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„Ich lebe jetzt bewusster“

Yvonne Catterfeld (© Hannes Caspar)
Yvonne Catterfeld hat bei ihren Großeltern den Kreislauf der Natur kennengelernt. (© Hannes Caspar)

INTERVIEW Die Schauspielerin und Sängerin Yvonne Catterfeld lebt seit der Geburt ihres Sohnes bewusster: mehr Bio, weniger Chemie. Sie erkannte: Weniger ist mehr!

Ich habe gelesen, dass Sie Kochen gelernt haben, weil Ihr Freund meinte, er würde Sie sonst verlassen!

Ja, der hat einen sehr schwarzen Humor, den liebe ich … Aber da war schon was dran: Meine Ex-Freunde habe ich anfangs fast nur mit Tütensuppen bekocht, ganz schlimm. Ich habe mich damals einfach nicht so mit Ernährung auseinandergesetzt. Die letzten Jahre natürlich immer mehr, aber erst als ich schwanger war, änderte sich mein Bewusstsein, weil ich plötzlich eine Verantwortung für jemand anderen hatte. Seitdem habe ich auch so richtig Sehnsucht nach Kochen. Aber mir fehlt oft die Zeit dazu; auch die Zeit zum Einkaufen. Ich überlege jetzt, ob ich mir regelmäßig eine Bio-Kiste kommen lasse. Dann könnte ich diesen Einkaufsstress vermeiden und einfach
alles ordern.

Was gibt’s normalerweise zu essen im Hause Catterfeld?

Ich habe einfach das Bedürfnis, mich  und die Familie gesund zu ernähren; und nicht dieses Zwischendurch-Essen, dieses „Mal schnell irgendwas machen“. Allerdings bin ich nicht so radikal: Ich bin weder Veganer noch Vegetarier, aber ich mag es, hin und wieder eine Woche mal so oder so zu essen. Ich habe auch vegane Kochbücher, weil es ein paar Sachen gibt, die ich als Alternative toll finde. Ich finde es wichtig, wenn gute Rohstoffe lecker verarbeitet sind und einfach gut schmecken. Und ich versuche auch, mich mehr und mehr zu informieren: In welcher Frucht sind welche Vitamine drin? Welches Gemüse ist besonders gesund?

Sollte das Essen dann auch Bio sein?

Auch das Bewusstsein für die Qualität von Lebensmitteln hat sich seitdem verändert. Vorher war mir das eigentlich egal. Bei meinem Kind ist mir schon wichtig, dass es eher Bio-Produkte isst – nicht ausschließlich, aber überwiegend. Und so essen wir das als Familie natürlich auch. Es gibt aber auch Ausnahmen, wenn es einfach nicht möglich ist oder aus praktischen Gründen.

Spielen Bio und Natur in Ihrem Leben eine wichtige Rolle, weil Sie das als Kind bei Ihren Großeltern erlebt haben?

Ja, ganz sicher: Mein Opa ist mit mir durch seinen Garten gegangen und hat sich immer über alles gefreut; über die Brombeeren, Himbeeren, Erdbeeren, weiße, rote, schwarze Johannisbeeren, die wir frisch gepflückt haben. Mein Opa hatte alles. Petersilie! Die habe ich als Kind geliebt! Meine Oma hat ganz viel gekocht. Ihre Thüringer Klöße waren immer ein Erlebnis für uns. Der rohe Teig  war das Leckerste. Wenn die Klöße fertig waren, war die Hälfte schon weg ...

Sind Oma und Opa Vorbild: Wollen Sie auch eigenes Gemüse anbauen?

Ich finde es eine traumhafte Vorstellung, aber schwer realisierbar in meinem Leben. Aber wer weiß …

Sind Ihre anderen Einkäufe auch Bio?

Auch was Haut und Haar betrifft, kaufe ich tatsächlich nur Bio; ich bin ja auch Markenbotschafterin von Lavera. Letztlich kann man der großen chemischen Palette nur so entkommen. Bei meinem Sohn bin ich sehr rigoros; bei mir mache ich schon mal Ausnahmen. Gerade bei Film-Make-up gebe ich mich ganz in die Hand der Maskenbildner, und die benutzen meist keine Bio-Produkte.

Es geht bei der Körperpflege also um das Vermeiden von Schadstoffen?

Ja, ich habe gerade gestern mit meinem Friseur über einen Bericht in der ARD gesprochen: über Schadstoffe, die über die Haut in den Körper kommen. Da haben sie einen Test bei einer Schwangeren gemacht und beim Fötus hundert Giftstoffe gefunden. Ich finde, man hat schon eine große Verantwortung; sich selbst gegenüber, aber vor allem, wenn man ein Kind bekommt.

Auf Ihrer neuen CD ist die Single „Irgendwas“. Die hat ja auch mit Konsum zu tun, mit „Mehr ist nicht immer besser“. Ist das Konsumkritik?

Lebensqualität heißt für mich: das Zurückbeziehen auf Qualität im Generellen. Ein älterer Schauspiel-Kollege hat mir mal gesagt, er lebe nach dem Prinzip der Reduktion. Das fand ich etwas ganz Sinnvolles: sich auf das Wesentliche zu reduzieren. Der hat das in allen Bereichen gemacht: beim Kaufen, im Haushalt, auch mit Fotos. Er hat nur ganz wenige Fotos aufgehoben, was mir zum Beispiel sehr schwerfällt. Deshalb die Zeile im Song: Sammeln Fotos, aber uns fehlt die Erinnerung“. Apropos Fotos: Ich hatte nach längerer Pause vor Kurzem wieder einen Auftritt. Da ist mir aufgefallen, dass die Menschen gar nicht mehr mit den Augen gucken, sondern nur noch durch Handys und Fotoapparate. Ich stand da oben und habe nicht mehr in Gesichter geguckt, sondern nur noch in Kameras.

Vor der Kamera stehen Sie auch bei „The Voice of Germany“. Warum machen Sie gerade bei dieser Castingshow mit?

Erst war ich unsicher, ob ich da mitmachen soll. Aber Freunde meinten, das wäre perfekt. Ich hatte diese Sendung von Anfang an geguckt und fand sie toll, habe fast keine Folge verpasst. Als ich dann gefragt wurde, ob ich mitmachen will, habe ich mich damit sehr lange auseinandergesetzt. Hier aber hatte ich irgendwie die Intuition, dass es gut ist und ich dann doch dafür richtig bin. Wenn man in so eine Sendung geht wie „The Voice of Germany“, und der Zuschauer liebt nun einmal die Sendung, dann hat man Verantwortung und vor allem auch Verantwortung den Talenten gegenüber. Deshalb habe ich lange überlegt, ob ich die tragen kann und vor allem will.

War ein Grund für das „Ja“ zur Sendung, dass man da anders mit den Kandidaten umgeht als in anderen ähnlichen Sendungen?

Unbedingt! Für mich wäre keine andere Sendung in Frage gekommen. Ganz einfach, weil ich diesen Umgang miteinander ganz toll finde; dieses Respektvolle, dass man niemanden vorführt. Da wird mit sehr viel Wohlwollen mit den Talenten umgegangen. Das fand ich schon sehr bemerkenswert. Mir gefällt einfach die Philosophie der Sendung. Dieselbe Produktionsfirma macht ja auch die Sendung „Sing meinen Song“. Ich habe selten erlebt, dass man so einen tollen, menschlichen Umgang mit Künstlern hat.

Sie sind Schauspielerin und Musikerin. Was macht mehr Spaß?

Es ist die Mischung. Wenn ich das eine tue, dann macht mir das gerade mehr Spaß. Wenn ich musikalisch aktiv bin, fehlt mir die Schauspielerei gar nicht. Ich bin dann mit Musik ausgefüllt. Und andersrum ist es genauso.

 

Yvonne Catterfeld und Manfred Loosen (© privat)Yvonne Catterfeld und Schrot&Korn-Redakteur Manfred Loosen haben sich in Catterfelds Agentur in Berlin getroffen.

 

 

 

Zur Person

Yvonne Catterfeld (© Olaf Heine)
(© Olaf Heine)

Yvonne Catterfeld ...

... wurde vor 37 Jahren in Erfurt geboren und ist bekannt als Schauspielerin und Sängerin. Mit 15 nahm sie Klavier-, Gesangs- und Tanzunterricht. Nach Abitur und zwei Jahren an der Musikhochschule Leipzig spielte sie die Rolle der Julia Blum bei der RTL-Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Ihren musikalischen Durchbruch hatte sie 2003. Inzwischen hat sie sechs Alben rausgebracht und war in vielen TV- und Kinofilmen zu sehen. Im März erschien die CD „Guten Morgen Freiheit“. Catterfeld lebt mit dem Schauspieler Oliver Wnuk in Berlin und hat mit ihm einen dreijährigen Sohn.

Erschienen in Ausgabe 04/2017
Rubrik: Ernährung

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