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Teller oder Tonne? Essen im Grenzbereich

Täglich wandern Lebensmittel in den Abfall, obwohl sie noch genießbar wären. Aber es geht auch anders. Wir geben Tipps, wie man die Müllmenge klein hält und Geld spart. // Evelyn Griep

Teller oder Tonne Die Ergebnisse einer Studie des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz machen nachdenklich: In Deutschland landen jährlich knapp elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. 82 Kilo davon verfrachtet jeder Bundesbürger selbst in die Tonne.

Doch der Käse, der Joghurt und die Äpfel, die in den Abfall geworfen werden, sind nicht immer ungenießbar. Was die Verbraucher viel häufiger zum Wegwerfen verleitet, ist das Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums, kurz MHD genannt. Seit 30 Jahren ist das MHD in Deutschland als Orientierung für den Verbraucher gesetzlich vorgeschrieben. Es wird vom Hersteller vorgegeben und zeigt an, bis zu welchem Datum das ungeöffnete und richtig gelagerte Lebensmittel Eigenschaften wie Geschmack, Geruch, Farbe, Konsistenz und Nährwert mindestens behält. Danach ist es aber noch keinesfalls reif für die Tonne.

Noch lange nicht Schluss

„Das Mindesthaltbarkeitsdatum sagt nichts darüber aus, ob ein Lebensmittel verdorben ist“, erläutert Silke Restemeyer, Diplom-Oecotrophologin bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn. „Viele Produkte sind länger haltbar und essbar – vorausgesetzt, man lagert sie richtig.“ Nudeln und Reis kann man bei trockener Lagerung Monate nach dem MHD noch verzehren. Gleiches gilt für Mehl, Fruchtsäfte, Konfitüre oder Kaffee. Immerhin mehrere Tage über das MHD hinaus essbar sind Milchprodukte und Eier.

Trotzdem entsorgen viele Verbraucher ihre Vorräte nach Ablauf des MHD. Darin sehen nicht nur die Experten der DGE und der Verbraucherschutzzentralen einen der Gründe für den wachsenden Lebensmittelmüll.

„Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Wegwerfdatum, sondern eine Orientierungshilfe“, erklärte auch die ehemalige Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner anlässlich der Veröffentlichung der eingangs erwähnten Studie. Reagiert hat das Ministerium unter anderem mit einem neuen Internetportal, das Informationen zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen, Rezepte zur Resteverwertung sowie Tipps zur richtigen Lagerung bietet.

Schauen und schnuppern

Doch wie lässt sich feststellen, ob ein Lebensmittel nach Ablauf des MHD noch essbar ist? Experten raten, sich auf seine Sinne zu verlassen. „Der Verbraucher sollte sich das Produkt genau anschauen, daran riechen, es probieren und dann entscheiden, ob er es wegwirft“, rät Silke Schwartau, Diplom-Oecotrophologin bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Das gilt vor allem, wenn die Verpackung geöffnet ist. Dann nämlich gelangen Sauerstoff, Feuchtigkeit und Mikroorganismen an das Lebensmittel und der normale Verfall setzt ein.

Anders als mit dem MHD verhält es sich mit der Angabe „zu verbrauchen bis“, die auf abgepacktem Frischfleisch, Geflügel und Fisch zu finden ist und an die sich Konsumenten unbedingt halten sollten. Es handelt sich dabei um Produkte, die durch Keime leicht verderben können und dann eine Gefahr für die Gesundheit darstellen. Sie sollten nach Ablauf dieses Verbrauchsdatums keinesfalls mehr gegessen und auch nicht eingefroren werden. Ein falsch interpretiertes MHD ist aber nur einer der Gründe dafür, dass unsere Lebensmittel im Müll landen. Oftmals bahnt sich das Problem bereits beim Einkauf an.

„Wir erhalten oft Anrufe von Verbrauchern, meist älteren Menschen oder Singles, die sich darüber beschweren, dass die Lebensmittelpackungen zu groß sind und sie die Hälfte wegwerfen müssen“, berichtet Silke Schwartau. Obwohl es im ersten Moment teurer erscheint: Bei Käse und Aufschnitt lohnt sich der Gang zur Frischetheke – auch für Familien. „Wenn nur eine Person im Haushalt gern Salami mag, ist es besser, ein paar Scheiben an der Theke zu kaufen“, rät Restemeyer.

Um den Einkauf besser zu planen und seinen Kühlschrank und die Vorratskammer nicht zu überfüllen, gelten folgende Tipps: Einkaufszettel schreiben, nicht hungrig in den Supermarkt gehen, leicht Verderbliches erst kurz vor dem Verbrauch kaufen.

„Wir machen uns vor dem Einkaufen zu wenig Gedanken darüber, welche Lebensmittel wir benötigen. Das hat auch mit unserem Lebensstil zu tun. Man ist viel unterwegs, überall gibt es etwas zu essen“, sagt Restemeyer. Da können die Einkäufe fürs Abendessen schon mal liegen bleiben. Auch auf die richtige Lagerung kommt es an. Viele Verpackungen geben Hinweise darauf, wie das Produkt aufbewahrt werden sollte – ob gekühlt, tiefgefroren oder im Dunkeln. In den Kühlschrank gehören Milchprodukte, Käse, Fleisch- und Wurstwaren, Fisch, viele Obst- und Gemüsesorten sowie Eier. Brot hält sich am besten in einem Brotkasten. Die Krümel regelmäßig entfernen und den Kasten mit Essigwasser auswischen, das beugt der Schimmelbildung vor. Viele Lebensmittel lassen sich auch einfrieren. Dazu gehören nicht nur Klassiker wie Fisch, Fleisch und Brotwaren. Auch Margarine, Butter und rohes Obst oder Gemüse halten sich bei Temperaturen unter null Grad mehrere Monate. Wer zu viel eingekauft hat oder Reste nicht verwerten kann, greift einfach zum Gefrierbeutel.

Nicht gleich wegwerfen

Die Küche ist übrigens kein idealer Lagerort. Dort ist es in der Regel zu warm und zu feucht. Wer keinen Vorratsraum oder kühlen Kellerraum zur Verfügung hat, sollte Lebensmittel, die nicht im Kühlschrank aufbewahrt werden, nur in kleinen Mengen frisch einkaufen. Dazu gehören Kartoffeln, Bananen, Zitrusfrüchte, Gurken und Tomaten. Eine dunkle Stelle am Apfel oder an der Banane bedeutet aber nicht, dass das Obst nicht mehr genießbar ist – für seine weitere Verwendung gibt es viele Rezepte.

Immerhin: Das, was jeder von uns jährlich entsorgt, hat einen geschätzten Wert von 300 Euro.

Aus: Vigo Gesundheit, Ausg. 4/2012

Brot sollte auch bei kleinen Schimmelstellen komplett weggeworfen werden. Es besteht das Risiko, dass sich Pilzgifte gebildet haben.

Eier sind vom Legedatum an mindestens vier Wochen haltbar, wenn sie gekühlt werden. Für Rezepte mit rohen Eiern nur frische verwenden.

Bei Obst und Gemüse können Faulstellen Schimmelgift enthalten. Äpfel, Birnen oder Tomaten gehören in den Müll, Kohl kann abgeschnitten werden.

Käse ist umso haltbarer, je härter er ist. Es gilt: Von Hartkäse Verschimmeltes abschneiden, Frisch-, Weich- und Schnittkäse dagegen entsorgen.

Getreideprodukte wie Mehl und Müsli sind in verschimmeltem Zustand verdorben und gesundheitsgefährdend. Komplett entsorgen.

Milchprodukte mit sichtbarem Schimmel wegwerfen. Das gilt auch für Fruchtaufstriche. Je flüssiger, umso schimmelgefährdeter.

Fruchtsäfte zeigen Schimmelbefall durch Schlierenbildung an. Hier gilt: Den gesamten Flaschen- oder Kartoninhalt wegkippen.

Trockengewürze lagern meist in der Nähe des Herdes, wo Bakterien und Keime gedeihen. Also nach Ablauf des MHD entsorgen.

Reis und Nudeln sind bei trockener Lagerung lange über das MHD hinaus haltbar. Ausnahme: Vollkornprodukte wegen ihres ölhaltigen Keimlings.

Abgelaufene Schokolade bleibt genießbar, auch bei grauweißer Verfärbung. Das ist die Kakaobutter, die ausflockt. Nicht schön, aber ungefährlich.

Kommentare

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Waltraud Meger
Eine interessante Übersicht. Allerdings fehlt der Hinweise über den Umgang mit Fleisch.

Außerdem der Hinweis, dass man in Restaurants nicht verzehrte Speisen mitnehmen kann. Die müssen nämlich weggeworfen werden.

Vielleicht gibt es irgendwann die Hinweise als heraustrennbaren Poster.