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Gentechnik durch die Hintertür

Raps (© Colourbox)
Was ist Gentechnik? Diese Frage stellt sich beim Raps der Firma Cibus. (© Colourbox)

RAPS In Deutschland darf genmanipulierter Raps angebaut werden, weil eine Behörde sagt, das sei keine Gentechnik. Viele sehen das anders. // Leo Frühschütz

Es beginnt im Labor: Dort stellt die US-amerikanische Firma Cibus kurze Erbgut-abschnitte synthetisch her. Diese DNA-Sequenzen entsprechen bestimmten Erbgutabschnitten von Raps, enthalten aber ein manipuliertes Gen, das die Pflanze unempfindlich gegen bestimmte Herbizide macht. Die Sequenzen werden in Rapszellen eingeschleust. Dort docken sie an der Stelle der DNA an, der sie nachgebaut wurden. Dadurch veranlassen sie die Zelle, ihre eigene DNA-Sequenz dem fremden Vorbild anzupassen. Die Zelle wird zu einer Mutation angeregt, deren Ergebnis eine herbizidresistente Pflanze ist.

Die Bundesanstalt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) stuft das als RTDS bezeichnete Verfahren nicht als „Gentechnik im Sinne des Gentechnik-Gesetzes“ ein. Dabei beruft sie sich auf die Zentrale Kommission für Biologische Sicherheit, die bereits 2012 zu diesem Ergebnis kam. Begründet wird es unter anderem damit, dass nur solche Mutationen herbeigeführt würden, wie sie auch spontan oder nach Anwendung von Mutagenen auftreten könnten. Deshalb darf der Raps ab September in Deutschland ausgesät werden. Ohne Kennzeichnung und ohne Sicherheitsauflage.

Bio- und Umweltverbände laufen Sturm gegen die Entscheidung. Sie argumentieren, dass die EU-Richtlinie 2001/18, alle Verfahren, bei denen genetisches Material im Labor aufbereitet und in die Zellen eingeführt werde, als gentechnisch definiere. Aus ihrer Sicht ist RTDS ein gezielter gentechnischer Eingriff. Das verbindlich festzustellen, wäre nach EU-Recht Aufgabe der EU-Kommission. Doch diese prüft noch, ob so gezüchtete Pflanzen unter die Gentechnik-Regulierung fallen.

Raps ist unkontrollierbar

Es sei inakzeptabel, dass das BVL versuche, diesem Prozess vorzugreifen, kritisieren die Verbände. Ihre Befürchtung: „Raps als auskreuzungsfreudige und zur Verwilderung neigende Kulturart breitet sich unkontrolliert und nicht rückholbar in der Umwelt aus.“ Der Cibus-Raps wäre deshalb „eine inakzeptable Bedrohung für die gentechnikfreie, konventionelle wie biologische Land- und Lebensmittelwirtschaft“.

RTDS und ähnliche Technologien haben aus Sicht der Anwender einen Vorteil. Ihr Einsatz lässt sich später nicht mehr nachweisen. Die Mutation könnte theoretisch auch natürlich stattgefunden haben. Bereits vor zwei Jahren hat BASF den Raps Clearfield auf den Markt gebracht. Er sei durch „klassische Züchtung“ gegen ein BASF-Herbizid resistent geworden, so der Konzern. Entwickelt wurde Clearfield zusammen mit Cibus. Und mit Hilfe des RTDS-Verfahrens.

Jetzt unterschreiben

Bio- und Umweltverbände haben eine Protestaktion gegen die Einstufung des Cibus-Raps initiiert. Unter www.testbiotech.de und www.umweltinstitut.org kann man sich beteiligen. Auch in zahlreichen Bio-Läden liegen Unterschriftenlisten aus. Zusätzlich haben die Verbände Widerspruch gegen den Bescheid eingelegt.

Erschienen in Ausgabe 07/2015
Rubrik: Ernährung

Kommentare

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G. Borgardt

Das ist menschenverachtend! Die Hersteller essen es selbst vielleicht gar nicht, weil sie nicht als ""Versuchsmenschen" herhalten wollen?

Hallo Gentechnik-Ablehner,
im Sommer haben wir in Sueddeutschland regelmaessig Sahara-Sand-Staub in der Luft. Glaubt Ihr ernsthaft, dass die (gentechnisch veraenderten) Raps-Pollen aus den USA nicht den Weg ueber den Atlantik nach Deutschland finden ? Denkt mal ernsthaft drueber nach ! Und / Oder macht Euer Oel einfach selbst : Lohnpressung von Walnusskernen bei mir : www.oelmuehle-hillenbrand.de

L. Achenbach

Herzlichen Glückwunsch, Schrot & Korn!

Schön, dass bei Euch jetzt auch das Zeitalter der Klonierung begonnen hat! Der Artikel oben ist ja leicht als Klonprodukt des Artikels vom 27.05.15 erkennbar. Gut, es hat ein paar Mutationen gegeben, aber die Hinterwäldler Kern-Botschaft von der Gentechnik-Hintertür ist ja erhalten geblieben. Leider war keine der Mutationen positiv. Nichts ist wahrer geworden, nichts seriöser. Man könnte statt Klonierung auch „Wiederkäuung“ sagen, das geziemt sich für ein Ökoblättchen ja eher. Ach, was soll man auch machen, wenn Greenpeace, BUND, Then... nichts Neues einfällt und die sich ohnehin doch nur gegenseitig plagiieren. Man muss sein Blättle ja füllen und die Kundschaft und vor allem die Bio-Inserenten dürsten nach Linientreue.
Springt doch mal über Euren Schatten und erklärt den Lesern, was da bei RTDS wirklich geschieht und wie wertvoll die Methode gerade in der Bio-Pflanzenzüchtung sein könnte, wenn man sie ließe. Am besten von einem Autor, der auch wirklich was von Pflanzenzüchtung versteht, so ein „Gen-Lobbyist“, wie man bei Euch sagen würde!
Verhindern lässt sich RTDS ohnehin nicht. Man kann sie ja verwenden, ohne das es jemand merkt. Ihr habt doch schon Gentechnik-Chymosin-Käse im Bioangebot und CMS-Gemüse. Da wäre RTDS noch eine weitere willkommene Bereicherung aus der Welt der Aufklärung.
Hand auf Herz: Ihr habt doch in der Redaktion bestimmt noch ein paar KollegInnen mit naturwissenschaftlichem Verstand. Versteckt die doch nicht immer. Wir leben schließlich in einem Zeitalter des Sich-Outens. Oder steckt das gesamte Vernunft- und Kompetenz-Potenzial jetzt bei Monsanto oder der BVL. Machen es bei Euch letztendlich alle so wie der Ex-Feldzerstörer von Greenpeace, Mark Lynas, nachdem er sich einmal ernsthaft mit Naturwissenschaft befasst hat?