Anzeige

Anzeige

Rea Garvey: „Auch an andere denken“

Interview Rea Garvey (© PR-Material)

INTERVIEW Der Sänger Rea Garvey verhilft Ur-Einwohnern in Ecuador zu sauberem Wasser, will möglichst alles reparieren und hat eine Idee für mehr Bio.

Auf den ersten Blick erkenne ich Rea Garvey nicht, als er das Restaurant in Berlin betritt. Wegen des strahlenden Sonnenscheins hat er eine Sonnenbrille auf. Er begrüßt mich freundlich, ist sofort beim Du und bestellt uns ein stilles Wasser.

Wie ist das, mit sieben Schwestern aufzuwachsen? Schrecklich oder schön?

Beides. Schrecklich und schön. Es ist jetzt schöner als es damals war. Ich musste viel lernen.  Aber die sind alle cool und super. Wir haben uns geschützt und gehauen und geliebt. So wie das in einer Familie halt so ist. Deshalb sind wir alle so eng miteinander. Heute nutzen wir die Vorteile von so einer Whats-App-Group. Ich hätte am liebsten auch so eine Großfamilie. Aber wenn ich unterwegs bin, merke ich, dass es gut ist, doch keine zu haben.

Deine sieben Schwestern leben noch in ihrer irischen Heimat?

Die meisten. Eine ist in Frankreich, alle anderen wohnen noch in Irland. Meine jüngste Schwester Margaret war eine Weile in Berlin. Sie singt bei mir, wohnt aber wieder in Irland.

Du hast einen irischen Pass?

Natürlich! Ich bin ja da geboren. Irland ist ein tolles Land, und ich bin auch sehr gerne da. Hier in Deutschland lebe ich, aber ich habe überhaupt kein Recht, in Deutschland zu sagen, wie man das Land führen sollte. Das ist nicht meine Aufgabe. In Irland habe ich auch wenig zu sagen. Aber durch soziale Projekte, durch Engagement merkt man,    welchen Platz man hat auf der Welt. Man muss nicht immer regieren. Man kann auch einfach so etwas tun.

Du engagierst Dich sozial. Warum?

Ich finde das einfach wichtig. Durch meinen Vater habe ich sehr viel über soziales Engagement gelernt. Er hat sehr viele soziale Projekte auf die Beine gestellt. Seit 25 Jahren hilft er einem Krankenhaus in Dublin, macht da jedes Jahr ein Event. Er hat uns beigebracht, dass wir, wenn es uns gut geht, auch immer an andere denken sollen.

Bei Dir ist es „Clearwater“. Was ist das Ziel dieses Projektes?

Wir wollen dafür sorgen, dass die Menschen in Ecuador sauberes Wasser bekommen. Durch die jahrzehntelange Förderung von Gas und Öl ist die Umwelt dort total zerstört. Die Menschen haben nur verseuchtes Trinkwasser.

Wie kamst Du auf „Clearwater“?

Meine Frau und ich haben bei einem Event einen jungen Mann kennengelernt, der einen Preis bekommen hat für Avatar: Mitch Anderson. Mitch ist Dokumentarfilmer und hat sich viel mit Südamerika beschäftigt. Er ist auch Aktivist bei der Organisation Amazon Watch. Er hat mir und meiner Frau erzählt, dass es mehrere Problemstaaten in Südamerika gibt. Die meisten Probleme haben mit Öl zu tun oder mit Energie. Vor allem von der Umweltzerstörung durch die Öl- und Gasförderung in Ecuador waren wir erschüttert und haben gesagt: Dagegen wollen wir etwas tun! Ich habe gemerkt, dass Mitch ein bisschen skeptisch war. Er hatte schon häufig die Erfahrung gemacht, dass Leute sagen: Ich will helfen! und dann hat er nie wieder was von denen gehört. Ich habe ihm zwei Wochen später eine E-Mail geschickt, den Flug
gebucht, und dann sind meine Frau und ich nach Ecuador geflogen. Wir landeten in Quito. Von da aus sind wir mit Booten weiter gefahren.

Welche Probleme gab es am Anfang?

Alle haben mir gesagt: Du bekommst die verschiedenen Stämme im Land nicht unter einen Hut. Da kann der eine Stamm nicht mit dem anderen zusammenarbeiten. Ich habe gesagt: Wartet ab. Alle Eltern sind gleich! Wenn die merken, dass es ihren Kindern besser geht, machen alle mit! Und so war es.

Was tut Clearwater genau in Ecuador?

Mir war klar, dass sich die Ur-Einwohner in Ecuador ohne einen Zugang zu sauberem Wasser auch nicht gesund ernähren, nicht gut leben können. Wir haben also Regenwassergewinnungssysteme mit Filtern gebaut, die Öl und Schwermetalle aus dem Wasser entfernen. Wir haben in den vergangenen drei Jahren schon 1 300 Systeme gebaut. Etwa fünftausend Menschen haben jetzt sauberes Wasser.

Bist Du ein bisschen stolz auf die Entwicklung, die Du dort angestoßen hast?

Meine Ideen waren immer ein bisschen extrem. Oft wurde gesagt: Das klappt nie! Es klappt aber doch! Total stolz bin ich darauf, dass wir den Menschen eine Sicherheit gegeben haben, mit der sie ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Junge Menschen, die Ideen haben, können sagen: Ich setz' das jetzt um!

Wie ist es denn hier in Deutschland mit Deinem ökologischen Bewusstsein?

Zu Hause in Irland waren wir acht Kinder, mein Vater war Polizist, meine Mutter Lehrerin, wenn sie nicht gerade schwanger war. Wir waren echt sparsam und deswegen auch ökologisch. Der Letzte, der aus einem Raum rausging, hat immer das Licht ausgemacht. Und bei uns war das Motto: Nutz' es, so lang es geht, schmeiß' nichts weg!

Ist Wegwerfen heute immer noch tabu?

Diese Einweg-Kultur, die aus Amerika zu uns kam einmal nutzen, wegschmeißen kann ich überhaupt nicht leiden. Das habe ich von zu Hause aus Irland mitgebracht. Wenn ich daran denke, wie viel Paar Schuhe ich als Kind hatte: zwei!

Ist weniger auch mehr beim Essen?

Ja, wenn wir alle nicht so viel Geld für Ungesundes ausgeben würden, könnten wir uns auch alle mehr gesunde Sachen leisten, auch bio.

Wie bekommen wir die Menschen dazu, mehr Bio zu kaufen?

Wenn ich die Welt regieren würde, würde ich sagen: Was dir guttut, was uns gesund hält, soll am niedrigsten besteuert werden! Das wäre ein Anfang. Dann könnte sich jeder Bio-Sachen leisten. Wenn wir das so beginnen, können wir weiter in diese Richtung gehen.

Wie wichtig ist Dir saisonaler Einkauf?

Die Deutschen haben ein Superbeispiel, wie saisonal funktioniert: Spargel. Ich konnte Spargel nicht leiden. Dann habe ich angefangen, mich damit anzufreunden. Zu Beginn der Spargelsaison gibt es Feste, die Menschen freuen sich das ganze Jahr darauf. Ich bin in Schrobenhausen gewesen, einem Spargel-Mekka. Da gibt es japanische Touristen, die sich das ansehen. Warum gibt es das bei Spargel und nicht bei Tomaten, nicht bei Äpfeln? Warum haben wir eigentlich das ganze Jahr über Erdbeeren?

Zur Person: Rea Garvey

Interview Rea Garvey (© PR-Material)
(© PR-Material)

Der Gitarrist und Sänger wurde vor 43 Jahren in Tralee/Irland geboren. Im Jahr 1998 kam er nach Deutschland und gründete die Gruppe „Reamonn“. Mit dem Lied „Supergirl“ hatte die Band ihren Durchbruch. Immer wieder arbeitet Garvey mit anderen Künstlern zusammen, unter anderem mit In Extremo und Nelly Furtado. Garvey ist der musikalische Nachwuchs sehr wichtig. So war er im Team, das den deutschen   Beitrag für den Eurovision Song Contest 2010 suchte. Auch in der Fernsehshow „The Voice of Germany“ gibt er jungen Künstlern eine Chance.

Rea Garvey wohnt mit Frau und Tochter in Berlin.

Der Sänger Rea Garvey traf sich mit Schrot&Korn-Redakteur Manfred Loosen in einem Berliner Restaurant.

(© Michaele Kinz)

Erschienen in Ausgabe 06/2016
Rubrik: Ernährung

Add a comment

Kommentar­bild via Gravatar

incl. 'http://'