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Das tägliche Extra

Nahrungsergänzung © shutterstock/sarsmis
Vitaminpräparat ist nicht gleich Vitaminpräparat. Ein Blick auf die Zutatenliste hilft – und nachfragen. © shutterstock/sarsmis

Nahrungsergänzung Vitamin C, Eisen & Co. gibt es auch im Bio-Laden. Doch nicht alle Produkte sind bio-zertifiziert. Das hat mehrere Gründe. Leo Frühschütz

Der Trend ist ungebrochen. Laut Umfragen nehmen mehr als ein Drittel aller Deutschen Nahrungsergänzungsmittel. Sie wollen ihrer Gesundheit etwas Gutes tun und sich optimal mit Nährstoffen versorgen.

Nahrungsergänzungsmittel seien dazu nicht nötig, sagen viele Wissenschaftler. Wer sich gesund und vollwertig ernähre, brauche keine Vitamin-Pillen, so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Aber auch die DGE empfiehlt in zahlreichen Fällen, die Nahrung durch Nährstoffe zu ergänzen: Frauen mit Kinderwunsch sollen zusätzliche Folsäure zu sich nehmen, Schwangere und Stillende auf Eisen und Jod achten und Veganer bräuchten eine Extra-Dosis Vitamin B12. Für Babys und Menschen, die wenig nach draußen kommen, empfiehlt die DGE die Einnahme von Vitamin D. In all diesen Fällen gehen die Wissenschaftler von einem möglichen Mangel aus.

Aus der Natur oder aus dem Labor?

Wem bei Vitaminen, Mineralstoffen & Co. die Qualität wichtig ist, sollte sich das Angebot genau ansehen. Denn Vitamin ist nicht gleich Vitamin, Mineralstoff nicht gleich Mineralstoff.

Die meisten Nahrungsergänzungsmittel (NEM) in Drogerien und Apotheken enthalten Vitamine und Mineralstoffe, die synthetisch produziert wurden. Vitamin C etwa kann mit Hilfe gentechnisch veränderter Organismen hergestellt werden. Die Hersteller von NEM im Bio-Laden haben hingegen den Anspruch, Nahrungsergänzung in einer möglichst natürlichen Form zur Verfügung zu stellen. Deshalb stammt etwa das Vitamin C aus dem zu Pulver getrocknetem Saft der Acerolakirsche. Es kommt nicht als isolierter Nährstoff in Pillen und Pastillen, sondern im natürlichen Verbund zusammen mit den anderen Inhaltsstoffen der Acerolakirsche. So als würde man sie essen.

NEM gelten rechtlich als Lebensmittel und dürfen das EU-Bio-Logo tragen – wenn die pflanzlichen Zutaten Bio sind und keine synthetischen Wirkstoffe zugesetzt wurden. „Wir bieten alle Vitamine, Mineral- und Mikronährstoffe in Bio-Qualität aus pflanzlichen Rohstoffen an“, sagt beispielsweise Michael Gracher, Geschäftsführer des Bio-NEM-Herstellers GSE-Vertrieb. Bei seiner Produktreihe Phyto Vitamins stammen B-Vitamine aus Basilikumblättern, Curryblätter liefern Eisen, Algen Calcium, Zitronenschalen Folsäure und ein Pilzpulver Vitamin D. Mit diesen Nährstoffen aus Bio-Pflanzenextrakten ist das Unternehmen ein Vorreiter in der Bio-Branche.

Viele Hersteller haben bio-zertifizierte NEM im Programm. Doch in den Regalen der Bio-Läden stehen auch Nahrungsergänzungsmittel ohne Bio-Siegel. Das hat mehrere Gründe: Manche bekannten Substanzen lassen sich (noch) nicht in Bio-Qualität herstellen. Beispiele dafür sind Glucosamine als wichtiges Bestandteil für Mittel, die die Gelenke geschmeidig halten sollen oder Coenzym Q10. „Nur wenn wir von einem Wirkstoff oder einem Produkt absolut überzeugt sind, bieten wir dieses unseren Kunden auch dann an, wenn es nicht in Bio-Qualität zu bekommen oder herzustellen ist“, sagt dazu Andreas Raab, der Geschäftsführer des NEM-Anbieters Raab Vitalfood.

Nonna Tröster, Vertriebschefin des Herstellers Sanatur verweist auf Produkte aus Spirulina-Algen, die mit Spurenelementen wie Eisen oder Selen gefüttert wurden, um diese anzureichern. Weil die Futterzusätze in der EU-Öko-Verordnung nicht geregelt seien, könnten die Mikroalgen nicht bio-zertifiziert werden, auch wenn es ansonsten keine Unterschiede zu Bio-Spirulina gebe.

Ein Grund, auf Bio zu verzichten ist für manche Anbieter aber auch, dass chemisch hergestellte Nährstoffe günstiger sind als pflanzliche Bio-Extrakte und sich einfacher dosieren lassen. Zudem ist die Umstellung bewährter Rezepturen auf Bio-Zutaten aufwendig.

Tauchen in der Zutatenliste Vitamine und Mineralstoffe mit ihrer chemischen Bezeichnung auf wie Ascorbinsäure, Folsäure oder Calciumcarbonat, weist das darauf hin, dass es sich um zugesetzte Nicht-Bio-Zutaten handelt. Sobald ein Produkt solche nicht zertifizierbare Zutaten enthält, darf es kein Bio-Logo und auch keinen Hinweis auf Zutaten aus ökologischem Anbau enthalten. Deshalb können Verbraucher nicht erkennen, ob bei einem Gelenke-Mittel nur das Glucosaminsulfat nicht-bio ist oder auch das ebenfalls enthaltene Hagebuttenfruchtextrakt. Da hilft nur nachfragen.

Nicht Bio, aber ohne Gentechnik

In Bio-Läden, die dem Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) oder dem Einzelhändlerverband Naturkost Süd angeschlossen sind, gelten für Nahrungsergänzungsmittel ohne Bio-Zertifizierung extra Qualitätskriterien. So dürfen die dort verkauften NEM keine synthetischen Süßstoffe, Konservierungs- und Aromastoffe, keine gehärteten Fette und Paraffine und keine gentechnisch veränderten Zutaten enthalten. Die verwendeten Farbstoffe und Antioxidantien müssen auch in der Natur vorkommen. Die Richtlinie gibt auch vor, dass die Zutaten „wenn möglich“ aus Bio-Rohstoffen stammen sollen. Cornelia Dressler, die beim BNN die Richtlinie betreut, sieht hier eine positive Entwicklung: „Heute tragen viel mehr NEM das EU-Bio-Label als noch vor fünf Jahren.“

Wer seine Nährstoffdepots im Körper mit Bio auffüllen will, findet im Bio-Laden neben den klassischen Nahrungsergänzungsmitteln aus Bio-Rohstoffen auch zahlreiche andere Produkte mit einer hohen Dichte an gesunden Nähr- und Vitalstoffen. Dazu zählen Proteinpulver aus Hanfsaat oder Sonnenblumenkerne ebenso wie Muttersäfte vitaminreicher Früchte wie Aronia, Hagebutte und Sanddorn. Alle
in Bio-Qualität. 

Regeln für Nahrungsergänzungsmittel (NEM)

Auf die Dosis achten

  • Das Gesetz definiert NEM als Konzentrate „von Nährstoffen oder sonstigen Stoffen mit ernährungsspezifischer oder physiologischer Wirkung“. Verkauft werden sie „in dosierter Form“, etwa als Kapseln oder Tabletten.
  • Auf der Verpackung steht die täglich empfohlene Verzehrsmenge mit dem Hinweis, dass diese nicht überschritten werden sollte. Denn bei einigen Stoffen kann eine Überdosis negative Folgen haben. Zu viel Magnesium etwa führt zu Durchfall.
  • Grenzwerte gibt es keine, nur Leitlinien, etwa vom Bundesinstitut für Risikobewertung. Eine heilende Wirkung kann für NEM per se nicht nachgewiesen werden. Denn in diesem Fall würde das Produkt mit der getesteten Dosis als Arzneimittel eingestuft. Beispiel Glucosamin: Der Gelenkschmierstoff gilt bei einer Tagesdosis von mehr als 1250 Milligramm als Arzneimittel. Präparate mit weniger Glucosamin werden als NEM verkauft.
 
 

Heilen nicht erlaubt

Nahrungsergänzungsmittel dürfen nicht mit Krankheiten werben. „Hilft bei Schnupfen“ geht nicht. Erlaubt sind gesundheitsbezogene Aussagen, die Health Claims. Sie müssen wissenschaftlich belegt und von der EU-Lebensmittelbehörde EFSA abgesegnet sein. Bisher gibt es zugelassene Health Claims nur für Vitamine, Mineralstoffe und einige andere Substanzen. Die Claims sind meist zurückhaltend formuliert. So darf bei Produkten mit viel Zink und Vitamin C „unterstützt die normale Funktion des Immunsystems“ auf der Verpackung stehen.

Erschienen in Ausgabe 02/2018
Rubrik: Ernährung

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