geschlechtshormone. Insgesamt wurden 20 pharmakologisch aktive Substanzen gefunden.

Der Artikel in NaturalNews betont, dass wahrscheinlich alles was wir über Milch und Milchprodukte wissen, den Märchen der Milchindustrie entstammt. Weiter heisst es, dass Kuhmilch eine verdorbene Körperflüssigkeit von kranken Tieren ist, die eine Vielzahl von gefährlichen und krankmachenden Substanzen enthält.

Es wird noch einmal darauf hingewiesen, dass Kuhmilch ausser diesen synthetischen Chemikalien bereits von Natur aus 59 aktive Hormone, zahllose Allergene, jede Menge Fett und Cholesterin enthält. Die meiste Milch enthält ausserdem merkliche Mengen an Herbiziden, Pestiziden, Dioxinen (bis zum 200-fachen der als noch sicher angesehenen Konzentration), bis zu 53 wirkungsvolle Antibiotika, Blut, Kot, Bakterien und Viren.

Eines der 59 enthaltenen Hormone ist IGF-1. IGF-1 ist ein Wachstumshormon und normaler Bestandteil von jeder Milch. Während Neugeborene schnell wachsen sollen, ist die Zufuhr von IGF-1 bei einem ausgewachsenen Körper, der nicht mehr wachsen kann, physiologisch unsinnig und gesundheitlich katastrophal. Es gilt als der Schlüsselfaktor für das schnelle Wachstum und die Ausbreitung der häufigsten Krebsarten. Schon wenige Glas Milch verdoppeln die Menge dieses Hormons im Körper.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stammen etwa 90 % der vom menschlichen Körper aufgenommenen Dioxine von Milchprodukten und Fleisch. Dioxine gelten als eine der giftigsten Chemikalien und als krebsauslösend (Sollten wir das unserem Körper und unseren Haustieren zumuten?).

Entgegen der noch immer bestehenden Vorurteile ist Milch keine wirklich gute Quelle für Kalzium. Gerade in den Ländern, in denen die meiste Milch getrunken wird, findet man die höchsten Raten an Osteoporose und Knochenschwund. In Studien wurde sogar nachgewiesen, dass Frauen, die grössere Mengen an Milchprodukten verzehren, ein höheres Knochenbruchrisiko haben. Dies ist auch nicht weiter verwunderlich, da die Bioverfügbarkeit von Kalzium aus Milch nur etwa halb so hoch ist wie aus pflanzlichen Quellen. Auch eine der grössten Ärztegesellschaften, die PCRM (Ärztegesellschaft für verantwortungsvolle Medizin) warnt vor Milch: „Verlassen Sie sich nicht auf Milch, wenn Sie etwas gegen Knochenschwund tun möchten.“ Sie rät zur veganen Ernährung als gesündeste überhaupt.

http://www.provegan.info/index.php?id=212&L=0&tx_ttnews%5Btt_news%5D=1321

Laktoseunverträglichkeit ist der natürliche Zustand nach dem Abstillen. Der Körper produziert dann keine Lactase mehr, die für die Verstoffwechslung der Laktose erforderlich ist.
Durch die ständige weitere Zuführung der Laktose in Form von Kuhmuttermilch ist der Körper entgegen seiner Natur genötigt, weiterhin Lactase zu produzieren.
Laktoseintoleranz ist also der Normalzustand, wird uns jedoch als "Krankheit" verkauft und die passenden Tabletten gleich mit dazu.
Kuhmuttermilch ist ausserdem aufgrund ihrer Zusammensetzung für den menschlichen Körper völlig ungeeignet. Sie ist so zusammengesetzt, dass aus einem kleinen Kälbchen innerhalb kürzester Zeit ein riesen Rindvieh werden kann.
DAS funktioniert allerdings auch ganz hevorragend beim Menschen...

Milch
- Die Kälber werden sofort nach Geburt von der Mutter getrennt
- Männliche Kälbchen landen in der Rindermast oder direkt im Schlachthaus
- Die Mutterkuh wird ca. 6 Wochen nach dem Kalben erneut künstlich besamt
- Milchkühe werden nach spätestens 7 Jahren geschlachtet
- Um eine solch hohe Milchleistung zu erwirtschaften, müssen Milchkühe die Nährstoffe aus dem eigenen Körper ziehen
- Zum Ende des kurzen Lebens, können sich die Kühe kaum noch bewegen, da zu viel Kalzium aus den Knochen gezogen wurde
- Milch ist der Auslöser vieler Krankheiten wie z.B. Krebs, Osteoporose, Parkinson, Akne, Neurodermitis, Multiple Sklerose, Diabetes,....
- Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das noch im Erwachsenenalter Säuglingsnahrung trinkt und noch dazu von einer anderen Art
- IGF-I Hormone in Kuhmilch ermöglichen es Krebszellen zu wachsen
- Eine hohe Aufnahme von tierischem Eiweiß, wie in der Milch und auch im Fleisch vorhanden, fördert die Kalziumausscheidung
- Auf ihrem Weg ins Euter kann sich die Milch zu einem wahren Giftcocktail entwickeln: Umweltgifte, Pestizide, Medikamentenreste, milchbildende Hormone und Schwermetalle
- Für das Erzeugen von einem Liter Milch werden rund 1000 Liter Wasser benötigt
- Kühe sind Wiederkäuer. Durch ihre komplexen Verdauungsvorgänge wird Methan freigesetzt. Methan hat hohes Treibhauspotential: 25 x CO2 und trägt aufgrund seiner hohen Wirkung wesentlich zum Treibhauseffekt bei.
Astra1971

Pauline

Ich sage dazu nur eins: Go Veggie!
Für mich ist dieser Artikel nicht nur dahingehend schockierend, wie die Entwicklung in der Milchindustrie aussieht, sondern dass hier scheinbar nur an die Bauern gedacht wird, die unter den Preisen leiden. Keine Frage, ich kenne da auch persönlich solche Menschen, die sich dem Preissturz irgendwie anpassen mussten. Aber ist uns eigentlich klar, was diese "Anpassung" für die Lebewesen bedeutet, die diese Milch wirklich produzieren. Mir tut es schon beim Lesen des Artikels in der Seele weh zu wissen, was da in Zukunft an weiteren Strapazen und Qualen auf die sogenannten "Milch"kühe zukommt!!! Das sind auch nur ganz normale Kühe, die nun noch weiter aufs Härteste darauf getrimmt werden, ihre begrenzte Muttermilch (eigtl. für die Kälber) rauszurücken und für uns zu produzieren.
Hab ich eigentlich schon erwähnt, wie genial ich Dinkel-, Hafer- oder Sojamilch finde!? :)

Eve Saglietto

Den Artikel über den Milchpreis zeigt wie diese Industrie, ob Bio oder nicht, nur gierig, krank und Profit orientiert ist. Wenn ich die Empfehlung von diese Fr Fink-Keßler lese, wie die Bauer ihre Michproduktion drosseln sollen, wünsche ihr in ihre nächstes Leben eine Turbokuh zu werden : " weniger Kraftfutter, junge Kühe später besamen, ältere früher schlachten und Kälber mehr Milch geben", so einfach ist es. Die Tiere sind für solche Experten und überhaupt für die Bauer nichts etwas als Sache, dass man weg nach Bedarf schmeißt.
Ich werde keine Tränen für die Bauer auch die BioBauer weinen, die ihre Kühe seit jahrzehnte mißhandeln und unsere Natur vergiften. Diese Leute lernen nicht, wollen auch nicht lernen, finden in Ordnung dieses krankes System und denken nicht weiter. Es geht nicht um Preis zu bezahlen, es geht um Ethik und Mitgefühl, ich hoffe, dass viele Leute in Zukunft keine Milch kaufen und nützen die pflanzliche Produkte, für die Tiere und für die Erde.