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Ölquelle in Sachsen

Sechs Leser zu Besuch beim Bio-Öl-Hersteller Bio Planète: Sie lernen den Unterschied kennen zwischen Olivenöl und Olivenöl, entdecken das Geheimnis von Leinöl und erfahren, was Kartoffelanbau mit Bio-Ölen zu tun hat. // Manfred Loosen, Fotos. Katja Krause

-> Interview mit Judith Moog

Begegnen - Interview

Um die Bio Planète-Chefin Judith Moog (grüner Pullover) gruppieren sich Johannes Krüger, Claudia Rostenbeck-Orlowski, Dirk Peter (oben) und Helga Schicht, Andrea Krüger, Schrot&Korn-Redakteur Manfred Loosen und Monique Hanemann.

Lommatzsch ist nicht gerade der Nabel der Welt: mitten in Sachsen gelegen, gut 5 000 Einwohner. Wir treffen uns in einem der kleinsten Ortsteile von Lommatzsch: in Klappendorf. Doch Klappendorf ist dann doch irgendwie der Nabel der Welt, zumindest der Bio-Öl-Welt. Denn hier ist Bio Planète zu Hause, der Bio-Öl-Hersteller feiert in diesem Jahr ein großes Jubiläum. Die Firma gibt es jetzt schon seit 30 Jahren. Fast alle unsere Leserinnen und Leser sind pünktlich; das ist nicht selbstverständlich, denn erstens ist Klappendorf gut versteckt und zweitens die Gebäude von Bio Planète. Von der Straße aus ist kaum zu erkennen, dass hier – ähnlich einem Hofladen – ein Fabrikverkauf der etwa 40 verschiedenen Öle stattfindet.

Begegnen - LeserreportageLeser aus der Region

Gekommen sind Monique Hanemann, Beamtin beim Freistaat Sachsen, und ihr Partner Dirk Peter aus Chemnitz, der als Meister im Volkswagen-Motorenwerk arbeitet. Ausgelöst durch eine lange, schwere Krankheit ist der 43-Jährige auf Bio-Lebensmittel umgestiegen.

Claudia Rostenbeck-Orlowski kommt aus Belgershain und hatte es ebenfalls nicht weit. Der Übersetzerin und jungen Mutter sind hochwertige Lebensmittel wichtig. Öle mit ihren wertvollen Inhaltsstoffen gehören für sie in jedem Fall dazu. Einen noch kürzeren Weg hatte Helga Schicht: Die 59-Jährige wohnt im 20 Kilometer entfernten Weinböhla.

Andrea Krüger ist eine Fachfrau: Die 44-Jährige arbeitet in einem Chemnitzer Bio-Laden. Ein totaler Zufall, dass sie ausgelost wurde. Andrea Krüger kocht gern, macht Yoga und hat ihren 16-jährigen Sohn Johannes mitgebracht, der in der Schule einen „Fortbildungstag“ erbeten und genehmigt bekommen hat.

Chefin-Behandlung

Judith Moog, die Chefin von Bio Planète, begrüßt uns persönlich. Sie hat Philipp Plüschke und Manja Barig von der Vertriebs- und Marketing-Abteilung mitgebracht. Die drei stellen uns bei duftendem Kaffee und frischen Croissants ihre Firma vor. Wie es vor 30 Jahren anfing, als Judith Moogs Vater in Deutschland alle Zelte abbrach, um mit der Familie im Kleinwagen nach Südfrankreich auszuwandern. Dort entstand dann in Bram – nicht weit von Toulouse, Carcassonne und der spanischen Grenze entfernt – eine Ölmühle. „Das war die erste reine Bio-Ölmühle Europas!“, erzählt Judith Moog stolz.

Angefangen hat man mit dem Pressen von Sonnenblumenkernen, heute macht Bio Planète mit modernster Technik und in alter handwerklicher Tradition Öle aus mehr als 15 verschiedenen Saaten, Nüssen und Kernen. Die Zentrale steht noch heute in Bram. Im sächsischen Klappendorf, wo wir uns getroffen haben, befindet sich das deutlich kleinere Standbein der Firma. „Hier entwickeln wir vor allem neue Produktideen“, sagt Judith Moog, „zum Beispiel sind die Omega-Color-Öle hier entstanden.“ Dafür seien über Wochen viele, viele Öle verkostet worden, bis man schließlich entschied, welche die entscheidenden Geschmacks- und Gesundheitsaspekte in sich vereinen. Gutes Algenöl habe zum Beispiel einen leichten Jodgeschmack. „Den wollten wir ein bisschen abrunden“, erklärt die Chefin: „Mit Öl aus gerösteten Walnüssen klappt das wunderbar.“ Einige wenige Öle kauft Bio Planète zu: „Das Algenöl bekommen wir von einer Firma aus der Schweiz.“

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Links: Judith Moog zeigt Monique Hanemann, Johannes und Andrea Krüger alte und aktuelle Öl-Etiketten.
Mitte: Die abfallenden gelben Blüten geben den Blick auf die Sonnenblumenkerne frei: Die Ernte kann bald starten.
Rechts: Monique Hanemann und Dirk Peter freuen sich, dass Bio Planète in Sachsen Sonnenblumen anbaut.

Lieferantensuche

Leserin Monique Hanemann will wissen, wie die Zulieferer ausgesucht werden. „Das läuft so, wie ein Einkauf auf dem Wochenmarkt!“, lacht Judith Moog: Wenn man mit einem Anbieter zufrieden sei, kaufe man da immer wieder. Es gebe in der Regel langfristige Verträge. Ab und zu würden aber auch neue Lieferanten gesucht und gefunden. Das Aprikosenkernöl komme zum Beispiel – bio und fair – aus der Türkei. Dirk Peter fragt, wie denn die Qualität garantiert werden könne. „Mit Vertrauen und vielen Kontrollen“, sagt Judith Moog. Schon beim Bauern würden Proben genommen und untersucht, die angelieferte Ware werde zusätzlich im Labor kontrolliert.

Claudia Rostenbeck-Orlowski fragt, ob denn die ländertypischen Öle von Bio Planète irgendwann im Jahr ausverkauft sein können oder schnell nach neuen Bauern gesucht werde, wenn zum Beispiel das Olivenöl von der Insel Kreta besonders gut läuft. Darauf antwortet Judith Moog, es könne schon mal sein, dass ein bestimmtes Länderöl nicht mehr angeboten werden könne, weil es schlicht ausverkauft sei: „Wenn wir aber merken, dass die Kunden gerade ein Öl besonders häufig kaufen, versuchen wir, neue Lieferanten zu finden. Das ist aber nicht immer möglich, weil uns die Qualität oft nicht ausreicht.“

Die Leser stellen wissbegierig viele Fragen. Sie interessiert zum Beispiel, warum so viele Öl-Rohstoffe aus dem Ausland eingeführt werden. Das liege zum einen natürlich am Klima („Argan-Bäume wachsen hier halt nicht!“), erklärt Judith Moog, aber es gebe auch andere Probleme: Raps zum Beispiel wachse gut in Deutschland. Aber der sei von sieben verschiedenen Schädlingen bedroht. „Da muss viel mehr nach Alternativen geforscht werden“, wünscht sich die Bio Planète-Chefin. Die Firma kauft Raps derzeit in Ungarn, wo Raps bisher noch wenig verbreitet ist. Deshalb gibt es dort auch die Schädlinge seltener. In diesem Jahr habe man aber auch rund um Klappendorf mit dem Raps-Anbau begonnen.

Warum einige Bio-Produkte aus China kämen, will Leserin Helga Schicht wissen. „Das ist sicher politisch ein problematisches Land“, gibt Judith Moog zu, „aber wir kaufen zum Beispiel seit fast 20 Jahren Bio-Erdnüsse in einem Projekt in China. Wir haben dieses Projekt groß gemacht, es ist fairtrade-zertifiziert. Wenn wir da plötzlich nicht mehr kaufen würden, wäre das ein Nachteil für die Arbeiter in dem Projekt. Das wollen wir nicht!“

Um nicht nur in fremden Ländern den Bio-Anbau zu unterstützen, ist Judith Moog auch zu Hause in Sachsen sehr rührig. Im vergangenen Jahr wurde begonnen, Sonnenblumen anzubauen.

Und weil wir schon eine ganze Weile gesessen und diskutiert haben, kommt jetzt Bewegung in die Besuchergruppe: Es geht aufs Feld zu den Sonnenblumen.Im Kleinbus wird die Besuchergruppe ein paar Kilometer aufs Feld gefahren. Die Busfahrt nutzt Dirk Peter, um zu fragen, ob denn das Land Sachsen Bio Planète unterstütze. „Nein“, antwortet Judith Moog, „die Politik kümmert sich kaum um uns. Die haben seit Jahrzehnten mit Riesenbetrieben zu tun. Da sind wir mit unseren 300 Hektar offenbar zu unbedeutend.“

Monika, Ditta und Agria Dabei ist die Firma für so einen kleinen Ort wie Lommatzsch ein durchaus wichtiger Arbeitgeber: 16 Mitarbeiter hat der Betrieb in Deutschland, in Frankreich sind es 39.

Auf dem Feld kommen wir aus dem Staunen nicht heraus: Sonnenblumen, so weit das Auge reicht. Auch wenn sie nicht mehr alle goldgelb blühen, ist die Fläche, die sie einnehmen, beeindruckend. Zehn Pflanzen stehen hier pro Quadratmeter, in ein paar Wochen werden auf jedem Hektar 2,5 Tonnen Sonnenblumenkerne geerntet. Daraus kann Bio Planète fast eine Tonne Öl pressen.

Wir steigen wieder in den Bus und fahren zum nächsten Feld. Hier erwarten uns schon Monika, Anuschka, Ditta und Agria: Die kann man zu Puffern verarbeiten. Und das war dann doch überraschend für uns alle: Bio Planète baut Kartoffeln an – obwohl man daraus gar kein Öl pressen kann.

Naja, ganz so ist es nicht: Die Kartoffeln baut das Bio-Hofgut Faller an, eine Partnerfirma von Bio Planète, für die auch Judith Moog verantwortlich ist. Mit diesem Projekt will sie ihr Engagement für die Region, für die Menschen hier verstärken. Die Bio-Kartoffeln werden auf Märkten und in Bio-Läden der Umgebung verkauft. In diesem Jahr ist die Ernte nicht so gut. Weil es lange so wenig geregnet hat, werden etwa 40 Prozent der Knollen so klein sein, dass sie leider nur als Viehfutter verkauft werden können, schätzt Jens Werner, einer der Kartoffelbauern, die Lage ein.

Wir fahren wieder nach Klappendorf, wo nach dem Mittagessen – gewissermaßen als Dessert – eine Öl-Verkostung auf uns wartet. Auf knackigen Weißbrotwürfeln erschmecken wir die Unterschiede zwischen tunesischem, spanischem, kre-tischem, italienischem, portugiesischem und provenzalischem Olivenöl; einige sind scharf, als ob Chili drin wäre, andere schmecken sehr mild. Ganz begeistert sind wir von Sesam- und Kürbiskern- sowie vor allem von den Nussölen. „Einige Nussöle bieten wir auch als geröstete Variante an, hier kommt das Aroma besonders heraus“, erklärt uns Judith Moog das fantastische Geschmackserlebnis.

Wir erfahren, dass die meisten Öle kalt gepresst werden, um die wertvollen Inhaltsstoffe nicht zu zerstören. Beim Bratöl ist das anders: Weil das ja in Topf und Pfanne heiß werden muss und geschmacksneutral sein sollte, wird das Öl nach dem Pressen kurz mit Wasserdampf behandelt. Das Bio Planète-Bratöl wird aus besonders ölsäurereichen Sonnenblumenkernen gepresst und ist deshalb von Natur aus sehr hitzebeständig.

Konventionelle Öle werden ganz anders hergestellt, erfahren wir. Da wird oft heiß – und mehrfach – gepresst und sogar Hexan zugesetzt. Das ist ein Lösungsmittel, mit dem in einem vier- bis sechsstündigen Prozess bei bis zu 280 Grad das Öl aus den Saaten gepresst wird. „Da bleibt der Geschmack oft auf der Strecke“, erklärt Judith Moog.

Was wirklicher Geschmack ist, erfahren wir bei den Omega-Ölen, die Bio Planète gerade zur „Biomarke des Jahres 2014“ gemacht haben. Das Besondere an den drei Ölmixturen Omega Color: Sie bestehen aus mildem Leinöl. Die Bitterstoffe werden mit der selbst entwickelten „3D-Filtration“ auf natürliche Weise entfernt. Dadurch behält das Leinöl seinen milden, etwas nussigen Geschmack – und ist perfekter Grundstoff für die Omega-Öle.

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Links: Leserinnen Claudia Rostenbeck-Orlowski und Andrea Krüger beim Etikettieren und Verpacken der Omega-Color-Öle.
Mitte: Leserin Helga Schicht war überrascht, wie unterschiedlich Olivenöle schmecken können, je nach Herkunft.
Rechts: Johannes Krüger bei der Öl-Verkostung. Dabei werden fast alle Sinne gebraucht: Farbe sehen, Geruch checken, Geschmack testen.

Öl mit besonderem Pep

Beim Omega Orange werden zum Beispiel nur Granatapfelkernöl, Blütenpollen und ätherisches Orangenöl zugesetzt; schon ist es fertig, das Öl, das die Zunge nicht mehr vergisst.

Nach einer Besichtigung der Firmenbüros – der alte Bauernhof ist liebevoll peu à peu ausgebaut worden, weil immer mehr Mitarbeiter dazu kamen – fahren wir nach Meißen. Nein, wir gucken uns keine Porzellanmanufaktur an, sondern das „Atelier“. So nennen die „Bio-Planètarier“ die Halle, in der die Öle abgefüllt und verpackt werden. Normalerweise arbeiten hier bis zu sechs Menschen vom Roten Kreuz, die wegen einer leichten Behinderung woanders nur schwer einen Job finden würden. Heute haben sie schon frei. Deshalb dürfen wir uns ausleben. Zunächst aber gibt es wieder etwas zu probieren: Auf kleinen Löffeln verteilt Judith Moog Schwarzkümmelöl. Sehr intensiv! Pur wird es kaum genutzt. Aber dass dieses Öl im Omega Green seinen nachhaltigen Eindruck hinterlässt, können wir uns jetzt gut vorstellen.

Johannes Krüger entdeckt riesige Beutel vakuumverpackter Blütenpollen. Daneben stehen Fässer mit je 500 Litern Öl. Nun beginnt die Arbeit. Gut, dass Pollen und Leinöl bereits mit Orangenöl gemischt und in Flaschen abgefüllt wurden. Wir können gleich loslegen: Mit einer Maschine klebt Andrea Krüger die Etiketten auf die Fläschchen, Sohn Johannes verschließt mit Schrumpffolie den Schraubdeckel ganz dicht. Monique Hanemann steckt die Flaschen in schützende Kartons, Partner Dirk Peter klebt noch einen Sticker drauf und Claudia Rostenbeck-Orlowski steckt jeweils vier Öle in eine Umverpackung.

In Handarbeit verpackt

Bleibt für Helga Schicht, das Etikett auf die Umverpackung zu kleben. Alles Handarbeit. Dann tauschen die Leser, damit jeder alles machen kann. Die Omega-Öle werden so aufwendig verpackt, weil die sensiblen Inhaltsstoffe lichtgeschützt aufbewahrt werden sollten.

Nach getaner Arbeit fahren wir in den Weinberg. Nein, Bio Planète stellt nicht auch noch Wein her. Aber um die Verbundenheit mit ihrer Heimat zu zeigen, hat uns Judith Moog noch zu einer kleinen Weinprobe mit echt sächsischen Weinen eingeladen. Davon beschwingt und von den Erlebnissen des Tages beeindruckt, fahren wir – mit Warenproben reichlich bedacht – nach Hause.

Kommentare

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R. Gebhard
Durch die 3D Filtration beim Leinöl werden sicher auch die "Sekundären Pflanzenstoffe" mit ausgefiltert. Frisch gepresstes Leinöl ist nicht bitter. Empfehle wie unsere Vorfahren, immer frisch gepresstes Leinöl zu verwenden, welches in der Regel erst nach 4 Wochen bitter wird.

MfG

R.Gebhard