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Lisa Martinek: „Einkaufen macht Spaß“

INTERVIEW Die Schauspielerin Lisa Martinek ist Bio-Laden-Fan: Sie kauft – mit ihren drei Kindern im Schlepptau – fast ausschließlich dort ein. Dass Bio nur etwas für Besserverdienende ist, hält sie für eine Mär. // Manfred Loosen

Verabredet sind wir im Bistro-Bereich eines Bio-Ladens in Berlin. Pünktlich fährt Lisa Martinek  vor – mit einem Lastenfahrrad. Wir suchen uns einen Tisch in der Frühlingssonne vor dem Laden und klönen bei frischem Pfefferminztee.

Sind Sie viel mit Ihrem Lastenrad unterwegs?

Ja. Wir haben lange in München, in Schwabing gewohnt. Dort hatte ich gar kein Auto. Da hat man noch nicht mal vor der eigenen Wohnung einen Parkplatz gefunden. Autos sind dort völlig sinnlos. Ich habe mir dann dieses Lastenrad angeschafft; das ist von Kind zu Kind immer lukrativer geworden. Im vergangenen Jahr sind wir nach Berlin gezogen. Und auch hier im Kiez ist das Rad ideal: Damit fahre ich zu meinem Hofladen, den ich sehr liebe. In den Transportkasten des Rades passen die Kinder rein und die Einkäufe.

Hat das Fahrrad einen Öko-Aspekt oder geht’s um Sport, um Bewegung?

Beides. Einerseits bin ich CO2-frei unterwegs. Außerdem geht es viel schneller, die Kinder da reinzuheben als sie alle im Auto anzuschnallen. Sie könnten zwar auch schon allein Fahrrad fahren, aber wenn ich wenig Zeit habe, packe ich die Kinder schnell ins Rad. Und im Endeffekt ist es auch Sport. Zusammen wiegen die drei locker 50 Kilo, dann kommen die Einkäufe dazu. Am Ende fahre ich mehr Gewicht herum als ich auf die Waage bringe, das ist dann schon Sport. Danach weiß ich, was ich gemacht habe.

Treiben Sie sonst Sport? Tanzen Sie noch?

Nein, leider gar nicht mehr. In der Jugend habe ich professionell getanzt. Aber ich kenne niemanden, der das nur ein bisschen weitergemacht hat. Da gibt es nur Entweder-Oder. Bei mir hat das mit 16 Jahren aufgehört. Es war einfach vorbei. Heute mache ich das Übliche: Pilates, Yoga. In München bin ich im Englischen Garten gewalkt. Mit drei Kindern habe ich dazu keine Zeit mehr.

Und warum geht’s zum Einkauf mit dem Rad hier in den Bio-Laden?

Mein zweiter Vorname ist „Demeter“. Ich kaufe in der Regel nur Bio-Produkte. Zuerst war ich sehr traurig, als wir von München weggezogen sind. Da bin ich immer zu einem Bio-Gemüsestand auf dem Elisabethplatz gegangen. Etwas Vergleichbares hatte ich hier nicht gefunden. Bis ich diesen Hofladen entdeckt habe. Der wird sehr, sehr gut geführt. Hier kann mein Zweijähriger alleine im Laden rumflitzen, wenn ich einkaufe. Er holt sich oft als erstes einen Apfel und isst ihn. Ich kann den, wenn er aufgegessen ist, natürlich nicht mehr wiegen und bezahlen. Da wollte ich dann mal ein Kilo bezahlen, aber der Chef hat nur gesagt: „Ach Quatsch, ich bin froh, wenn Kinder Äpfel essen.“ Wahnsinnig nett. Manchmal setzt sich mein Sohn auch ins Bistro und bekommt Milchschaum. Das ist einfach toll: Es ist eine besondere Lebensqualität, die ich da spüre.

Stimmt, so was kann man im „normalen“ Supermarkt eher nicht erleben ...

Ja, von anderen höre ich immer, dass für sie das Einkaufen im normalen Supermarkt der pure Stress ist. Für mich ist der Einkauf in so einem Laden wie hier ein schönes Erlebnis.

War Einkaufen für Sie immer Spaß?

Eigentlich schon. Auf dem Land – ich komme aus Baden-Württemberg – bin ich zum Bauern gegangen und habe da vor allem Gemüse und Obst gekauft. Schon damals habe ich mich gesund ernährt. Vor allem wegen des Tanzens. Da achtet man auf seinen Körper. Heute muss ich gar nicht mehr viel nachdenken: Das ist mir einfach in Fleisch und Blut übergegangen. Und das gebe ich so auch an meine Kinder weiter: Ich finde es toll, dass man damit einen normalen Umgang hat, dass Bio das Normale ist. Klar: Kinder essen gerne Zucker, das schon. Aber ich habe das Gefühl, dass meine darauf nicht so gierig sind. Bei uns zu Hause ist es einfach normal, dass es viel Gemüse, Salat und Rohkost gibt. Inzwischen wird aber auch in vielen Kindergärten Wert auf gesundes Essen gelegt – jedenfalls in den Einrichtungen, die ich kenne. Das ist heutzutage – glücklicherweise – im Bildungsprogramm mit drin.

Wie streng sind Sie in Sachen Bio?

Naja, ich esse auch mal herkömmliche Croissants, so ist das nicht. Aber ich achte schon sehr darauf, was wir essen. Ich bin keine ambitionierte Köchin, koche aber regelmäßig. Bei Bio achte ich auf die verschiedenen Label und entscheide mich in der Regel für das Demeter-Siegel.

Was sagen Sie Menschen, denen Bio zu teuer ist?

Ich finde es zu einfach zu sagen: „Bio ist zu teuer!“ Für den, der meint, dass er jeden Tag Fleisch braucht, wird es natürlich relativ teuer. Aber wenn man einmal gesehen hat, wie konventionelle Hühner behandelt werden, dann will doch kein Mensch mehr so ein Huhn essen. Aber es geht ja auch anders: italienisches Gemüse mit Parmesan drauf und einen Ziegenkäse dazu. Das ist nicht das teuerste Essen der Welt – auch in Demeter-Qualität nicht –, und es schmeckt herrlich.

Zu wie vielen Drehbuch-Angeboten sagen Sie „herrlich“?

Oh, das ist schwer zu sagen. Es gibt Angebote, bei denen man gleich denkt: „Das ist ein Format, das mir nicht zusagt. Das muss ich gar nicht erst lesen.“ Und dann gibt es Angebote, die liest man und sagt: „Nein, das habe ich mir anders vorgestellt“. Und dann schließlich gibt es Drehbücher, die liest man und denkt sofort: „Ja, das mach’ ich.“

War das beim „Blaumacher“ so?

Ja. Der „Blaumacher“ ist meine erste Serie. Aber das ist nicht der Grund, warum ich das angenommen habe, sondern der Autor: Bernd Lange. Er hat da etwas geschrieben, das mir unglaublich gut gefällt. Von der Sprache her zum Beispiel: Er hat das Drehbuch nicht grammatikalisch richtig geschrieben, sondern so, wie man spricht. Das liest sich erstmal komisch, aber die Texte waren dadurch superleicht zu lernen. Und ich finde, dass er die Themen „Midlife-Crisis“ und „Wie kommt man als Jugendliche ins Erwachsenenleben rein?“ toll darstellt: überspitzt, aber treffend. Trotzdem hat die Serie auch eine dramatische Ernsthaftigkeit. Ich selbst fühlte mich als Zuschauerin gut unterhalten. Ich kann mich in dem jungen Mädchen und in dem mittelalten Paar wiederfinden, ohne dass es so ein Zeigefinger-Ding wird. Das liegt an Bernd Langes schwarzem Humor.

Manfred Loosen und Lisa Martinek (© Privat)Schrot&Korn-Redakteur Manfred Loosen traf die Schauspielerin Lisa Martinek in „ihrem“ Bio-Laden in Berlin-Schmargendorf.

Zur Person: Lisa Martinek

Interview Lisa Martinek (© Steffi Henn/Glampool)
(© Steffi Henn/Glampool)

... ist – nach ihrer Schauspielausbildung in Hamburg – seit mehr als 20 Jahren in Bühnen-, Fernseh- und Kinoproduktionen zu sehen. Von 2006 bis 2012 spielte Martinek die Kommissarin Clara Hertz in der ZDF-Krimireihe „Das Duo“. Ab 7. Juni läuft auf ZDF neo die sechsteilige Serie „Blaumacher“, in der sie die Ehefrau des Mittvierzigers Frank spielt, der, obwohl er vermeintlich alles hat, mit seinem Leben höchst unzufrieden ist und nach Auswegen sucht. Lisa Martinek (45) lebt mit ihrem Mann und Kollegen Giulio Ricciarelli sowie ihren drei Kindern in Berlin.
www.lisamartinek.com

Erschienen in Ausgabe 06/2017
Rubrik: Ernährung

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Romina

Hallo!
Mein Mann und ich sind Vegetarier, im Bereich Kosmetik, Körperpflege und Reinigungsmittel setzen wir zum größten Teil auf vegane Produkte. Das Argument mit dem täglichen Fleischverzehr und den daraus entstehenden hohen Kosten aus dem Artikel kann ich damit schon mal nicht belegen. Im Gegenteil, seit wir kein Fleisch mehr essen, geben wir sogar mehr Geld für Lebensmittel aus.
Wir kaufen sehr viel Bio, allerdings vor allen Dingen aus dem Discounter und bei dm. Im reinen Biomarkt kaufe ich seltener ein und finde das auch nicht verwerflich.
Bei unserem Einkommen leben wir bereits "grüner" als wir es uns eigentlich leisten können.
Auf unserem Balkon wachsen frische Kräuter und Gemüse und ich koche täglich frisch.
Wer nur gelegentlich als " Highlight der Woche" ein Demeter Gericht kocht und sich ansonsten nur von Bio Aufstrichen und kalter Küche ernährt, der kann meiner Meinung nach nicht wirklich beurteilen welche Kosten eine abwechslungsreiche Ernährung bedeutet.
Ich möchte betonen dass ich Bio Produkte und nachhaltiges Konsumverhalten befürworte. Ich selber versuche dies auch zu praktizieren aber es gibt nunmal auch persönliche Grenzen, die man nicht weg diskutieren kann.
Und ich frage mich auch ob der Konsum von exklusiven und exotischen Bio Produkten mit teilweise langen Transportwegen wirklich besser sein kann als "gewöhnliche" Produkte (Z.B. Chiasamen versus Leinsamen) und ob für viele der Besuch im Biomarkt nicht mehr Lifestyle und Image Pflege ist als alles andere.

Klaus Lesniak

Hallo Anne,
es kommt auf die Prioritäten an! 2.450 Euro "Festkosten" - Viele Familien verdienen das brutto nicht mal und kommen mit Miete, Versicherungen und Co hin.
Die Familie von meinem Bruder und meine sind ziemlich gleich und wir verdienen mit Partnern ungefähr gleich. Wir haben mal die Ausgaben verglichen, weil er wissen wollte, wie wir das mit den Bio-Lebensmittel hinbekommen.
Stellte sich raus: Die fahren im Sommer ins Ferienhaus nach Dänemark + 2 Wochenenden auf Sylt, haben einen Neuwagen, Sky, Netflix und Handyverträge für über 50 Euro pro Monat und Person.

Wir fahren im Sommer zwei Wochen Campen an der Nordsee, haben einen gebrauchten Opel, Prepaid-Handys die viel günstiger sind und kaufen 70% -90% Bio.

So kommt jeder mit seinem Geld knapp aus.

Anne

Hallo,

immer wiedr lese ich von Menschen, die mir erklären wollen, dass ich mir tägliches Bioessen leisten kann: Jeder kann das...
Ich würde mich sehr gerne BIO ernähren, aber leider gehöre ich zu den Menschen, die sich das nicht leisten können. Ich lebe mit meinem Mann und zwei Kindern in Kreuzberg und wir haben im Monat 2.800,00€ zur Verfügung. Nach Abzug der Festkosten (Miete, Versicherungen, Telefon, Klassenfahrten, Vereinsbeiträge etc.) bleiben im Monat ca. 350€ für Essrn übrig. Wenn mir jemand zeigt, wie ich mich und meine Familie davon biologisch ernähren kann, wäre ich sehr dankbar!
Es geht nicht!!! Darum seid doch mal ehrlich zu euch und euren Mitmenschen und gebt zu, dass BIO etwas für die Besserverdienenden ist.
Grüße aus Kreuzberg

Mama

Also ganz ehrlich: eine Frau mit 3 Kindern kann es sich eben nicht leisten, alles im Bioladen einzukaufen, wenn sie einen normalen Job mit Durchschnittsverdienst hat. In Demeterqualität sowieso nicht. Das geht eben nur in diesen Vorzeige-Ausnahme-Fällen, wenn man ein Gehalt als Schauspielerin hat und der Mann als Schauspieler gut "dazu verdient". Egal was ich im Bioladen kaufe - jedes, wirklich jedes Produkt kostet im Schnitt zw. 50 % und 100% mehr als im Discounter (einzige Ausnahme: Wein), teilweise sogar bis zu 200%. So ist frau gezwungen, auch anderweitig einzukaufen. Will man konsequent sein in Sachen Bio, hilft dann sonst nur: weglassen, weniger essen, fasten, sparen. Oder ein eigener Garten :-)