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Blind Date in der Küche

Flasche Wein unterm Arm, Zutaten fürs Dessert im Korb – und los zum Blind Date der Demeter-Mitkochzentrale! Schön aufregend ist das, mit Unbekannten zu kochen und zu speisen. // Astrid Wahrenberg

© Michael Himpel // Foodstylist: Jürgen Vondung // Styling: Barbara Hilmes // Rezepte: Demeter-Mitkochzentrale

Rezepte für gemeinsames Kochen

KochtreffIch bin drin. Meine persönlichen Daten reisen jetzt im Netz zur Mitkochzentrale. Wie rund 230 Interessierte vor mir, habe ich mich angemeldet; weil ich davon gehört habe und selbst erleben will, was den Reiz ausmacht. Gemeinsam kochen und essen ist witzig, geistreich und einfach „in“ – das demonstrieren Kochsendungen im Fernsehen jeden Tag. Beim „perfekten Dinner“, bei Kerner und Mälzer wird sich kräftig amüsiert. Aber ist es wirklich so witzig, wenn wildfremde Menschen in der eigenen Küche Schubladen aufziehen, Schränke durchsuchen und vielleicht das teure japanische Messer in die Spülmaschine räumen?

Hans-Peter (52) hat mit Fremden in seiner Küche kein Problem. Gerade war die Kochgruppe bei ihm und seinem Freund Arne zu Gast. Das dritte Mal schon haben die gleichen acht Leute gemeinsam geschnippelt, gehackt, gekocht, abgeschmeckt und geschlemmt. Jedes Mal ist ein anderer Gastgeber. Genau genommen sind sich die acht Mitstreiter mittlerweile auch nicht mehr fremd. Sieben Stunden haben sie beim letzten Treffen zusammen verbracht. Da kommt man sich näher.

Hans-Peter schätzt es, dass man in dieser Gruppe nicht erst erklären muss, warum man Bio gut findet. Man komme nicht in „Rechtfertigungszwang“, wie etwa am Mittagstisch in der Kantine, wenn die Kollegen von ihm wissen wollen, warum er kein Fleisch isst und lieber Öko kauft, statt Schnäppchen im Discounter zu machen.

Thema Nr. 1 beim Kochen

Wenn es um Bio-Themen geht, tauscht man sich in der Kochgruppe über Lieblings-Bio-Einkaufstätten und neue Bio-Lebensmittel aus. Ansonsten sind es persönliche Dinge, über die man spricht, „wie das eben so ist, wenn man mit netten Leuten zusammensitzt, die etwas Interessantes zu erzählen haben“, sagt Hans-Peter. Den ambitionierten Hobbykoch reizt neben der sympathischen, bio-freundlichen Gesinnung besonders die neue

Kocherfahrung. Tipps und Kniffe von den anderen lernen und auch mal was ganz Neues ausprobieren, das macht ihm am meisten Spaß. Bei Eva und Frank gabs letztens eine kalte Kohlrabisuppe, „einfach hervorragend – hätte ich aber von mir aus nie ausgesucht“, sagt er.

Eine E-Mail für mich

Eine kalte Kohlrabisuppe habe ich noch nie gemacht. So wirklich vorstellen kann ich mir den Geschmack nicht. Das kann sich ändern. Gestern war ein freundliches Schreiben in meinem E-Mail-Postfach. Die Demeter-Mitkochzentrale übermittelt mir darin Mail-Adressen von Mitstreitern aus meiner Region, mit denen ich mich in Verbindung setzen kann. Ich schaue nach, ob in meiner Gegend gerade eine Ausschreibung für eine neue Gruppe läuft. Ich habe Glück. Nur 15 Kilometer von meinem Wohnort entfernt lädt jemand nächste Woche zur Mitkochaktion ein. Nach Kontaktaufnahme per Mail telefoniere ich mit Gastgeberin Miriam. Mit sechs Köchen oder Köchinnen will sie kochen, vier Gerichte hat sie dafür ausgewählt. Ich erkläre mich bereit, das Cassata Eisparfait zu übernehmen. Für die Zutaten bin ich auch zuständig. Soweit eigentlich alles ganz unkompliziert. Am Tag X bin ich dann doch leicht nervös. Was ist, wenn wir uns nicht mögen, wenn alles hoch ambitionierte Köche sind, die verbissen zu Werke gehen?

Die Truppe ist schon vollzählig, als ich eintreffe. Freundliche Begrüßung mit einem Glas Sekt und erste Kontaktaufnahme (nett). Wo kommst du her und warum machst du mit? Es ist eine reine Frauenpartie – der einzige Mann hat wegen einer Erkältung abgesagt. Roswitha ist kurzfristig eingesprungen. Die 56-jährige Schulsekretärin hat Lust auf Kochen. Seit ein paar Jahren rührt nämlich zu Hause nur ihr Mann in den Töpfen, weil der als Rentner mehr Zeit hat. Die Freundinnen Britta (31) und Eva (35) haben sich angemeldet, weil sie neugierig sind. Und weil sie sich mangels Kocherfahrung etwas Anleitung bei Kochmanövern erhoffen. Der 63-jährigen Musikpädagogin Hanne fehlt es nicht an Praxis, sie kocht seit Jahrzehnten jeden Tag. Sie möchte sich inspirieren lassen. Wir legen sofort los. Erstaunlich – wir kennen uns nicht und alles läuft wie geschmiert. Die routinierte Köchin Hanne hilft Eva beim Nachtisch. In den Töpfen auf dem Herd köchelt und brodelt es, die Scheiben beschlagen. Egal, wir bekommen sowieso von dem, was außerhalb unserer Küchenwelt passiert, nichts mehr mit. Sechs Frauen kochen und reden ohne Unterlass wild und fröhlich durcheinander. Fast wie bei Kerner – nur schöner, weil „live“ dabei.

Gemeinsam am Herd

Wer zu sich nach Hause einlädt, sollteüberlegen, wie viele Köche die eigene Küche verträgt. Gibt es genug Plätze zum Schnippeln, genug Brettchen und Messer? Können mehrere Leute gleichzeitig am Herd hantieren? Viele Tipps fürs gemeinsame Kochen finden Sie in dem Schrot&Korn-Artikel „Kochen mit Freunden“ (12/2006).

Mitkocher gesucht: ein Zettel am Schwarzen Brett

Auf der Internetseite www.mitkochzentrale.net auf „Einladungsformular“ klicken. Dieses enthält einen Einladungstext sowie Platz für individuelle Daten und Fakten: Wer möchte wo und wann zum Mitkochen einladen, wie viele Mitkocher sind gesucht, wird fleischlos oder mit tierischen Produkten gekocht? Der Zettel kommt ans Schwarze Brett im Bioladen.

Erschienen in Ausgabe 01/2008
Rubrik: Ernährung

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