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Auf jeden Fall bio!

Wer Yoga praktiziert, isst vegetarisch. Oder? Ganz so einfach ist es nicht. Denn die Yogis von heute ernähren sich unterschiedlich. Zwei wichtige Aspekte dabei: Bio und Gewaltlosigkeit // Martina Bäumer

-> Yoga und Ernährung

Geniessen - Was essen Yogis?

S eit Jahrtausenden gelten bei den indischen Yogameistern Gemüse, Vollkorn, Früchte und Milchprodukte als gut für Körper und Geist. Fleisch und Fettiges sind verpönt. Die Yogis heute sind sich uneinig über den richtigen Weg zwischen strengem Veganismus und einem gelegentlichen Stück Bio-Fleisch auf dem Teller …

Sharon Gannon gehört zu den überzeugten Veganern unter den Yogis. Sie verzichtet nicht nur auf Fleisch, Fisch, Eier und Honig, sondern auch auf Milchprodukte – obwohl die alten Yogameister diese noch empfohlen haben. Gannon hat zusammen mit David Life das dynamische Jivamukti-Yoga entwickelt und unterrichtet Promis wie den Sänger Sting. Um sich selbst, den Tieren und der Umwelt möglichst wenig zu schaden, ernährt sie sich konsequent vegan und bio.

Essen ohne Gewalt

Ihr Ziel: ein Leben im Einklang mit der Erde und allen Lebewesen. In ihrem Buch „Yoga und Vegetarismus“ argumentiert sie, dass wir nicht frei und glücklich sein können, so lange wir Tiere versklaven und quälen und damit Gewalt und Unglück in das Leben anderer bringen. Gannon bezieht sich dabei auf die alten Yoga-Sutras von Patanjali, die philosophische Grundlage des Yoga, die den Pfad zur Erleuchtung aufzeigt. Darin gilt „Ahimsa“, Gewaltlosigkeit, als oberstes Gebot im Umgang mit anderen. Wer anderen schadet, schadet sich selbst. So sollen die Stresshormone im Fleisch der getöteten Tiere demjenigen, der sie isst, den seelischen Frieden nehmen.

Den alten Yogameistern ging es neben der Harmonie mit anderen Lebewesen auch um die Yoga-Praxis und die angestrebte Einheit zwischen Körper und Geist. Ihre Schüler sollten nichts essen, was sie beim Meditieren und bei den Übungen stört. Die Ernährung sollte sie mit Lebensenergie („Prana“) versorgen, ihren Geist klären und ihre Konzentration stärken, statt sie matt und schläfrig oder unruhig und nervös zu machen.

Fleisch macht müde

Und das scheint in der Praxis auch zu funktionieren: „Zwar gibt es keine Studien, doch die Teilnehmer an Meditations- und Yoga-Kursen berichten häufig, dass sie sich durch vegetarische oder vegane Ernährung besser konzentrieren können“, erzählt Professor Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus Berlin. Kein Wunder: „Fleisch braucht etwas 12 Stunden, bis es im Körper verdaut ist“, erklärt Michalsen. Viel Arbeit für den Körper – und die macht müde.

Und noch eine Erfahrung haben die Praktiker gemacht: Wer auf Fleisch verzichtet, kann bei den Asanas, den Übungen im Yoga, offensichtlich besser dehnen. Die Ernährungsempfehlungen der alten Yogameister scheinen also durchaus sinnvoll. Danach gelten gedämpftes Gemüse, gekochtes Getreide und Milchprodukte wie Milch, Frischkäse, Joghurt und geklärte Butter (Ghee) als rein und wenig belastend für den Körper. Diese „sattvig“ genannte Nahrung kommt auch heute noch in indischen Ashrams, den Meditationszentren, auf den Tisch.

Vegan für die Umwelt

Trotz der traditionell lacto-vegetarischen Ernährung der Yogis halten es heute immer mehr von ihnen wie Sharon Gannon und verzichten auch auf Milchprodukte. Warum? Gannon argumentiert, dass sich selbst in Indien das Leben der Kühe, die dort seit Jahrtausenden als heilig verehrt werden, geändert hat. Auch dort gibt es inzwischen industrielle Viehzucht. Männliche Kälber in den Milchviehbetrieben werden geschlachtet, das Fleisch und das mit giftigen Substanzen gegerbte Leder ins Ausland exportiert. Das ist nicht mit dem Ziel vereinbar, sich selbst, den Tieren und der Umwelt möglichst wenig zu schaden.

Der Seminaranbieter Yoga Vidya argumentiert ebenfalls in diese Richtung und hat sein einst vegetarisches Yoga-Kochbuch auf vegan umgestellt. Ausschlaggebend neben dem Tierschutz waren „die Fülle von Studien, die nahelegen, dass der Verzehr tierischer Produkte Erkrankungen wie Krebs, Herzkreislaufprobleme und Allergien begünstige“.

Auch Anna Trökes, Yoga-Lehrerin und Mit-Autorin des Yoga-Kochbuchs, achtet darauf, nichts zu essen, was mit Ausbeutung und Quälerei zu tun hat. „Die Yoga-Philosophie und die Yoga-Praxis haben meine Bewusstheit und meine Achtsamkeit geschult“, begründet sie ihr Ernährungsverhalten. Dass ihre vegan lebende amerikanische Kollegin in Yogastunden Videos mit Schlachthof-Szenen zeigt, geht ihr allerdings zu weit: „Ich finde, jeder Mensch muss für sich entscheiden, was er isst. Das muss aus dem Herzen kommen“, sagt Trökes. Sie kauft ausschließlich Bio-Produkte und isst überwiegend vegetarisch. Ganz selten kommen Eier, Milchprodukte oder eine Wurst vom Bio-Metzger auf den Tisch. Und wenn sie ein Stück Schokolade oder eine Bio-Wurst isst, dann macht sie das mit Genuss – nicht mit Schuldgefühlen.

Ähnlich undogmatisch geht auch Kerstin Rosenberg, Geschäftsführerin der Europäischen Akademie für Ayurveda, mit dem Thema Yoga-Ernährung um. Yoga ist ein zentrales Element der traditionellen Heilkunst Ayurveda und beide haben dieselben altindischen Wurzeln. Die Ernährung im Yoga und im Ayurveda ist in der Praxis ähnlich, mit zwei Ausnahmen: Im Ayurveda gibt es, entgegen der alten Yoga-Schriften, auch mal Fleisch, wie eine Hühnersuppe bei Grippe oder Schalentiere bei Herzkranken. Und während im Yoga in der Regel wenig gewürzt wird, um die Sinne nicht abzulenken, werden im Ayurveda Gewürze vielfach als Heilmittel eingesetzt. „Bei der Yoga-Ernährung geht es vor allem darum, nichts Störendes zu essen und mit Hilfe der Ernährung die geistige und spirituelle Entwicklung zu unterstützen. Im Ayurveda soll die Ernährung Beschwerden lindern und typgerechte Eigenschaften ausgleichen“, erklärt Rosenberg.

Rohkost für mehr Energie

Während Kerstin Rosenberg vor allem für gestresste Menschen eher warme Mahlzeiten empfiehlt, ist aus Sicht mancher Yogis eine gekochte Mahlzeit „tot“. Die Anhänger der Rohkost-Bewegung essen nur Lebensmittel, die nicht über 42 Grad erhitzt wurden. Brot, Nudeln oder Kaffee sind tabu. Eine Expertin in Sachen veganer Rohkost ist Gisela Bayer (www.glowinggourmet.com). Als sie vor Jahren im Rahmen einer Heilpflanzen-Ausbildung nur mit rohen Lebensmitteln versorgt wurde, war sie zunächst skeptisch. Doch sie fühlte sich bald besser, wie sie in einem Interview in der Rohkost-Zeitschrift „Die Wurzel“ berichtet. Die Ernährungsumstellung machte die frühere Vegetarierin energiegeladener und gelassener. Gesundheitliche Probleme, wie eine chronische Nebenhöhlenentzündung, verschwanden. Andreas Michalsen sieht eine überwiegende Rohkost-Ernährung eher kritisch. Zwar sei ein Rohkostanteil von 50 Prozent im Rahmen einer gesunden Vollwert-Ernährung durchaus empfehlenswert, jedoch abhängig von der Verträglichkeit.

Die Ernährung der Yogis ist also ähnlich vielfältig wie das Yoga selbst. „DIE Yoga-Ernährung gibt es nicht“, sagt Ayurveda-Koch und Yogi Volker Mehl. Im Ayurveda sieht man das Thema Ernährung im Alltag ohnehin ganz entspannt. Es gilt der Kompromiss: 75 Prozent gesunde, vegetarische Ernährung und 25 Prozent Ausnahmen – wie der Wein am Abend. Warum? Weil „Ahimsa“, das Gebot der Gewaltlosigkeit, auch uns selbst gegenüber gilt.

Yoga und Ernährung

Nahrung für den Körper
Die alten Yogis unterschieden Nahrungsmittel in drei Gruppen, abhängig von ihrer Grundeigenschaft („Guna“): Gut für die Yoga-Praxis sind demnach sattvische (reine) Lebensmittel wie Gemüse, Getreide, Milchprodu kte und Früchte. Meiden sollte man rajasische Lebensmittel wie Kaffee und scharfes Essen, da diese unruhig machen und aufputschen. Auch Fleisch, Fisch, Eier und Alkohol werden für Yogis nicht empfohlen. Sie gelten als tamasisch – als träge und dumpf machend.

Nahrung für die Gefühle
Eine yogisch reine Ernährung soll nicht nur gut verdaulich, sondern auch ethisch nicht belastet sein. So will es das Gebot der Gewaltlosigkeit („Ahimsa“), eines der höchsten Prinzipien der Yoga-Philosophie, das in den Yogasutras von Patanjali festgehalten ist. Nach dieser ältesten Überlieferung des Yoga ist jedes Leben heilig. Auch in der „Hatha-Yoga-Pradipika“, einer weiteren wichtigen Yogaschrift, steht, dass Fleisch und Fisch als Nahrung für Yogis unpassend sind.

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