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Knackig frisch vom Baum

Apfelernte (© MEV Verlag)
(© MEV Verlag)

Schluss mit dem Sommerloch – die neuen Äpfel sind da! Sie baumeln an den Bäumen, kullern fast von allein in den Einkaufskorb und schmecken einfach zum Anbeißen ... // Sabine Kumm

Die Apfelbäume auf den Wiesen und in den Gärten biegen sich unter der Last ihrer Früchte, und die Obstregale im Bio-Laden füllen sich endlich wieder mit frischen, einheimisch gewachsenen Sorten: dem rot gestreiften Topaz, dem knackigen Elstar,  dem süßen Jonagold mit seinen orangeroten Bäckchen, den Neuseeland-Einwanderern Gala und Braeburn und außerdem vielen lokalen „Berühmtheiten“.

„Sommerloch?“, mag manch einer denken. „Wir können doch das ganze Jahr über frische Äpfel kaufen!“ Stimmt, fragt sich nur, wo sie herkommen. Durch Importäpfel ist das Angebot an frischen Äpfeln natürlich ganzjährig möglich – in Australien und Neuseeland zum Beispiel beginnt die Saison im Februar/März. Und nur aus einheimischem Anbau können wir unseren Apfelbedarf – pro Person immerhin an die 25 kg jährlich – auch nicht decken. Etwa die Hälfte davon stammt aus Ländern wie Italien oder Österreich. Spätestens im Juni läuft die Lagerzeit unserer einheimischen Früchte aus – wer jetzt noch Äpfel essen will, kann bis zu den ersten Klaräpfeln im Juli Übersee-Importen nicht mehr ausweichen. Dabei sieht die Öko-Bilanz unter Umständen ab April für Importäpfel sogar günstiger aus als für die hiesigen Äpfel, die mit großem Energieaufwand unter Sauerstoffentzug in  gekühlten Hallen gelagert werden. Allerdings ist es ökologisch gesehen ganz besonders wichtig, die Kilometer zum nächsten Bio-Laden dann wenigstens umweltfreundlich mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zurückzulegen.

Jetzt heißt es erst einmal frische Äpfel kaufen, genüsslich hineinbeißen und erleben, wie sich der ganze Apfelkosmos von süß bis säuerlich, von knackig bis saftig, auf der Zunge entfaltet!

Welcher darf’s denn sein?

Favorit für Apfelkuchen ist immer noch der säuerliche Boskoop, der hinter seiner rauhen Schale jede Menge Aroma mitbringt. Ihm werden wir auch schon bald als Bratapfel mit Marzipan oder im Mürbeteig- „Schlafrock“ begegnen. Im Waldorfsalat oder in der Rohkost mit Möhren und Roter Bete schmeckt jeder Apfel, der frisch, knackig und nicht zu süß ist, wie zum Beispiel Braeburn oder Jonagold.Frische Tafeläpfel sind Geschmackssache – wie ein guter Wein, der die ganz speziellen geschmacklichn Eigenschaften seiner Sorte und Herkunftsregion mitbringt. Mit Standardsorten wie Elstar oder Topaz liegt man immer richtig – wer allerdings das Besondere sucht, muss sich durchprobieren.

Neue Sorten probieren

Genau hinschauen lohnt sich, vielleicht lässt sich ja auch einmal ein bis dahin nicht bekannter Apfelname unter den gängigen Angeboten entdecken.

Der gelbrote, süße Dalinbel oder die frühe Gerlinde, beides Züchtungen aus der Sorte Elstar. Oder der Frühapfel Ambassy, der grüngelbe Pinova und seine rote Schwester Evelina, als Golden-Delicious-Abkömmlinge alle von milder Süße. Und dann wären da noch die relativ jungen robusten Sorten Topaz, Rubinola und Santana, die nicht nur resistent gegen bestimmte Apfelkrankheiten sind, sondern mit ihrem süß-säuerlichen Aroma auch den typischen Apfelgeschmack aus Großmutters Zeiten wieder zurückbringen. Sorten kommen und gehen – für den normalen Verbraucher ist die Vielfalt kaum zu überblicken. An die 2000 sollen es in Deutschland sein, weltweit ist von 20 000 Sorten die Rede.

Die Auswahl im Laden bewegt sich dagegen gerade einmal im zweistelligen Bereich. Viele Apfelsorten sind nur regional und auf Wochenmärkten erhältlich.  Wer ihre Namen liest, kann seine Fantasie auf die Reise schicken und einen Teil des Zaubers nachempfinden, der die Früchte noch bis vor wenigen Hundert Jahren zu einem exklusiven Genuss gemacht hat. Alkmene, Ambrosia, Berlepsch, Renette, Nikolausapfel, Paradies- und Glockenapfel, Goldparmäne, Gravensteiner, Streifling, Pepping und allerlei Prinzen und Fürsten erzählen von reger Züchtertätigkeit.

Profit mit Einheitlichkeit

Dass sie nicht in vergleichbarer Vielfalt in den Läden auftauchen, hat vor allem politisch-wirtschaftliche Gründe. Denn mit der Bildung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft im vergangenen Jahrhundert startete eine staatlich geförderte Kampagne gegen die alten Obstbaumbestände. Die Hochstamm-Apfelbäume galten als nicht geeignet für die kommerzielle Nutzung im großen Stil und standen den europäischen Bemühungen im Weg, den Markt zu vereinheitlichen.

„Kopfprämien“ für Bäume

Für jeden gefällten Obstbaum wurde bis in die 70er-Jahre hinein eine Rodungsprämie bezahlt – als Ersatz wurden in groß angelegten Obstplantagen einheitlich Halbstämmchen gepflanzt, um den Bedarf nach leicht zu erntenden Früchten mit überschaubarem Ertrag, gleichbleibendem Geschmack und gleichmäßiger Größe zu decken.

Und während es auf der einen Seite  Initiativen zur Erhaltung der alten Streuobstwiesen, viele private Züchter und kleinere Obstbaubetriebe gab, die versuchten, die alten Sorten zu erhalten, verlor das Angebot in den Läden zunehmend an Vielfalt. Ein Grund mehr für uns, jede Gelegenheit zum Probieren verschiedener Apfelsorten zu nutzen.

Denn der Apfel ist eng mit unserer Kultur verbunden. Vor gut 2000 Jahren wurde er nämlich ebenfalls zu uns „importiert“, und zwar von den Römern, die die ursprünglich sauren, harten Holzäpfel aus Zentral- und Westasien weiter veredelt hatten. Was uns heute so selbstverständlich aus den Obstkisten entgegenlacht, war für unsere Vorfahren eine seltene und exklusive Delikatesse, um die sich viele Mythen rankten.

Eva und Aphrodite

Homer konnte ein Lied davon singen – schließlich löste in den griechischen Sagen ein Apfel, der der Liebesgöttin Aphrodite als Geschenk für „die Schönste“ überreicht wurde, jede Menge Missgunst und den Trojanischen Krieg aus.

Und dann die Bibel: Dass es wirklich ein Apfel war, mit dem Eva Adam verführte, gilt als unwahrscheinlich. Trotzdem wurde die dort erwähnte „Frucht“ in unseren Breiten als Apfel interpretiert. In Märchen wie „Frau Holle“ oder „Schneewittchen“ taucht er ebenfalls als zentrales Element auf.

Und das ist er bis heute geblieben: Ein Apfel zierte nicht nur das berühmte Plattenlabel der Beatles, er ist auch bis heute das Logo des Computerriesen Apple und als „Big Apple“ die liebevolle Bezeichnung für New York. Hier trifft sich der Jugendwahn der heimlichen amerikanischen Hauptstadt mit den Germanen, die glaubten, dass die nordische Göttin Idun goldene Äpfel der ewigen Jugend und Unsterblichkeit hütete. Und so finden wir unversehens auch ein Stück Götterweisheit in dem berühmten Spruch: „One apple a day keeps the doctor away“ – „Ein Apfel am Tag erspart den Arztbesuch“...

Denn auch wenn der Genuss von Äpfeln uns nicht gleich unsterblich macht – gesund sind sie allemal: Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente stärken das Herz-Kreislauf-System, die im Apfel enthaltenen Gerbsäuren wirken entzündungshemmend. Der Ballaststoff Pektin entgiftet und beruhigt den Darm. Außerdem trägt Pektin dazu bei, den Blutzuckerspiegel konstant zu halten, die Cholesterinwerte zu verbessern und den Blutdruck zu senken. Ein echtes Powerpaket also, unser Apfel – und mit jedem Biss beginnt eine neue Geschichte ...

Aktion Apfelblütenland

Die „Aktion Apfelblütenland“ der ARD-Sendung „Planet Wissen“ fragt schon seit acht Jahren ihre
Zuschauer, wann in deren Nähe die Apfelbäume zu blühen beginnen – und gewinnt so wertvolle Infos zur Klimaerwärmung. www.planet-wissen.de

Kleine Apfelkunde

Elstar

Knackig, würzig, süßsauer – so schmeckt der Elstar, der bei uns im September geerntet wird. Achtung Apfelallergiker: Wer auch auf Birke, Erle und Hasel reagiert, sollte den Elstar meiden. Er besitzt ein Protein, das dem in Birkenpollen ähnlich ist.

Braeburn

Die Apfelsorte Braeburn stammt ursprünglich aus Neuseeland und braucht ein eher wärmeres Klima. Sein Fruchtfleisch ist fest, sein Aroma herbsüß. Man kann ihn kochen, backen oder frisch essen.

Topaz

Topaz ist eine relativ junge, aromatisch knackige Winterapfelsorte, die widerstandsfähig gegen Krankheiten ist. Topaz kann ab Mitte Oktober gepflückt und ab Dezember genossen werden.

Boskoop

Der Boskoop zählt zu den Winteräpfeln und wird im September/Oktober reif. Der Apfel schmeckt säuerlich-mürbe und ist der klassische Brat- oder Backapfel. Er besitzt einen geringen Allergengehalt.

Santana

Der Herbstapfel Santana kam 1996 in den Handel. Die festen, saftigen Früchte sind für den frischen Verzehr und zum Backen gut geeignet und werden auch von vielen Allergikern vertragen.

Jonagold

Der Jonagold gehört zu den in Mitteleuropa am häufigsten angebauten Apfelsorten. Der saftige, süßsäuerliche Apfel ist ab Oktober genießbar. Bekannte Mutanten sind Jonagored, Marnica und Red Prince.

Erschienen in Ausgabe 09/2014
Rubrik: Ernährung

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