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Interview: „Es wird alles anders“

Interview Devid Striesow © Markus Nass/T&T
Ein Mann mit vielen Gesichtern, der Schauspieler Devid Striesow.
© Markus Nass/T&T

INTERVIEW  Kaum ein Schauspieler schlüpft in so viele Rollen wie Devid Striesow. In seinem neuesten Film spielt er einen Wunderheiler. Wir haben mit ihm über alternative Heilmethoden, Laborfleisch und den Klimawandel gesprochen. Uta Gensichen

Wenige Tage nach seinem Geburtstag treffe ich Devid Striesow in einem Hotel in Hamburg. Es sind nur wenige Stunden bis zur Vorpremiere seines neuen Historienfilms „Licht“. Einen Kaffee lang gibt mir seine Produktionsfirma Zeit. Als ich ihm die aktuelle Schrot&Korn-Ausgabe gebe, freut er sich ehrlich. „Ich bin ja großer Fan“, sagt er strahlend. Ich denke mir „Ebenso.“

Herr Striesow, herzlichen Glückwunsch nachträglich! Jetzt mit 44, fällt Ihnen da auf, dass sich Ihre Rollenangebote verändern?

Es ist generell schwierig, je älter man wird. Weil es ja auch einen Zusammenhang zwischen der Attraktivität und den Zuschauerzahlen gibt. Wenn ich da jetzt zum Beispiel ans Set komme und ich habe diesen kurzen Haarschnitt, dann ist die erste Reaktion: „Nein, keine kurzen Haare! Das weibliche Publikum …!“ Denn das weibliche Publikum möchte die Haare mehr strubbelig.

Auch in Ihrem neuen Film „Licht“ geht es in gewisser Weise um Durchoptimierung. Die Hauptprotagonistin, die blinde Pianistin Resi, darf nicht sein, wie sie ist.

Stimmt. Das Mädchen ist durch alle möglichen Heilerhände gegangen, um gegen ihre Blindheit anzukommen. Am Ende des 18. Jahrhunderts war es noch üblich, Quecksilber zu verschreiben und irgendwann hat sie nur noch ein Klingeln in den Ohren und verliert ihre Haare. Wirklich schlimm. Aber dann wird sie durch die unkonventionellen Methoden des Doktors Franz Anton Mesmer aufgebaut. Aber die höfische Etikette und das Beamtentum setzen das Mädchen so unter Druck, dass sie am Ende freiwillig das Augenlicht hergibt, um wieder Klavier spielen zu können.

Wie bereiten Sie sich auf solche Rollen wie die des Wunderheilers Mesmer vor? Haben Sie sich intensiv mit alternativen Heilmethoden beschäftigt?

Ich hatte Unterricht genommen bei einer Frau in Wien, die sehr auf den Magnetismus schwört. Beispielsweise legt sie auch mit ihren Händen auf. Sie hat es so beschrieben, also würde in dem Moment die Aura gestreichelt werden. Eine energetische Konzentration auf die bestimmte Stelle. Ich habe es nicht ausprobieren können, weil ich kein Leiden habe – aber ich bin dem nicht abgeneigt.      

Sie sind also gesundheitlich gesehen wunschlos glücklich?

Ich würde ganz gerne nicht mehr altern. Das wäre toll, wenn es jetzt so stehen bleiben könnte. Ich habe das Gefühl, dass sich ab 40 der Stoffwechsel so verlangsamt. Man ist dann morgens auch länger quietschig und kommt schwerer in Fahrt. Ich merke, dass sich alles insgesamt irgendwie runterfährt. Das ist einerseits ganz angenehm, weil man alles relaxter angeht. Aber es ist auch ein bisschen doof.

Sie machen Yoga. Was tun Sie noch, um fit zu bleiben?

Ich mache Cross Fit. Das ist cool und wahnsinnig sympathisch. Man trainiert dabei in Gruppen von bis zu 20 Leuten. Dabei ist der Trainingsraum mit Matten ausgelegt. Dann gibt es eine Reihe Reckgeräte. Das ist eine besonders gute alltagsrelevante Form der Fitness. Ziehen und Schieben, da ist alles drin. Und es ist immer explosiv.

Was macht das mit Ihnen?

Ich merke auf jeden Fall, dass nach solchen Einheiten, wenn der Körper sich verausgabt hat, die Gedanken auch besser laufen. Das ist ja auch übrigens eine Grundlage von Yoga.

Welche Rolle spielt bei Ihnen Ernährung für ein gesundes Leben?

Ich ernähre mich schon sehr fleischlastig. Früher habe ich wirklich viel Eiweiß gebraucht, um für meine Rollen schnell ab- und zuzunehmen. Allein diese pure Menge hatte mich davon abgeschreckt, woanders einzukaufen als im ganz normalen Discounter. Aber irgendwann geht es nicht mehr. Das Bewusstsein verändert sich eben. Jetzt kaufe ich ausschließlich Bio-Fleisch.

Wie kam es zu diesem Bewusstseinswandel?

Unter anderem durch sehr lange Aufenthalte in Österreich. Dort ist die Lebensmittelqualität sehr hoch. Gerade bei Fleisch habe ich viele geschmackliche Unterschiede bemerkt. Und wenn man erst einmal in Wien aus dem Hahn Quellwasser getrunken hat … dann geht es eigentlich nur noch anders!

Haben Sie darüber nachgedacht, ganz auf Fleisch zu verzichten?

Ja, das habe ich mir schon mal vorgestellt, aber da bin ich innerlich noch nicht so weit. Ich finde es eigentlich ganz lustig, dass der Philosoph Richard David Precht davon ausgeht, dass sich das gezüchtete Kotelett oder die Mehlwurm-Frikadelle demnächst durchsetzen werden. Es wird alles anders werden, ganz bestimmt.

Apropos Zukunft: Wie ist es für Sie als Vater, an den Klimawandel zu denken?

Furchtbar! Es ist leider sehr präsent. Meine Kinder sind aber noch zu klein, um das selbst zu sehen oder zu thematisieren. Und ich will da auch nicht von vornherein zu viel Angst erzeugen.

Wie gehen Sie denn persönlich mit Themen wie Umweltzerstörung um?

Ich merke, dass es mich blockiert, wenn ich darüber nachdenke, weil es so eine Ungeheuerlichkeit ist, die ich überhaupt nicht relativieren kann. Man begreift es einfach nicht, dass es so wird und dass es schon Stück für Stück so ist. Dass Eisberge wirklich schmelzen, siehst du, wenn du da bist. Ansonsten bleibt das Thema ja sehr abstrakt.

Sich nicht verrückt machen lassen – wie schaffen Sie es, sich zu entspannen? Zum Beispiel, um aus einer Rolle zu schlüpfen?

Ziemlich umgehend. Ich bin abgeschminkt, raus! (lacht) Aber es gibt natürlich Rollen, da fällt es einem etwas schwerer, wieder vernünftig herunterzukommen.

Sie hören als Tatort-Kommissar auf. Was kommt danach?

Es gibt trotzdem viel zu tun. Ich drehe zum Beispiel gerade eine skurrile Brüder-Geschichte für das ZDF. Dann habe ich vor Kurzem für die Sky-Serie „Acht Tage“ gedreht, die 2018 ausgestrahlt wird und in acht Folgen nach einer Katastrophe auf der Erde spielt. Und ich mache ja auch noch Theater! 

Zur Person: Bertram Verhaag

Zur Person

Devid Striesow

... hat vor 18 Jahren seine Schauspielausbildung an der Ernst-Busch-Hochschule absolviert. Seitdem gibt es wohl kaum einen Charakter, den er noch nicht verkörpert hat. Ob Familienvater, Piratenjäger oder DDR-Dorfpolizist – Striesow ist ein wahrer Tausendsassa. Bekannt geworden ist er dem deutschen Publikum in der jüngsten Vergangenheit vor allem als Saarbrückener Tatort-Kommissar Jens Stellbrink. Schlechte Nachricht für seine Fans: Striesow wird nur noch bis 2019 ermitteln. Dann wird der letzte Stellbrink-Tatort ausgestrahlt. Der 44-jährige gebürtige Rügener lebt in Wien, Berlin und der Uckermark.

© Corinna Nogat/Glampool

 

Erschienen in Ausgabe 02/2018
Rubrik: Ernährung

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