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„Bio ist einfach besser“

Sophia Hoffmann (© Zoe Spawton)
Sophia Hoffmann will den Menschen Lust aufs Kochen machen. (© Zoe Spawton)

INTERVIEW Sophia Hoffmann spielt gern mit Paprika, Blumenkohl und Beeren, ist leidenschaftliche Vegan-Köchin und setzt sich für mehr Frauen am Profi-Herd ein.

Wir treffen uns in der „Lab-Kitchen“, einem veganen Bio-Restaurant in Berlin. Eine bestens gelaunte Sophia Hoffmann begrüßt ihre Freundin Lisa Müller, die Chefin der „Lab-Kitchen“, und kommt zu mir auf die Terrasse. Wir haben Glück und können bei Bio-Kaffee und -Cappuccino mit selbst gemachter Hafermilch in der Sonne klönen.

Du sagst, wir sollen spielerisch mit Essen umgehen und mehr Spaß haben am Kochen. Wir haben aber doch gelernt: „Mit Essen spielt man nicht!“

Diesen Satz haben wir wohl alle in unserer Kindheit gehört, ich auch. Aber ich glaube, das hat man uns nur gesagt, weil man das, mit dem wir gespielt haben, danach nicht mehr essen konnte. Essen ist etwas Wertvolles; und wenn wir bei der Zubereitung spielerisch und kreativ sind, dann schmeißen wir das Essen danach ganz sicher nicht weg. Also ganz grundsätzlich: Ich glaube einfach, dass vielen Menschen die Lust, das Spielerische am Kochen verloren gegangen ist. Und diese Lust will ich wieder wecken.

Und wie bekommen wir Menschen wieder dazu, Spaß am Kochen zu haben?

Gute Frage. Ich versuche es mit einem kreativen Ansatz; zum Beispiel mit sehr farbigem Kochen. Aber natürlich nur mit natürlichen Farbstoffen. Ich will den Menschen die Vielfalt der Lebensmittel – bei mir sind es nur pflanzliche – bewusst machen. Die Vielfalt von Gewürzen, die Vielfalt von Kräutern. Das ist ja zum Glück seit einigen Jahren auch wieder der Trend: zum Slow Food, zur Vielfalt. Ich glaube, viele Menschen wissen gar nicht, was alles möglich ist.

Du bietest zum Beispiel „Event-Kochen“. 

Ja, ich biete Kochkurse an und veranstalte Dinnerabende. Ich glaube, mir fällt Kreativität leicht. Ich erzähle gerne Geschichten. Und mittlerweile bin ich mit Essen kreativ, erzähle mit Essen Geschichten. Früher habe ich journalis-tisch gearbeitet, Kolumnen geschrieben, Musik gemacht. Jetzt arbeite ich mit Essen. Das ist natürlich eine Art Entertainment, und ich zeige jetzt vielleicht nicht unbedingt das, was man jeden Tag zu Hause nachmacht. Aber man kann sich Sachen abgucken. Wir machen diese Dinnerabende zum Teil  auch mit einem popkulturellen Hintergrund: Wir haben ein David-Bowie-Review-Dinner gemacht oder „Game of Thrones“-Farbkonzepte. Natürlich auch, um zu zeigen, was man alles auf einen Teller packen kann.

Ein Abend heißt, frei nach Roy Black, „Ganz in Weiß“. Worum geht es da, ist da wirklich alles weiß?

„Ganz in Weiß“ kommt auch in meinem neuen Buch vor: Da ist eine weiße Torte dabei, eine kalte Gurken-Knoblauch-Mandelsuppe, ein Blumenkohlpüree, das auch immer wieder Menschen überzeugt, die Blumenkohl gar nicht mögen. Dann gibt’s noch ein weißes Sandwich, mit Rettich und Mandelfeta, den ich selber mache.

Hast Du ein Motto für Dein neues Buch?

Ich wollte als zweites Buch nicht einfach nur ein zweites Kochbuch machen, das war mir zu langweilig. Ich habe mir lieber selber eine eierlegende Wollmilchsau zurechtgeschneidert. Einerseits sind zehn Menüs im Buch, die aus Dinnerabenden stammen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe; alle komplett überarbeitet und aufgestockt. Normalerweise sind es nur vier Gänge, im Buch sind es sieben oder acht Rezepte pro Menü. Auf der anderen Seite – das sagt schon der Titel des Buches: „Vegan Queens“ – stelle ich zehn weibliche Unternehmerinnen vor. Die Gastronomie ist nach wie vor männlich dominiert. Aber ich habe gemerkt, dass es in meinem Umfeld hier in Berlin immer mehr Frauen gibt, die die Lokale er-obern, kleine Unternehmen oder Läden aufmachen und Erfolge erzielen.

Was ist das Besondere an weiblichen Gastro-Chefs?

Ich glaube, wir haben eine andere Art zu arbeiten, einen entspannteren Führungsstil, flachere Hierarchien und eine stärkere soziale Komponente in unserer Arbeit. Wir brüllen auch weniger herum. Ich möchte das manifestieren und gleichzeitig sichtbar machen, dass es da eine neue Entwicklung gibt.

Wohin kann diese Entwicklung führen?

Wenn man den Begriff „Gastronomin“ googelt, bekommt man angezeigt: Meinten Sie „Gastronom“? Das muss sich ändern. Ich hoffe, dass es künftig für mehr Frauen attraktiv wird, Gastronomin zu sein. Wir wollen nicht unter-, sondern gleich stark repräsentiert sein.

Also werden in dem Buch die zehn Unternehmerinnen und neue Rezepte von Dir vorgestellt?

Genau. Bei jedem Kapitel ist ein Rezept von einer der Damen. Das sind alles so inspirierende Frauen, da machten schon die Interviews unheimlich viel Spaß. Ich bin mir sicher, dass ihre Leidenschaft, ihre Power irgendwie eine Inspiration für die Leser ist.

Hast Du in Sachen „vegan“ einen missionarischen Charakter?

Ich glaube, Dogmatismus entspricht nicht meiner Natur. Und ich bin davon überzeugt, dass man mehr damit erreichen kann, etwas positiv zu zeigen: was Leckeres kochen, Alternativen zeigen. Ich habe nicht die Vision, dass die ganze Welt auf einmal vegan wird. Mir geht es darum, dass man bewusster konsumiert: egal ob auf dem Teller oder auch was Kleidung und was allgemeinen Konsum anbelangt. Und beim Kochen will ich zeigen, wie einfach und lecker man pflanzlich  kochen kann.

Gehören zum richtigen Kochen für Dich auch Bio-Zutaten?

Ich kaufe fast nur Bio. Ich gehe wahnsinnig viel auf dem Markt einkaufen. Da gibt es Lieferanten aus der Umgebung. Meine Eltern haben irgendwann angefangen, viel Bio einzukaufen, das war in den 80er-Jahren. Viel kommt jetzt wieder: möglichst unverpackt einkaufen, das Getreide aus einem großen Sack im Bio-Laden.

Warum ist Bio wichtig für Dich?

Ein Schlüsselerlebnis war, ich glaube schon als Kind, dass ich irgendwann gemerkt habe: „Das schmeckt einfach besser!“ Ganz banal. So eine Karotte oder ein Apfel schmecken einfach anders. Aber die Bio-Branche muss auch aufpassen: Es gibt Bio mittlerweile in den irrsten Plastik-Verpackungen: Convenience-Produkte, die Bio-Currywurst für die Mikrowelle. Ich denke, dass das sicher nicht der ursprüngliche Gedanke von Bio war.

Manfred Loosen und Sophia HoffmannSchrot&Korn-Redakteur Manfred Loosen traf Sophia Hoffmann in der Berliner Innenstadt in einem Bio-Restaurant.

Zur Person: Sophia Hoffmann

Sophia Hoffmann (© Zoe Spawton)
(© Zoe Spawton)

Die 36 Jahre alte Veganköchin, Kochbuchautorin und Foodbloggerin hat ein bewegtes Leben hinter sich: In München aufgewachsen, lebte sie eine Zeitlang in Wien und jetzt seit acht Jahren in Berlin. Nach dem Abi hat Sophia Hoffmann hier und da gejobbt, als DJ, Journalistin, Sängerin, Party-Veranstalterin und im Bio-Laden gearbeitet. Seit 2011 ist das vegane Kochen ihre Pas­sion: Sie veranstaltet Kochkurse und Dinner-Abende, schreibt Bücher und veröffentlicht mit www.oh-sophia.net einen veganen Blog. Am 06. Oktober erscheint Sophia Hoffmanns neues Buch „Vegan Queens“. www.sophiahoffmann.com

Erschienen in Ausgabe 08/2016
Rubrik: Ernährung

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