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Artgerechte Haltung

Traum vom Fliegen?

Die Käfighaltung wird in Deutschland ab 2007 verboten sein. Doch mit Volieren und so genannten umgestalteten Käfigen soll das Gesetz umgangen werden. // Helga Bogner

Dicht an dicht wuseln in künstlich beleuchteten Behältern bis zu sechzig Hennen durcheinander. Eine Handbreit über ihren Köpfen befindet sich schon das Bodengitter der nächsten Etage. So sieht es in der Kleinvoliere aus, der Nachfolgevariante des Batteriekäfigs, die ein niederländischer Hersteller seit drei Jahren testweise betreibt. Ob der Begriff Voliere von Fliegen oder Flattern kommt, wie sich Experten auf der Landwirtschaftsmesse „Eurotier 2004“ unlängst stritten, ist für die Tiere letztendlich ganz egal. Weder das eine noch das andere bringen sie in den halbmeterhohen Behältern zustande. In der Kleinvoliere sollen verschiedene Bereiche ein Minimum an artgerechtem Verhalten ermöglichen. Für die Hauptbeschäftigung der Vögel - ausgedehntes Scharren und Picken - steht auf weniger als einem Quadratmeter eine Kunstrasenmatte mit Streu bereit. Diese muss auch für die Gefiederpflege ausreichen, für die sich das Huhn gerne im Staub badet.

Voliere ist kaum besser

Auf Stangen in unterschiedlicher Höhe sollen sich die Hennen entsprechend der Hackordnung setzen und in den abgedunkelten Abteilen nisten. Die Deckenhöhe ist mit 60 Zentimetern fast genauso niedrig wie bisher gehabt.

Der Kompromissvorschlag des Bundesministeriums für Verbraucherschutz sah etwa doppelt so viel vor. Diese Differenz entscheidet über Flattern oder nicht Flattern. Zwar fliegen Hühner sogar wenige Meter, beispielsweise um auf Bäume zu gelangen, die Experten des Ministeriums erachten dies jedoch nicht für lebensnotwendig. Flattern mit kurzzeitigem Abheben vom Boden muss jedoch gewährleistet sein. Und das ist bei 60 Zentimetern bis zur Decke nicht mehr drin.

Dementsprechend harsch wies Renate Künast den Bundesratsbeschluss zurück und verweigerte ihre Unterschrift. „Wer die Haltung von Legehennen in Deutschland zukunftssicher ausrichten will, darf keinen derartigen Rückschritt beschließen und damit die elementaren Anforderungen an eine tiergerechte Haltung von Legehennen ignorieren“, kritisierte die Ministerin. Damit ist der ausgestaltete Käfig in Deutschland - vorerst - ausgehebelt.

Problematisch ist jedoch, dass in den anderen EU-Ländern die herkömmlichen Legebatterien bis zum Jahr 2012 betrieben werden dürfen und diese dann von den kaum besseren ausgestalteten Käfigen abgelöst werden.

Das Käfig-Ei wird deshalb wohl auch in Zukunft nicht aus deutschen Laden-Regalen verschwinden. Importware aus der EU wird für Nachschub sorgen.

Verbraucher entscheiden

Andererseits hat eine Abstimmung über tierfreundliche Legehennenhaltung an ganz anderer Stelle stattgefunden - bei den Verbrauchern: Fast jeder zweite Kunde greift mittlerweile zu Eiern aus alternativen Haltungsformen. Die Tendenz ist steigend. Und vermutlich nur so - durch den Druck, den die Verbraucher erzielen, indem sie sich für „Bio“ entscheiden - so können wir unseren Mitgeschöpfen ein lebenswerteres Leben ermöglichen.

Da ist Käfig-Ei drin!

Produkte aus konventionellem Anbau enthalten meist Eier aus Legebatterien. Als Flüssig- oder Trocken-Ei kommen sie in Kuchen, Keksen, Nudeln, Likör, Mayonnaise, Schokoküssen und -riegeln oder Salatdressing vor. Auf der sicheren Seite ist man mit Fertiggerichten aus biologischem Anbau: Hier dürfen nur Eier aus artgerechter Tierhaltung verwendet werden.

Keine Panik wegen Dioxin im Freiland-Ei!

Am 16. Januar 2005 verbreitete Bild am Sonntag die Meldung, Freilandeier seien mit Dioxin belastet. Das Thema ging durch alle Medien und hat Verbraucher unnötigerweise verunsichert. Hintergrund: Die Europäische Union hat aus Vorsorgegründen den Grenzwert für Dioxinbelastung in Eiern zum 1. 1. 2005 auf drei billionstel Gramm je Gramm Ei abgesenkt. Fakt ist: Laut Landwirtschaftlichem Untersuchungsamt Freiburg weisen 93 Prozent der Eier aus Boden- und Freilandhaltung Werte unterhalb dieses Höchstwertes auf. Was aber ist in den anderen Fällen schief gelaufen? In einem Fall erhielt ein Bauer Boden von einem belasteten Bahndamm; ein anderes Mal hatte ein Brand das Gift freigesetzt. In einem weiteren Fall war ein Silo mit einem PCB-haltigen Anstrich versehen worden, deren Betreiber ist vor Umweltgiften, Unfällen und Versehen nicht gefeit, doch setzt alles daran, Belastungen zu minimieren. Unabhängig davon gilt: Aus Gründen des Respekts vor dem tierischen Leben gibt es keine Alternative zur Freilandhaltung

Kommentare

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Gundula Schulz
Hühner, die gesund gefüttert werden und Auslauf haben,sind gesund an Leib und Seele, bei Bauk.de sind für mich die glücklichsten und gesündesten Hühner
Dagmar Winkler
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